Unter der Schirmherrschaft des Internationalen Rates zum Schutz der orthodoxen kanonischen Ordnung am Zentrum für Geostrategische Studien und in Zusammenarbeit mit dem auf orthodoxe Theologie spezialisierten italienischen Verlag Theosis Editrice fand am 30. Juni 2026 im Pressezentrum des Journalistenverbandes Serbiens in Belgrad eine internationale Konferenz unter dem Titel „Ökumene zwischen Dialog und politischer Instrumentalisierung – Theologische und analytische Reflexionen über zeitgenössische ökumenische Prozesse“ statt.
Die Konferenz gehörte zu den wenigen internationalen wissenschaftlichen Veranstaltungen, die sich aus theologischer, kanonischer und geopolitischer Perspektive mit der Analyse der heutigen Ökumene befassten. Renommierte Theologen, Hochschullehrer, Analysten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Serbien, Russland, Griechenland und Italien kamen zusammen, um die gegenwärtigen ökumenischen Entwicklungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Im Mittelpunkt standen sowohl deren theologische Grundlagen als auch ihre Bedeutung im weiteren gesellschaftlichen und geopolitischen Kontext. Besonderes Augenmerk galt dem Verhältnis zwischen der Bewahrung der orthodoxen kanonischen Ordnung, dem interkirchlichen Dialog und den aktuellen politischen Herausforderungen, mit denen die orthodoxe Kirche konfrontiert ist.
Die Teilnehmer hoben in ihren Vorträgen die Bedeutung der Bewahrung der orthodoxen Tradition und der kanonischen Ordnung hervor. Zugleich betonten sie die Notwendigkeit eines offenen wissenschaftlichen und theologischen Dialogs über Fragen von grundlegender Bedeutung – sowohl für das kirchliche Leben als auch für die gegenwärtigen internationalen Beziehungen.
Beiträge der Teilnehmer
Im Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Die Mutterkirche und die Verzerrung der konziliaren Ekklesiologie“ sprach Archimandrit Dionysios Shlenov, Professor am Fachbereich Philologie der Moskauer Theologischen Akademie, über die theologische Bedeutung des Begriffs „Mutterkirche“ sowie über dessen heutige Verwendung innerhalb der orthodoxen Ekklesiologie.
Er betonte, dass in der patristischen Tradition die „Mutterkirche“ in erster Linie die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche sei, die die Gläubigen durch die Taufe zur Welt bringe und sie zur Erlösung führe – nicht jedoch eine bestimmte Ortskirche, die über eine besondere Autorität gegenüber anderen Kirchen verfüge. Spätere Auslegungen dieses Begriffs, die einer einzelnen Ortskirche eine übergeordnete Autorität zuschreiben, stellten seiner Auffassung nach eine Abkehr von der konziliaren Tradition dar und führten ein Modell kirchlichen Primats ein, das mit der orthodoxen Ekklesiologie nicht vereinbar sei.
Mit Blick auf die historische Entwicklung dieses Konzepts erklärte Archimandrit Dionysios, dass sich die politischen Umstände nach dem Fall Konstantinopels schrittweise zu einer theologischen Rechtfertigung weitergehender Jurisdiktionsansprüche entwickelt hätten. Er unterstrich, dass die Einheit der Kirche auf Christus, dem gemeinsamen Glauben und der Konziliarität gründe – nicht auf der Autorität eines einzelnen kirchlichen Zentrums. Abschließend erklärte er: „Der Primat ist keine weltliche Macht, Mutterschaft bedeutet keine Herrschaft, und die Einheit der Kirche ruht auf Christus als ihrem einzigen Haupt.“
Die Direktorin des Zentrums für Geostrategische Studien, Dragana Trifković, analysierte in ihrem Vortrag „Ökumene und die Neudefinition der orthodoxen Identität im Kontext gegenwärtiger geopolitischer Prozesse“ das Verhältnis zwischen der heutigen Ökumene, der globalen Politik und der Bewahrung der orthodoxen Identität.
