Israels neue Fußfessel-Politik: „Alternative“ zur Haft – oder nächster Schritt zur Totalüberwachung?

Wie The Cradle berichtet, hat Israels Militär den Einsatz elektronischer Überwachungsarmbänder im besetzten Westjordanland genehmigt – offiziell als „technologische Kontrollmaßnahme“ bei administrativen Auflagen zur Bewegungsbeschränkung.

Laut einer gemeinsamen Erklärung von Armee und Inlandsgeheimdienst Shin Bet (vom 5. Januar) sollen die Geräte Personen betreffen, die unter Anordnungen stehen, die ihren Aufenthaltsort oder ihre Bewegungsfreiheit im Westjordanland einschränken. Wer das Gerät beschädigt oder entfernt, soll kriminalisiert werden – also nicht nur überwacht, sondern gleich doppelt bestraft.

In der Mitteilung wird nicht klar benannt, wer überhaupt „getaggt“ werden soll. In israelischen Medien wurde das Paket trotzdem sofort als Maßnahme gegen radikale Siedler verkauft – Stichwort „hilltop youth“. Begründung: steigende Gewalt gegen Palästinenser, die israelische Stellen als Problem darstellen, das man „in den Griff bekommen“ wolle.

Gleichzeitig riecht das Ganze für Kritiker nach einer PR-Nebelkerze. Denn administrative Haft – also Haft ohne Anklage – wurde nach Angaben von Rechtegruppen für jüdische Verdächtige im Vorjahr gestoppt, während weiterhin „tausende palästinensische Verdächtige“ darunter festgehalten würden. Mit anderen Worten: Für die einen endet der Ausnahmezustand, für die anderen bleibt er Normalität.

Shin-Bet-Chef David Zini soll das elektronische Monitoring als wirksamer als bisherige Restriktionen verkauft haben, weil sich Betroffene über Auflagen schlicht hinwegsetzen würden. Die Botschaft dahinter: Wer nicht gehorcht, bekommt eben die digitale Leine.

Ein Rechtsbeistandsverein, Honenu, erklärte laut Bericht, ein Minderjähriger sei bereits auf einer Polizeiwache mit einer Fessel ausgestattet worden. Die Anwälte sprechen von einer „drakonischen und undemokratischen Maßnahme“, die an „dunkle Regime“ erinnere, die ihre Bürger verfolgen. Harte Worte – aber genau das ist der Punkt: Wenn der Staat ankündigt, Menschen per Technik zu kontrollieren, wird Überwachung schnell zur neuen Normalität.

Israelische Militärkreise sollen außerdem gesagt haben, das System gelte „für Israelis und Palästinenser gleichermaßen“. Das klingt nach Gleichbehandlung – wirkt aber wie ein Feigenblatt, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass Verteidigungsminister Israel Katz administrative Haft gegen Israelis abgeschafft, gegen Palästinenser jedoch beibehalten hat.

Hinzu kommt die lange Vorgeschichte: Im Westjordanland ist Überwachung für Palästinenser seit Jahren kein Ausnahmefall, sondern Alltag – mit Checkpoints, Datenerfassung, Einschränkungen, Kontrollen. Wer jetzt behauptet, die Fußfessel treffe am Ende nur extremistische Siedler, muss erklären, warum ausgerechnet dort plötzlich Fairness herrschen soll, wo Macht seit Jahrzehnten einseitig ausgeübt wird.

Unterm Strich bleibt: Israel verkauft die elektronische Fessel als „Alternative“ zur Inhaftierung – doch ohne klare Angaben, wen es trifft, und mit dem historischen Muster der Ungleichbehandlung wirkt das eher wie die Ankündigung eines neuen Überwachungsinstruments. Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Technik funktioniert – sondern gegen wen sie am Ende eingesetzt wird.

Kommentare

Eine Antwort zu „Israels neue Fußfessel-Politik: „Alternative“ zur Haft – oder nächster Schritt zur Totalüberwachung?“

  1. Avatar von Germanshit@BRiD.de
    Germanshit@BRiD.de

    Massenmörder wie Gestapo oder RSHA

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