Putin destabilisiert

So sähen ihn seine Gegner am liebsten …

Putin hat seinen alten Vertrauen Prigoschin erst mal davon kommen lassen. Alle Nazi-Vergleiche hinken, besonders das heutige Gesülze von der russischen Version des 20. Juli 1944. Der Schwerverbrecher Prigoschin ist kein Stauffenberg und dieser war kein lupenreiner Demokrat, kein strahlender, selbstloser Held, aber das muss an dieser Stelle nun wirklich nicht weiter ausgeführt werden, immer dieses schlechte Gerede über Tote, die sich nicht mehr wehren können. Apropos sich wehren, warum hat Putin nicht gnadenlos durchgreifen lassen?

Die Antwort könnte banal lauten: Putin ist nicht mehr der starke Mann im Kreml, jetzt erst recht nicht mehr. War es ein Anflug von Sentimentalität gegenüber einem alten Freund und folgt die Nacht der langen Messer noch, um noch eine russische Variante eines historischen Ereignisses aus den 12 Jahren zu bemühen? Hitler hatte seinerzeit nämlich kein Problem, seinen Duzfreund Röhm beseitigen zu lassen und die SA wieder zur Hilfstruppe zu degradieren. Die Proleten und ihr offen homosexuell lebender Führer hatten ausgedient, so wie Prigoschin für Putin die Drecksarbeit übernommen hat und dann keine weitere Verwendung mehr finden wird. Darüber dürften sich alle Beteiligten im Klaren sein.

Eine andere Möglichkeit wäre, Prigoschin dient anderen Herren, jenen, die besser zahlen. Vielleicht hat er nicht nur mit Lukaschenko, sondern auch mit Selenskij verhandelt, sie sprechen ja die selbe Sprache und nicht nur das. Putin ist erst einmal nur in seinem Ansehen beschädigt, was man aber auch über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan während des Putschversuches im Juli 2016 sagte. Als das angeblich kemalistische Militär als “Wächter” über das laizistische Staatsprinzip “versagte” und Erdogan unterstützte, dichtete man die Geschichte zu einer False Flag Operation um. Erdogan habe den Putsch inszeniert, um schärfer gegen seine Gegner durchgreifen zu können. Im Nachhinein hat sich diese Argumentation als falsch erwiesen, denn Erdogan handelt auch ohne Anlass, wenn er es für erforderlich hält.

Wie steht Putin da, wo Prigoschin straffrei nach “Belarus” ausreisen konnte und das Strafverfahren wieder eingestellt wurde? Vieles an der Geschichte passt vorne und hinten nicht zusammen, aber wir wissen nun mal auch nur das, was als Information durchsickert. Die Botschaft lautet lautet also erst einmal “Putin ist destabilisiert.” Bleibt abzuwarten, ob das stimmt und welche Reaktionen die NATO für “angemessen” hält.


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Kommentare

6 Antworten zu „Putin destabilisiert“

  1. Rumpelstilzchen

    Genau genommen wissen wir, dass wir nix wissen, außer dem, was das Revolverblatt Bild berichtet…

    Man sollte allerdings davon ausgehen, dass die Vorwürfe von Prigoschin gegen die russische Militärführung nicht komplett aus der Luft gegriffen sind…weshalb…wenn man den Berichten glauben darf, inzwischen sowohl Schoigu als auch Gerassimow ihres Amtes enthoben wurden.

  2. Ralf.Michael

    Deutschland: Bundesregierung ist alarmiert und beobachtet Entwicklung in Russland genau – Scholz und Baerbock lassen sich über Lage «laufend informieren» (NZZ). Toll ! Also vorerst Gefahr gebannt ? Bekommt der ” WagnerChef ” jetzt Asyl in Germoney ?
    Oder der ” Kreml-Chef ” selbst ? Kommt dann auch Schröder zurück ? Mann-O-Mann.

    1. wenn alle deutsch russen bisschen demo machen, den staat vorführen und die grünen bedrohen….
      kalaschnikofs vorzeigen und den clan aktivieren kann er morgen schon am bodensee in einer russischen villa residieren und die tage sein erstes harz4 bargeld abholen…. und neue fäden ziehen…

    1. Rumpelstilzchen

      Das russische Verteidigungsministerium wollte offenbar die Freiwilligenverbände wie “Wagner” unter Kontrolle bekommen. Sie sollten deshalb einen Vertrag unterzeichnen. Prigoschin hatte sich geweigert.

      https://www.anti-spiegel.ru/2023/wie-es-zu-dem-putschversuch-kam-und-wie-die-aktuelle-lage-ist/

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  3. OStR Ing.-Wiss. Peter Rösch

    Immerhin, mir ist durch die Vorgänge bewusst geworden, dass bei den Streitkräften Russlands also angeheuerte Söldnereinheiten für die Dreckarbeit zuständig sind, demnach nicht der Russe an sich, wie man bisher hat meinen können. Bisher war Solches lediglich bezüglich der USA und den Blackwater-Metzeleinheiten bekannt.