Sie betonte, dass die Ökumene heute längst nicht mehr ausschließlich eine theologische Frage sei, sondern zu einem Raum geworden ist, in dem sich religiöse, politische und geopolitische Interessen überschneiden. Nach ihrer Auffassung zeigen die gegenwärtigen Entwicklungen, dass der interreligiöse Dialog zunehmend als Instrument umfassender politischer und ideologischer Projekte genutzt werde. Deshalb sei es notwendig, klar zwischen einem authentischen theologischen Dialog und der politischen Instrumentalisierung der Religion zu unterscheiden.
Im Hinblick auf die Rolle des Vatikans und des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel erklärte Trifković, dass moderne Interpretationen des Primats sowie globale Wertvorstellungen Einfluss auf die Neugestaltung der orthodoxen Identität nehmen und das traditionelle Verhältnis zwischen Konziliarität und Ehrenprimat verändern könnten. Als deutlichstes Beispiel für diese Entwicklung nannte sie die ukrainische Kirchenkrise, die sie als eine Verflechtung kanonischer, politischer und geopolitischer Konflikte bezeichnete, deren Auswirkungen in der gesamten orthodoxen Welt spürbar seien.
Abschließend unterstrich sie, dass die Antwort der Orthodoxie auf die Herausforderungen der Gegenwart nicht in erster Linie politischer Natur sein dürfe, sondern vor allem geistlich und ontologisch begründet sein müsse. Sie müsse auf der Konziliarität, der Treue zur orthodoxen Tradition und dem freien Zeugnis für die Wahrheit beruhen. Besonders hob sie hervor, dass die Bewahrung der orthodoxen Identität nur gelingen könne, wenn zwischen theologischer Auseinandersetzung und politischer Instrumentalisierung der Religion unterschieden werde, die Konziliarität gewahrt bleibe und Christus als einziges Fundament der kirchlichen Einheit anerkannt werde.
Die Verlegerin und Chefredakteurin des auf orthodoxe Theologie spezialisierten italienischen Verlages Theosis Editrice, Olimpia Fronzoni, dankte dem Zentrum für Geostrategische Studien sowie Dragana Trifković für ihr aus ihrer Sicht konsequentes Engagement zum Schutz des orthodoxen Glaubens und zur Bewahrung der patristischen Tradition.
In ihrem Vortrag mit dem Titel „Die Unfehlbarkeit der Heiligen Väter als eine der Grundlagen der orthodoxen dogmatischen Tradition“ sprach Fronzoni über die gegenwärtigen theologischen Herausforderungen. Sie betonte, dass zu den zentralen Aufgaben der heutigen Zeit die Bewahrung der Lehre von der Unfehlbarkeit der Heiligen Väter in Fragen des Dogmas gehöre. Nach ihrer Auffassung versuchten bestimmte zeitgenössische ökumenische Interpretationen, die Autorität der patristischen Tradition zu relativieren, indem sie dogmatische Unterschiede lediglich als sprachliche oder historische Besonderheiten darstellten. Dies schwäche nach ihrer Einschätzung das dogmatische Bewusstsein der orthodoxen Kirche.
Besondere Aufmerksamkeit widmete sie dem theologischen Erbe des seligen Augustinus. Sie hob hervor, dass sein Name zwar innerhalb der kirchlichen Tradition erscheine, seine theologische Methodik jedoch niemals zur Grundlage der orthodoxen Dogmatik geworden sei. Darüber hinaus erinnerte sie an die Position des Siebten Ökumenischen Konzils, das – so Fronzoni – bekräftigt habe, dass die authentische Lehre der Kirchenväter niemals im Widerspruch zu den Wahrheiten des orthodoxen Glaubens stehen könne.
