Schlichtes Holzkreuz an der abgenutzten Innenwand einer syrischen Kirche
KI-generiertes Symbolbild: Kreuz in einer syrischen Kirche

Assyrische Organisationen fordern Schutz für Christen und ein Verbot von ISIS- und al-Qaida-Symbolen

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Während König Abdullah II. von Jordanien nach dem tödlichen Angriff auf eine Kirche entschlossen reagiert und Maßnahmen gegen mutmaßlich mit dem Anschlag verbundene terroristische Strukturen in Syrien angekündigt hat, richten wir eine klare Frage an Ahmad al-Sharaa: Warum müssen Christen und andere religiöse Minderheiten in Syrien weiterhin um ihre Sicherheit fürchten, während islamistische Symbole öffentlich sichtbar sind und ein konsequentes Vorgehen gegen Extremismus nicht ausreichend erkennbar ist?

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Am 23. Oktober 2026 wurden bei einem Angriff während einer Trauerfeier in einer Kirche in Jordanien neun Menschen getötet. Am 26. Oktober griff die jordanische Luftwaffe nach Angaben Jordaniens mutmaßliche terroristische Stellungen in Südsyrien an, die mit den Verantwortlichen des Anschlags in Verbindung gebracht wurden. Die genauen Hintergründe und die Zuordnung der angegriffenen Gruppen sind noch nicht abschließend geklärt.

Wir begrüßen die Entschlossenheit von König Abdullah II., gegen mutmaßliche terroristische Strukturen vorzugehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Opfern, ihren Familien und allen Betroffenen.

Doch diese Reaktion wirft eine weitere Frage auf: Wo ist eine vergleichbare Konsequenz beim Schutz religiöser Minderheiten in Syrien?

Ahmad al-Sharaa trägt politische Verantwortung

Ahmad al-Sharaa steht an der Spitze der syrischen Übergangsregierung. Damit trägt er politische Verantwortung für den Schutz religiöser Minderheiten, die Bekämpfung extremistischer Strukturen und die strafrechtliche Verfolgung von Gewalttätern.

Seine Vergangenheit macht diese Verantwortung besonders dringlich. Al-Sharaa führte früher die mit al-Qaida verbundene al-Nusra-Front. Wer aus einer solchen Vergangenheit an die Spitze eines Staates gelangt, muss durch überprüfbare Taten beweisen, dass er tatsächlich mit islamistischem Extremismus gebrochen hat.

Die Ereignisse in Syrien zeigen, wie dringend dieser Beweis ist. Im März 2025 wurden während der Gewalt an der syrischen Küste zahlreiche Alawiten getötet. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten Massentötungen und schwere Übergriffe durch Angehörige staatlicher Sicherheitskräfte sowie verbündete bewaffnete Gruppen.

Im Juni 2025 wurde die Mar-Elias-Kirche in Damaskus Ziel eines Selbstmordanschlags, bei dem mehr als zwei Dutzend Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt wurden. Auch die Gewalt gegen Drusen im Sommer 2025, insbesondere in der Provinz Suweida, führte zu zahlreichen Toten, Vertreibungen und schweren Menschenrechtsverletzungen.

Im Oktober 2026 kam es erneut zu einem Angriff auf die überwiegend christliche Stadt Al-Suqaylabiyah. Bewaffnete Männer beschossen Wohnhäuser; auch ein Priester wurde nur knapp verfehlt. Wieder stellt sich die Frage, warum Christen nicht wirksam vor solchen Übergriffen geschützt werden.

Wir fordern die syrische Übergangsregierung auf, diese Vorfälle umfassend und unabhängig aufzuklären, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und transparent darzulegen, welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Ein neues Syrien muss sich an Taten messen lassen – nicht an internationalen Versprechen.

ISIS- und al-Qaida-Flaggen: Wir fordern ein ausdrückliches Verbot!

Aus unserer assyrischen Gemeinschaft erreichen uns Berichte über öffentlich sichtbare ISIS- und al-Qaida-Symbole in Syrien. Uns liegen hierzu Videos vor, zudem berichten Landsleute von entsprechenden Beobachtungen. Auch das Syrian Observatory for Human Rights berichtete bereits 2025 über öffentlich gezeigte und verkaufte ISIS-Symbole und kritisierte das aus seiner Sicht unzureichende Einschreiten der Behörden.

Wir fragen Ahmad al-Sharaa direkt: Welche konkreten Schritte hat seine Regierung unternommen, um die öffentliche Verbreitung solcher terroristischen Symbole zu unterbinden?

Unsere Forderung ist eindeutig: Wir verlangen ein ausdrückliches gesetzliches Verbot der Flaggen, Embleme und Propagandasymbole von ISIS und al-Qaida sowie ein konsequentes Vorgehen gegen deren öffentliche Verbreitung und Unterstützung im Rahmen rechtsstaatlicher Verfahren.

