Einige Aussagen von Étienne de La Boétie.
Zunächst: wer war Étienne de La Boétie?
Étienne de La Boétie (* 1. November 1530 in Sarlat; † 18. August 1563 in Germignan) war ein französischer Hoher Richter, Gelegenheitsautor und enger Freund von Michel de Montaigne. Bei Wikipedia gibt es – ausnahmsweise mal – sehr gute weiterführende Infos.
Ca. 1550, also mit ersteinmal 20 Jahren (!!!!!) schrieb er u.a. nachfolgende Aussagen:
“Ja, die deutsche Geschichte schmeichelt sich einer Bewegung, welche ihr kein Volk am historischen Himmel weder vorgemacht hat noch nachmachen wird. Wir haben nämlich die Restaurationen der modernen Völker geteilt, ohne ihre Revolutionen zu teilen. Wir wurden restauriert, erstens, weil andere Völker eine Revolution wagten, und zweitens, weil andere Völker eine Konterrevolution litten, das eine Mal, weil unsere Herren Furcht hatten, und das andere Mal, weil unsere Herren keine Furcht hatten. Wir, unsere Hirten an der Spitze, befanden uns immer nur einmal in der Gesellschaft der Freiheit, am Tag ihrer Beerdigung.”
„Arme, unglückliche und dumme Völker, Nationen, die auf ihr eigenes Unglück aus sind und blind für ihr eigenes Wohl! Ihr lasst euch vor euren eigenen Augen um den besten Teil eurer Einkünfte bringen; eure Felder werden geplündert, eure Häuser ausgeraubt, eure Familienerbstücke weggenommen. Ihr lebt so, dass ihr nichts als euer Eigentum beanspruchen könnt; und es scheint, dass ihr euch glücklich schätzt, dass man euch euer Eigentum, eure Familien und euer Leben leiht.“
„Stellen Sie sich nicht vor, dass es einen Vogel gibt, der sich leichter durch einen Köder fangen lässt, oder einen Fisch, der durch einen wurmigen Köder schneller am Haken hängt, als all diese armen Narren, die durch die kleinste Feder, die ihnen sozusagen vor den Mund gehalten wird, geschickt in die Knechtschaft getrieben werden. Wahrlich, es ist ein Wunder, dass sie sich bei dem geringsten Kitzeln ihrer Phantasie so schnell fangen lassen. Spiele, Possen, Schauspiele, Gladiatoren, seltsame Tiere, Medaillen, Bilder und andere derartige Opiate waren für die alten Völker der Köder für die Sklaverei, der Preis für ihre Freiheit, die Instrumente der Tyrannei.“
„Durch diese Praktiken und Verlockungen lullten die antiken Diktatoren ihre Untertanen so erfolgreich unter dem Joch ein, dass die verblendeten Völker, fasziniert von dem Zeitvertreib und den eitlen Vergnügungen, die vor ihren Augen aufblitzten, die Unterwürfigkeit so naiv, aber nicht so glaubwürdig lernten, wie kleine Kinder durch das Betrachten von bunten Bilderbüchern das Lesen lernen.“
„Es gibt in unseren Seelen einen angeborenen Samen der Vernunft, der, wenn er durch guten Rat und Erziehung genährt wird, zur Tugend erblüht, der aber andererseits, wenn er den ihn umgebenden Lastern nicht widerstehen kann, erstickt und verdirbt.“
„Man kann kaum glauben, wie das Volk, sobald es unterworfen ist, plötzlich in ein so tiefes Vergessen der Freiheit fällt, dass es ihm nicht möglich ist, sich aufzuwecken, um sie sich zurückzuholen; so aufrichtig und so freiwillig dienend, dass man bei seinem Anblick sagen würde, dass es nicht seine Freiheit, sondern seine Knechtschaft verloren hat. Es stimmt, dass man zu Beginn durch Gewalt gezwungen und besiegt wurde; doch jene, die danach gekommen sind, die die Freiheit nie gesehen haben und nicht wissen, was sie ist, dienen ohne Reue und tun freiwillig das, was ihre Vorgänger unter Zwang getan haben.“
„Die grundlegende politische Frage ist, warum die Menschen einer Regierung gehorchen. Die Antwort ist, dass sie dazu neigen, sich zu versklaven, sich von Tyrannen regieren zu lassen. Die Freiheit von der Knechtschaft entsteht nicht durch gewaltsames Handeln, sondern durch die Weigerung zu dienen. Tyrannen stürzen, wenn das Volk ihnen seine Unterstützung entzieht.“
„Die Menschen nehmen Knechtschaft an, um Reichtum zu erwerben; als ob sie etwas Eigenes erwerben könnten, wenn sie nicht einmal behaupten können, dass sie sich selbst gehören.“
»Étienne de La Boétie in seiner Schrift „Die freiwillige Unterwerfung des Menschen“


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