Abschließend erklärte Fronzoni, dass die Bewahrung der patristischen Tradition von grundlegender Bedeutung für die orthodoxe Identität sei. Die Einheit und Kontinuität der Kirche gründeten sich, so ihre Auffassung, auf die geoffenbarte Wahrheit, die durch die Propheten, die Apostel, die Ökumenischen Konzilien und die Heiligen Väter überliefert worden sei – nicht auf späteren Relativierungen dieser Wahrheit.
Zum Thema „Egoismus, Eitelkeit und Hochmut erschüttern den Phanar“ sprach der griechische Theologe, Journalist und Chefredakteur der orthodoxen Wochenzeitung Orthodoxos Typos, Georgios Tramboulis.
In seinem Vortrag betonte Tramboulis, dass die Einheit der orthodoxen Kirche auf der Gemeinschaft im Heiligen Geist, der Konziliarität und dem gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens beruhe – nicht auf administrativer Zentralisierung oder der Autorität eines einzelnen kirchlichen Zentrums. Seiner Auffassung nach stellen Bestrebungen des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, dem Ehrenprimat Befugnisse zuzuschreiben, die über die orthodoxe kanonische Tradition hinausgehen, eine Abkehr von der ekklesiologischen Lehre der Kirche dar und näherten sich dem Modell des päpstlichen Primats an.
Mit Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen innerhalb der orthodoxen Welt vertrat Tramboulis die Ansicht, dass bestimmte Auslegungen der kanonischen Tradition zur Rechtfertigung einseitiger Entscheidungen herangezogen worden seien. Dazu zählten unter anderem die Verleihung der Autokephalie sowie Eingriffe in die Jurisdiktion anderer Ortskirchen. Nach seiner Einschätzung hätten diese Entwicklungen die Spaltungen innerhalb der orthodoxen Welt weiter vertieft. Besonders verwies er auf den seiner Meinung nach immer deutlicher werdenden politischen Einfluss auf das Handeln des Phanar, insbesondere im Zusammenhang mit der ukrainischen Kirchenfrage.
Zum Abschluss seines Vortrags unterstrich Tramboulis, dass die wahre Einheit der Kirche und ihr konziliarer Charakter mit dem Streben nach Vorherrschaft eines einzelnen Machtzentrums unvereinbar seien. Egoismus, Eitelkeit und Hochmut gehörten zu den größten Gefahren für die kirchliche Einheit. Er rief die Gläubigen dazu auf, der patristischen Tradition und dem orthodoxen Glaubensbekenntnis treu zu bleiben, die – wie er betonte – das Fundament der Einheit der Kirche bildeten.
Der serbische Philologe Goran Igić sprach zum Thema „Russophobie und Serbophobie als Folge der Anti-Tradition eines verwestlichten Ökumenismus“. In seinem Vortrag analysierte Igić die historischen und ideologischen Wurzeln des modernen Ökumenismus. Er vertrat die Auffassung, dessen Ursprünge lägen nicht in der orthodoxen theologischen Tradition, sondern in rationalistischen und protestantischen Denkansätzen, die im Westen entstanden seien. Dieser Ansatz habe sich seiner Ansicht nach schrittweise zu einem Modell entwickelt, das dogmatische Unterschiede relativiere und sich von der traditionellen christlichen Lehre entferne. Zugleich habe der Vatikan – so Igić – die ökumenische Bewegung als Instrument zur Ausweitung seines eigenen Einflusses genutzt, ohne dabei seine exklusive ekklesiologische Position aufzugeben.
Einen besonderen Schwerpunkt seines Vortrags bildete das Phänomen der Russophobie und der Serbophobie, das er als Ergebnis langjähriger westlicher ideologischer und historiographischer Denkmuster bezeichnete. Er verwies auf zahlreiche Beispiele historischen Revisionismus sowie auf zeitgenössische Narrative, die nach seiner Einschätzung darauf abzielten, Russen und Serben die historische Verantwortung für zentrale europäische Konflikte zuzuschreiben. Dadurch werde in der westlichen Öffentlichkeit ein negatives Bild der orthodoxen Völker geformt.
