Sind Sie heute eingelullt vom Weihnachtstrubel? Kaufhausmusik in Dauerschleife. Geschenke auswählen, versenden, Grüße formulieren, alles möglichst kreativ. Und trotzdem fragen wir uns, warum eigentlich der ganze Trubel?
Heiligabend und Weihnachten sind die einzigen Tage im Jahr, an denen jede Kirche rappelvoll ist. Ein Pater hat das mal „Folklore-Christentum“ genannt. Ist es das wehmütige „Stille Nacht, heilige Nacht“, das mit Orgelbegleitung gesungen wird? Oder „Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch eine gute Mär“?
Was wäre denn heute eine gute Mär, eine gute Geschichte, die uns wirklich begeistert?
Vor 2000 Jahren war das Land, in dem Jesus geboren wurde, ein besetztes Land. Besetzt von der römischen Militärmaschinerie seit dem Jahr 63 vor Christus. Seitdem stand Judäa unter römischer Herrschaft. Die Menschen hatten nur einen sehnlichsten Wunsch: endlich wieder frei zu sein. Das sollte aber noch lange dauern. Das war damals diese eine gute Mär. Und Menschen lieben nun mal gute Märchen von der Befreiung.
Die alten Überlieferungen der Propheten wurden mündlich weitererzählt. Am Feuer, auf den Feldern, von Mund zu Ohr. Und da ist von einem hellen Stern am Himmel die Rede, der einen ankündigt, der kommen sollte, um die Israeliten von ihrem Leid zu erlösen.
Die Menschen damals hatten Hoffnung auf Besserung
Wenn wir heute Richtung Himmel schauen, finden wir keinen Stern, der uns Hoffnung gibt. Wir sehen weiße Streifen, über die man nicht sprechen darf. Irgendwie ist es ja auch Konfetti. Auch aus Aluminium, aber viel, viel feiner.
Die Hirten auf dem Felde
Wir hüten heute keine Schafe mehr und holen uns die Wetterinformationen aus dem Internet. Unser Auge ist nicht mehr geschult dafür, was sich oben am Firmament abspielt. Und so haben wir auch die Neigung verloren, aus bestimmten Konstellationen der Wolken und Sterne etwas Positives ableiten zu wollen, geschweige denn zu können.
Wenn wir nach oben schauen, sehen wir mit viel Glück die ISS, die uns aber nicht unmittelbar eine Lösung verspricht. Mit noch mehr Glück sehen wir einen Satelliten von Starlink, von denen es ja über 10.000 geben soll.
Geblieben ist aber die Hoffnung auf eine bessere Zeit.
Und die Hoffnung, die damals vor 2000 Jahren begann und sich tief in unser Gedächtnis einprägte, wirkt bis heute nach. Was damals in einer Scheune begann. Ganz klein, wie ein Start-up, das über 2000 Jahre brauchte, um zur vollen Blüte zu kommen.
Und nach jeder Blüte kommt auch wieder der Herbst.
Die Blätter fallen, und wir wissen gar nicht mehr, warum wir uns frohe Weihnachten wünschen. Und die Professionellen, die diese gute Mär der Hoffnung eigentlich erzählen sollten, haben andere Themen gefunden, die besser bezahlt sind.
Die Märerzähler haben versagt. Wir können sie nicht mehr begeistert weitererzählen,
weil sie uns nicht mehr begeistert erzählt wird.
Fragen Sie einfach mal den Nächstbesten, was er damit meint, wenn er frohe Weihnachten wünscht. Den Apotheker, die Wurstfachverkäuferin oder den Kollegen.
Niemand ist mehr religiös geschult, um wie aus der Pistole geschossen zu antworten.
Was ist denn heute die gute Mär?
Geschenke? Ein großer Gänsebraten? Oder Sekt, Champagner, Kognak?
Was soll daran froh machend sein? Ist unsere Ernährung, die wir das ganze Jahr über zu uns nehmen, etwa geringwertiger als die an Weihnachten? Ist der ganze Trubel, den wir veranstalten, nicht eine große Täuschung?
Wir wissen nicht mehr, warum wir Weihnachten feiern.
Versuchen Sie mal, einem Muslim zu erklären, warum wir glauben, dass Gott selbst als Baby in einen Futtertrog gelegt wurde und später ans Kreuz genagelt werden musste, um die Welt zu retten.
Die meisten von uns würden nach ein paar Sätzen aufgeben.
In diesem Sinne: frohe Weihnachten.


Kommentare
Eine Antwort zu „Weihnachten – war da irgendwas?“
Gut geschrieben 👍 Ich bleibe bei meiner Geschichte… die Geschichte vom Weihnachtsbaum im Wald.Ich war Kind und habe das als gut empfunden…