Diese Symbole sind keine harmlose Dekoration. Sie stehen für Terror, religiöse Verfolgung und schwerste Verbrechen. Sie verkörpern eine Ideologie, die Menschen aufgrund ihres Glaubens zu Feinden erklärt und religiöse Vielfalt mit Gewalt bekämpft. Wenn staatliche Stellen ihre Verbreitung dulden oder nicht wirksam dagegen vorgehen, entsteht ein gefährliches Signal an Extremisten und an die bedrohten Minderheiten.

Ahmad al-Sharaa muss diesem Eindruck mit klaren gesetzlichen Regelungen, konsequenter Durchsetzung und nachvollziehbaren Ergebnissen entgegentreten.

Christen in Syrien brauchen Sicherheit – nicht nur schöne Worte

Wir hören weiterhin von Angst, Einschüchterung und Bedrohungen, denen Christen in Syrien ausgesetzt sind. Unsere Landsleute berichten von einer Atmosphäre, in der Menschen sich fragen, ob sie ihren Glauben offen leben und ihren Kindern eine sichere Zukunft ermöglichen können.

Angriffe, deren Hintergründe nicht transparent aufgeklärt werden oder bei denen Verantwortliche nicht zur Rechenschaft gezogen werden, verstärken das Misstrauen. Die Behörden müssen nachvollziehbar darlegen, welche Ermittlungen laufen und welche Maßnahmen zum Schutz christlicher Gemeinden ergriffen werden.

Wir fordern von Ahmad al-Sharaa klare Antworten: Warum können christliche Gemeinden noch immer nicht darauf vertrauen, zuverlässig geschützt zu werden? Welche konkreten Erfolge kann seine Regierung bei der Aufklärung von Angriffen auf Christen vorweisen? Welche Maßnahmen ergreift sie gegen islamistische Netzwerke und die Einschüchterung religiöser Minderheiten? Und wann werden ISIS- und al-Qaida-Symbole ausdrücklich verboten und ihre öffentliche Verbreitung konsequent unterbunden?

Es reicht nicht, sich international als Vertreter eines neuen Syriens zu präsentieren. Christen, Alawiten, Drusen und andere Minderheiten müssen tatsächlich geschützt werden, und Extremisten dürfen nicht über dem Gesetz stehen.

Unsere Gemeinschaft kennt die Folgen des Wegsehens

Wir Assyrer sind ein indigenes Volk des Nahen Ostens. Unsere Geschichte ist von Verfolgung, Vertreibung und dem Verlust unserer Heimat geprägt. Der Terror des sogenannten Islamischen Staates hat unserer Gemeinschaft und anderen christlichen Völkern unermessliches Leid zugefügt.

Deshalb erkennen wir die Warnzeichen. Wir wissen, was geschehen kann, wenn extremistische Ideologien Raum gewinnen, Minderheiten eingeschüchtert werden und staatliche Stellen ihrer Schutzpflicht nicht gerecht werden.

Wir werden nicht schweigen, nur weil deutliche Kritik an der syrischen Führung politisch unbequem ist. Die internationale Gemeinschaft muss Ahmad al-Sharaa an seinen tatsächlichen Maßnahmen messen. Politische Anerkennung, internationale Gespräche und wirtschaftliche Unterstützung dürfen nicht dazu führen, dass die Sicherheit religiöser Minderheiten aus dem Blick gerät.

Unsere gemeinsame Forderung

Wir begrüßen jede ernsthafte Maßnahme gegen islamistischen Terror und danken König Abdullah II. für seine klare Haltung zum Schutz der Menschen in Jordanien.

Gleichzeitig fordern wir Ahmad al-Sharaa auf, unmissverständlich gegen ISIS, al-Qaida, religiöse Einschüchterung und jede Form extremistischer Gewalt vorzugehen. Dazu gehören ein gesetzliches Verbot ihrer Flaggen und Symbole, die wirksame Durchsetzung dieses Verbots sowie die unabhängige Aufklärung von Angriffen auf Christen und andere Minderheiten.

Ahmad al-Sharaa kann seine Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Er kann aber durch sein heutiges Handeln beweisen, ob er tatsächlich mit dem islamistischen Extremismus gebrochen hat. Solange dieser Beweis aussteht und religiöse Minderheiten weiterhin um ihre Sicherheit fürchten müssen, werden wir seine Regierung an ihrer Verantwortung messen und Versäumnisse öffentlich benennen.

Wir fordern keine Privilegien. Wir fordern Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und gleiche Rechte für alle Menschen in Syrien.

Sichtbarkeit ist Überleben. Keine Zukunft für islamistischen Terror. Schutz für die Christen Syriens.

Charli Kanoun
Vorsitzender
Assyrischer Kulturverein e. V. Saarlouis

Majed Bahi
Vorsitzender
Assyrische Autonomie Bewegung e. V. Deutschland

Gemeinsame Presseerklärung beider Organisationen