Zum Abschluss seines Vortrags vertrat Igić die Auffassung, dass ein verwestlichter Ökumenismus nicht zu einer echten christlichen Einheit beitrage, sondern vielmehr einen Prozess darstelle, der die orthodoxe Tradition relativiere und den Weg für die geistige und kulturelle Assimilation orthodoxer Völker ebne. Nach seiner Ansicht setze die Bewahrung der orthodoxen Identität eine konsequente Treue zur dogmatischen Tradition sowie eine kritische Haltung gegenüber ideologischen Konzepten voraus, die unter dem Vorwand der Einheit die Authentizität des orthodoxen Glaubens infrage stellten.
Zum Thema „Ökumene: Geschichte, Theologie und die orthodoxe Antwort“ sprach der Mönch Paisios Kareotis von der Zelle der Heiligen Erzengel in Karyes, die zum serbischen Kloster Hilandar auf dem Heiligen Berg Athos gehört.
In seinem Vortrag analysierte Mönch Paisios die historischen und theologischen Wurzeln der modernen ökumenischen Bewegung. Er betonte, dass diese im protestantischen Umfeld als Reaktion auf die gesellschaftlichen und ideologischen Veränderungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts entstanden sei. Nach seiner Auffassung sei die dogmatische Präzision schrittweise zugunsten allgemeiner moralischer und sozialer Werte zurückgedrängt worden. Gleichzeitig hätten Institutionen wie der Ökumenische Rat der Kirchen zur Herausbildung eines neuen ekklesiologischen Bewusstseins beigetragen, in dem die orthodoxe Kirche lediglich als eine von vielen christlichen Traditionen angesehen werde und nicht mehr als Bewahrerin der Fülle des apostolischen Glaubens.
Besonders hob er hervor, dass die orthodoxe Kirche weder den Dialog noch die Liebe zu allen Menschen ablehne. Sie könne jedoch weder eine Relativierung der dogmatischen Wahrheit noch eine Gleichsetzung der orthodoxen Lehre mit Häresien akzeptieren. Als Beispiel für die Treue zum orthodoxen Glaubensbekenntnis erinnerte er an die Ereignisse in Konstantinopel im Jahr 518, als die Gläubigen ein klares Bekenntnis zum orthodoxen Glauben sowie die Bestätigung der Beschlüsse der Ökumenischen Konzilien gefordert hätten. Dies zeige, dass das Gottesvolk im Laufe der Geschichte stets ein aktiver Hüter der kirchlichen Tradition gewesen sei.
Zum Abschluss seines Vortrags erklärte Mönch Paisios, die orthodoxe Antwort auf den Ökumenismus bestehe weder in Isolation noch in Feindseligkeit, sondern in der Treue zur patristischen Tradition und zur Wahrheit der Kirche. Wahre christliche Einheit könne ausschließlich auf dem gemeinsamen Bekenntnis des orthodoxen Glaubens aufgebaut werden – nicht auf einer Relativierung der Dogmen oder einer Anpassung an den Geist der Zeit.
Zum Thema „Vom historischen Kontext des Ökumenismus zur theologischen Verzerrung der Ekklesiologie“ sprach Georgios Karalis, Spezialist für griechische Patristik, Mitarbeiter der griechischen orthodoxen Zeitung Orthodoxos Typos, Autor mehrerer Bücher zur orthodoxen Theologie sowie Schüler des bekannten orthodoxen Theologen John S. Romanides.
