
Seit Wochen wird jetzt der Streit innerhalb der Bürgerbewegung Pax Europa öffentlich ausgetragen. Beide Seiten schenken sich nichts. Worum es geht, wird wohl dem überwiegenden Teil der Zuschauer ein Rätsel bleiben. Irgendwelche Vereinsquerelen eben. Eigentlich hätte ich gerne gesehen, dass wir hier auf O24 ausgewogen über den Fall berichten, doch nach zwei Artikeln (1, 2), in denen auf die Standpunkte beider Parteien hingewiesen wird, habe ich mich als Verantwortlicher dagegen entschieden.
Das Niveau des Schlagabtausches ist, vornehm ausgedrückt, weit unterhalb der Höchstmarke von RTL2 angekommen. Nicht überraschend, aber dennoch enttäuschend sind die parteiischen Stellungnahmen für Michael Stürzenberger auf einigen Portalen, die ansonsten für selbiges den Mainstream und die Staatsmedien in schärfster Form kritisieren. Dort ist man allerdings erstaunlich still. Auf Endstation Rechts erschien Anfang März ein Artikel, der relativ sachlich die bis dahin bekannten Vorgänge beschreibt. Ende April landete der Streit dann auch bei t-online unter dem reißerischen Titel: „Islamhasser“-Netzwerk steht vor Zusammenbruch. Selbst in der korrigierten Fassung wird dem Kenner deutlich, wie bei t-online mit der heißen Nadel gestrickt wird, wenn man nur unliebsamen Aktivisten eines auswischen kann. Am Ende findet sich nämlich ein „Transparenzhinweis“ aus dem erkennbar wird, dass bei den Angaben zu Stürzenbergers Urteilen wohl zu seinem Nachteil geschlampt worden ist. Besonders kurios die Korrektur des Vornamens des früheren Identitärensprechers Sellner von Michael zu Martin.
Bis hierher ist also noch wenig Aufmerksamkeit generiert worden. Das könnte sich allerdings ändern, wenn ein erstes Gerichtsurteil gesprochen ist. Denn es hängt noch viel mehr am Fall Stürzenberger, als nur das Einkommen, das er laut Vorwürfen hauptsächlich aus Vereinsmitteln in Form von Honoraren erzielen soll. Da wundert die Schnellschreibe und Knieschussrhetorik auf allen Seiten nicht so sehr, doch am Ende werden Gerichte entscheiden und die Akten das ein oder andere mühsam verborgen gehaltene Detail an die Öffentlichkeit bringen.
All das wären keine Gründe, nicht weiter über den Fall zu berichten, sondern ganz im Gegenteil, zur Aufklärung beizutragen. Dazu gehört u.a. auch das Anhören aller Beteiligten, Stellungnahmen erbeten und weitere Informationsquellen abfragen. Aber wozu, wenn der Schlagabtausch öffentlich zelebriert wird, wie manche es noch von der Piratenpartei kennen? Wer aus dieser Geschichte nicht gelernt hat, wird vielleicht genauso enden und in der Bedeutungslosigkeit versinken. Da spielt es keine Rolle mehr, wer Recht hatte und sich zulässig oder unzulässig selbst aus Vereinsgeldern bezahlt hat. Entscheidend ist, was hängen bleibt und wie die anstehenden Gerichtstermine politisch ausgeschlachtet werden, damit auch jeder versteht, wie wenig sich politisches Engagement auf der vermeintlich falschen Seite lohnt. Wie werden die Schlagzeilen lauten, wenn der Schaden irreparabel angerichtet ist und wen freut’s?

Kommentare
8 Kommentare zu „Der Fall Stürzenberger und seine Auswirkungen“