Alles Gute zum 100. Geburtstag, Evita!

Eva Perón, geboren als María Eva Duarte, genannt Evita, wäre heute 100 Jahre alt geworden. Ihr früher Krebstod mit 33 Jahren machte die schon zu Lebzeiten verehrte Präsidentengattin zum Mythos. Ganz Argentinien versank in Trauer – bis auf die reiche Elite, die sie wegen ihrer unehelichen Herkunft verabscheute und bösartige Gerüchte über ihre angebliche Vergangenheit als Prostituierte in die Welt setzte. Die Qualitätspresse stellt sie heute eher als „eiskalte, berechnende Populistin“ dar, was ihrem Ruf kaum schadet, avancierte sie doch durch Andrew Lloyd Webbers Musical Evita zu einer Ikone der Popkultur.

Mehrmals wurde ihre Lebensgeschichte verfilmt. Mit Madonnas nur mäßig gelungener Version des Musicals und dem an ihre stimmlichen Qualitäten angepassten Welthit „Don’t cry for me, Argentina“, wurde der Mythos Evita Ende der 90er Jahre auch im Westen neu belebt.

Eva Peron hat ihre Herkunft nie vergessen. Sie setzte sich für die Arbeiterklasse ein und bestärkte ihren Mann darin, das Frauenwahlrecht einzuführen. Nach ihrem Tod dauerte es nicht lange, bis Juan Peron gestürzt wurde und er ins Exil gehen musste. Das Märchen vom Wohlstand für alle war auserzählt. Die Argentinier landeten auf dem harten Boden der Realität. Das Land versank in Chaos und Revolutionen. Mit verantwortlich für die Verhältnisse waren Perons hemmungslose Sozialpolitik und die vielen Verstaatlichungen, mit denen er sich Wählerstimmen erkaufte, aber keinen nachhaltigen Wohlstand schaffen konnte. Aber auch die Machtpolitik der USA und des Vatikans spielten eine große Rolle bei der Destabilisierung des Landes.

1973 kehrte Peron noch einmal nach Argentinien zurück und wurde für kurze Zeit erneut zum Präsidenten gewählt. Wenige Monate danach starb er. Seine neue Ehefrau Isabel schlüpfte in die Rolle von Evita, wurde als Vizepräsidentin seine Nachfolgerin und hielt sich zwei Jahre an der Macht. Dann folgte die blutige Militärdiktatur, die viele ihrer Verbrechen später den Peronisten in die Schuhe schob. All das kann den Ruf von Evita bis heute nicht schädigen. Am kommenden Sonntag ist Muttertag, an dem Hunderttausende Argentinier zu ihrer letzten Ruhestätte pilgern. Eine Ehre, die heutigen „Feministinnen“ niemals zuteil werden wird.