In seinem Vortrag betonte Karalis, dass sich die Kritik am Ökumenismus nicht auf die historischen Umstände seiner Entstehung beschränken dürfe, sondern auch dessen tiefgreifende theologischen Konsequenzen berücksichtigen müsse. Nach seiner Auffassung habe die ökumenische Bewegung neben ihrer institutionellen Entwicklung im Laufe der Zeit auch ein neues theologisches Paradigma hervorgebracht, das das orthodoxe Verständnis von Kirche, Einheit und Primat grundlegend verändere. Besonders verwies er auf den Einfluss der personalistischen Theologie sowie der sogenannten eucharistischen Ekklesiologie, die nach seiner Einschätzung den Schwerpunkt von der patristischen Lehre über die gemeinsame Natur und die ungeschaffenen göttlichen Energien hin zu einem Verständnis von persönlichen Beziehungen und Primat verlagerten.
Gestützt auf die Theologie der Heiligen Väter unterstrich Karalis, dass die Einheit der Kirche nicht auf der Existenz eines einzigen Trägers kirchlicher Autorität beruhe, sondern auf dem gemeinsamen Bekenntnis des orthodoxen Glaubens, der Teilhabe an der ungeschaffenen göttlichen Gnade und dem Leben in Christus. Er warnte davor, dass fehlerhafte trinitarische Deutungen, wenn sie auf die Ekklesiologie übertragen würden, zur Rechtfertigung eines Herrschaftsprimats sowie zur Relativierung dogmatischer Unterschiede führen könnten. Dadurch werde der Weg für ökumenische Einheitskonzepte geebnet, die sich auf institutionelle Gemeinschaft statt auf die Wahrheit des Glaubens gründeten.
Zum Abschluss seines Vortrags erklärte Karalis, die größte Gefahr des heutigen Ökumenismus bestehe darin, dass er sich orthodoxer theologischer Begriffe bediene, ihnen jedoch Bedeutungen verleihe, die mit der patristischen Tradition nicht vereinbar seien. Er betonte, dass die wahre Einheit der Kirche nicht um den Primat eines einzelnen kirchlichen Zentrums aufgebaut werde, sondern um Christus, den orthodoxen Glauben und die apostolische Tradition, die dauerhaft das Fundament des kirchlichen Lebens und der Konziliarität bildeten.
Die serbische Philologin und Journalistin des Nachrichtenportals ukraina.ru, Tatjana Stojanović, sprach zum Thema „Die Ukraine als Schauplatz ökumenischer und geopolitischer Interventionen: Folgen für die orthodoxe kanonische Ordnung“.
In ihrem Vortrag erklärte Stojanović, die ukrainische Kirchenfrage stelle heute eine der größten Herausforderungen für die orthodoxe Welt dar. Ihrer Auffassung nach habe die Verleihung des Tomos an die sogenannte Orthodoxe Kirche der Ukraine im Jahr 2019 zum Abbruch der eucharistischen Gemeinschaft zwischen mehreren orthodoxen Ortskirchen, zur Entstehung paralleler kirchlicher Strukturen sowie zu einer Vertiefung der Debatte über die Rolle des Ökumenischen Patriarchats innerhalb der orthodoxen Welt geführt. Sie betonte, dass die ukrainische Krise nicht ausschließlich als innerkirchliche Angelegenheit verstanden werden könne, sondern als ein Prozess, in dem religiöse, politische und geopolitische Interessen eng miteinander verflochten seien.
Besondere Aufmerksamkeit widmete sie der Lage der kanonischen Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die ihrer Darstellung zufolge in den vergangenen Jahren einem erheblichen institutionellen und physischen Druck ausgesetzt gewesen sei. Sie verwies auf zahlreiche Fälle von Kirchenbesetzungen, Strafverfahren gegen Geistliche, verwaltungsrechtliche Maßnahmen sowie gesetzliche Änderungen, die nach ihrer Einschätzung die Situation dieser Kirche weiter verschlechtert hätten. Darüber hinaus sprach sie über den politischen und propagandistischen Missbrauch kirchlicher und kultureller Fragen und betonte, dass das religiöse Erbe zunehmend als Instrument eines umfassenderen geopolitischen Konflikts genutzt werde.
Zum Abschluss ihres Vortrags bewertete Stojanović die ukrainische Kirchenkrise als ein Beispiel für das Zusammenwirken ökumenischer Bestrebungen, geopolitischer Interessen und innenpolitischer Prozesse, das ihrer Ansicht nach die traditionelle orthodoxe kanonische Ordnung ernsthaft gefährde. Sie unterstrich, dass die Einheit der orthodoxen Kirche nur durch eine konsequente Achtung der kanonischen Tradition sowie durch den Schutz der Kirche vor politischer Instrumentalisierung bewahrt werden könne.
Zum Thema „Die Unterordnung der Kirche unter politische Zielsetzungen als Motiv des Ökumenismus“ sprach Nikolo Ghigi, Doktorand im Fach Klassische Studien an der Universität Ca’ Foscari Venedig mit Schwerpunkt byzantinische Philologie.
In seinem Vortrag analysierte Ghigi das Verhältnis zwischen Ökumenismus und politischen Interessen im Verlauf der Geschichte. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war die These, dass die Unterordnung des kirchlichen Lebens unter staatliche und geopolitische Zielsetzungen ein historisches Phänomen sei, das bereits lange vor der Entstehung der modernen ökumenischen Bewegung existiert habe. Er unterschied dabei drei Formen des Ökumenismus: den historischen Ökumenismus, der einen theologischen Dialog zur Überwindung kirchlicher Spaltungen vorsah, ohne von der orthodoxen Lehre abzuweichen; den protestantischen Ökumenismus, der auf der sogenannten Branch Theory beruhte und durch den Ökumenischen Rat der Kirchen institutionell verankert wurde; sowie den römisch-katholischen Ökumenismus, der sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelte und den er als eine Fortsetzung der unierten Politik mit anderen Mitteln charakterisierte.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Ghigi dem Einfluss politischer Autoritäten auf die Entwicklung ökumenischer Prozesse. Dabei verwies er auf Beispiele aus der Geschichte der Sowjetunion sowie des Ökumenischen Patriarchats und vertrat die Auffassung, dass bestimmte kirchliche Initiativen von übergeordneten geopolitischen Interessen geprägt gewesen seien. In seinem historischen Überblick analysierte er die Versuche einer Union mit Rom – vom Konzil von Florenz bis zu den unierten Entwicklungen in Osteuropa – als Beispiele dafür, dass politische Interessen über die dogmatische Einheit gestellt worden seien.
Als orthodoxe Antwort auf diese Entwicklungen stellte der Referent das Beispiel des heiligen Markus von Ephesos sowie der athonitischen Bekenner heraus. Nach orthodoxem Verständnis könne die wahre Einheit der Kirche ausschließlich auf der Wahrheit des Glaubens beruhen und nicht auf politischen Kompromissen.
Dane Čanković, Präsident der Vereinigung „Die Wahl liegt bei uns“, sprach zum Thema „Der Ökumenismus als Instrument zur Zerstörung der orthodoxen Welt“.
Čanković erläuterte den Zusammenhang zwischen den gegenwärtigen Prozessen der Globalisierung und dem Ökumenismus, die er als miteinander verbundene Elemente einer umfassenderen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Integration darstellte. Nach seiner Auffassung zielten diese Entwicklungen auf die Schwächung nationaler, staatlicher und religiöser Identitäten ab, wobei die Orthodoxie eines der größten Hindernisse für diese Tendenzen darstelle.
Der Referent bezeichnete den Ökumenismus als das religiöse Gegenstück zur Globalisierung, dessen Ziel die Überwindung konfessioneller Unterschiede sei. Ein solcher Ansatz könne jedoch, so seine Einschätzung, zu einer Relativierung der dogmatischen und kanonischen Identität der orthodoxen Kirche führen. Besonderes Augenmerk richtete er auf die Rolle des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel und von Patriarch Bartholomäus innerhalb der gegenwärtigen ökumenischen Entwicklungen sowie auf die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche. Dabei analysierte er die Arbeit der gemischten orthodox-katholischen Kommissionen, Initiativen zur Intensivierung des Dialogs sowie Vorschläge für eine gemeinsame Feier des Osterfestes.
Im abschließenden Teil seines Vortrags ging Čanković auf die geopolitische Dimension dieser Entwicklungen ein und verwies dabei insbesondere auf die aktuellen Krisen innerhalb der orthodoxen Welt, vor allem auf die ukrainische Kirchenfrage. Er hob die Bedeutung der Bewahrung der kanonischen Ordnung, der Konziliarität und der orthodoxen Identität hervor und rief die orthodoxen Ortskirchen dazu auf, die Einheit der Kirche durch gemeinsames konziliares Handeln zu bewahren und der orthodoxen Tradition treu zu bleiben.
Professor Vladimir Dimitrijević sprach zum Thema „Religiöse Toleranz ist nicht Ökumenismus: Die orthodoxe Antwort auf den religiösen Globalismus“. In seinem Vortrag betonte er die Notwendigkeit, klar zwischen religiöser Toleranz und Ökumenismus zu unterscheiden. Religiöse Toleranz sei eine traditionelle christliche Tugend, die den respektvollen Umgang mit Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften einschließe. Den Ökumenismus hingegen bezeichnete er als eine moderne religiös-globalistische Bewegung, die nach seiner Auffassung auf die Relativierung dogmatischer Unterschiede und die Schaffung einer überkonfessionellen religiösen Einheit abziele. Besonders hob er hervor, wie wichtig die Bewahrung der dogmatischen Reinheit des orthodoxen Glaubens sowie die Unterscheidung zwischen einer Einheit in der Wahrheit und einer bloß formalen Vereinigung ohne gemeinsames Glaubensbekenntnis seien.
Er verwies auf den biblischen Bericht vom Sündenfall der Stammeltern als Beispiel für eine Fehlinterpretation des Wortes Gottes und erklärte, dass sich eine vergleichbare Umdeutung der Wahrheit seiner Ansicht nach auch in gegenwärtigen ökumenischen Entwicklungen beobachten lasse. Darüber hinaus unterstrich er die orthodoxe Lehre von der Theosis als Ziel des geistlichen Lebens und stellte sie dem Gedanken der Selbstvergöttlichung gegenüber.
Abschließend betonte der Referent, dass die orthodoxe Tradition den Respekt gegenüber allen Menschen sowie die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer christlicher Konfessionen und Religionen in Fragen gemeinsamen moralischen und gesellschaftlichen Interesses – etwa beim Schutz der Familie und traditioneller Werte – ausdrücklich befürworte. Eine liturgische und gottesdienstliche Gemeinschaft sei jedoch ohne vollständige Übereinstimmung in der Glaubenslehre nicht möglich. Er schloss mit der Feststellung, dass das Zeugnis für die Wahrheit stets mit Liebe gegenüber jedem Menschen verbunden sein müsse, ohne dabei die Treue zum orthodoxen Glauben und zur geistlichen Tradition aufzugeben.
Schlussfolgerung
Die Konferenz machte deutlich, dass die Fragen des gegenwärtigen Ökumenismus weit über den Rahmen einer rein theologischen Debatte hinausgehen und zugleich kanonische, historische, politische sowie geopolitische Dimensionen umfassen. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen und fachlichen Perspektiven der Teilnehmer ermöglichten ein umfassenderes Verständnis dieser Thematik und unterstrichen die Bedeutung eines fortgesetzten akademischen und theologischen Dialogs über die Herausforderungen, denen sich die orthodoxe Kirche in der heutigen Welt gegenübersieht.
Videoaufzeichnung der Konferenz:
Source: Center for Geostrategic Studies



