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Irreführender Schulfolder zur Corona-Impfung

An Österreichs Schulen wird derzeit der Folder „Wissenswertes zur Corona-Impfung“ verteilt. Er enthält zahlreiche irreführende Informationen und teils sogar Fehlinformationen. Alle Details dazu hat der Gesundheitswissenschaftler Dr. Martin Sprenger in seinem nachfolgenden offenen Brief an den Gesundheitsminister angeführt.

Alle seine Aussagen sind sachlich begründet und mit weiterführenden Links versehen. Bitte informieren Sie sich hier umfassend, damit Sie klar zwischen Werbung und Wissenschaft unterscheiden können.

Wir schließen uns Martin Sprengers Empfehlung an, die Impfkampagne für junge Menschen zu beenden, so wie das schon viele andere europäische Länder getan haben.

Wir haben diesen offenen Brief heute auch an österreichische Schulen versandt, mit dem Aufruf achtsam zu sein, welche Informationen sie an SchülerInnen austeilen.

Mit freundlichen Grüßen
Die Wissenschaftliche Initiative
Gesundheit für Österreich

November 2022

Sehr geehrter BM Johannes Rauch,
 
gestern sind meine Kinder mit dem beigefügten Folder „Wissenswertes zur Corona-Impfung“ von der Schule nach Hause gekommen. Leider erfüllen die Informationen in diesem Folder nicht die österreichischen Kriterien für gute Gesundheitsinformation – https://bit.ly/3Ep1ePM

Begründung anhand der einzelnen Aussagen in chronologischer Reihenfolge:

1) „Die Impfung ist ab dem 5. Lebensjahr empfohlen“ – Das mag zwar in Österreich so sein, trifft aber nicht auf alle Länder in der EU zu. So gibt es in unserem Nachbarland der Schweiz – https://bit.ly/3UK5YVu – oder skandinavischen Ländern dazu keine Empfehlung. Das sollten interessierte Eltern wissen. Auch eine aktuelle Übersichtsarbeit hat mehr Artikel gefunden die sich gegen eine Impfung von Kindern aussprechen als dafür – https://bit.ly/3NVOpiY – Wobei zu bedenken ist, dass eine Impfempfehlung immer das aktuelle Nutzen/Risiko-Verhältnis (Gesundheitszustand, zirkulierende Varianten, Immunstatus, etc.) berücksichtigen muss.

2) „Auch genesene Personen benötigen für den bestmöglichen Schutz eine Grundimmunisierung bzw. Auffrischung“ – Diese Aussage ist nicht evidenzbasiert und widerspricht auch den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden anderer EU-Staaten.

3) „Alle derzeit verfügbaren Impfstoffe sind umfangreich getestet und zeigen einen guten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und Long Covid“ – Ob die frühzeitig entblindeten Zulassungsstudien und nach wie vor nicht zugänglichen Rohdaten die Aussage „umfangreich getestet“ zulässig machen, darf debattiert werden – https://bit.ly/3En2Rxf

„Schwere Krankheitsverläufe“ bei Kindern und Jugendlichen sind extrem selten. So mussten gemäß dem Register der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) – https://bit.ly/3To0YVn – im Zeitraum 01. März 2020 bis 06.11.2022 in 200 Kinderklinischen Zentren exakt 7.217 unter 20-Jährige (entspricht zirka 17 Millionen Personen) wegen COVID-19 auf einer Normalstation und 220 (3%) auf einer Intensivstation versorgt werden. Die Hälfte war 1 bis 2 Jahre alt und auf der Intensivstation hatten zwei Drittel der jungen Patienten Begleiterkrankungen. Aktuell ist das Risiko eines gesunden jungen Menschen an COVID-19 schwer zu erkranken minimal, v.a. wenn sich die Person schon ein- oder mehrmals mit SARS-CoV-2 infiziert hat.

Dass die „verfügbaren Impfstoffe“ „einen guten Schutz“ vor Long Covid bieten ist empirisch nicht belegt – https://go.nature.com/3fXS5Ew – Die verfügbaren Beobachtungsstudien bieten dazu keine verlässliche Datenbasis. Hinzukommt, dass Long Covid bei jungen Menschen ebenfalls nicht gut belegt ist – https://go.nature.com/3GcIF2N – und auch für Erwachsene das Risiko unter Omikron noch einmal deutlich abgenommen hat.

4) „Expertinnen und Experten weltweit sind sich einig“ – ist eine Fehlinformation. Einigkeit in der Wissenschaft ist sehr selten. Nicht einmal die europäischen Gesundheitsbehörden und Impfkommissionen sind sich einig.

5) „COVID-19 ist weiterhin gefährlich“ ist in Bezug auf junge gesunde Menschen eine Fehlinformation, da aktuell das Risiko vergleichbar mit anderen, gesellschaftlich gut akzeptierten Infektionskrankheiten und Gesundheitsrisiken ist.

6) „Die Impfung schützt auch vor möglichen Langzeitfolgen von COVID-19 (Long Covid)“ – Diese Aussage ist nicht evidenzbasiert. Siehe oben.

7) „Eine durchgemachte Infektion schützt nicht vor einem schweren Krankheitsverlauf“ – Diese Aussage ist durch unzählige Studien widerlegt. Sogar aus Österreich – https://bit.ly/3hxQcim

8) „Aktiv werden!“ – Auf Basis der oben angeführten irreführenden und nicht korrekten Informationen aktiv zu werden ist problematisch.

9) „Die Impfung wirkt. Sie kann eine Ansteckung nicht immer verhindern …“ – Ist eine irreführende Information. Der Passus „nicht immer“ suggeriert, dass dies in den meisten Fällen gelingt. Das ist nicht korrekt – https://bit.ly/3EozScH
 
Fazit: Der Folder der Bundesregierung, des Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) und der Initiative #GemeinsamGeimpft erfüllt nicht die 15 Kriterien für Gute Gesundheitsinformation, enthält sogar irreführende oder nicht korrekte Informationen. Eine Verbreitung des Folders könnte das Vertrauen in (alle) Impfungen weiter beschädigen. Der Nutzen dieser Kampagne für die Akzeptanz von Impfungen könnte deutlich geringer sein als der damit verbundene Schaden.
 
Ich bitte Sie deshalb inständig – so wie viele andere europäische Länder – die Impfkampagne für junge Menschen zu beenden und stattdessen die Energie und Ressourcen in eine zielgruppenorientierte Kampagne zu stecken, um bestehende Impflücken in Risikopopulationen zu schließen.
 
Mit freundlichen Grüßen,
Martin Sprenger
Arzt und Gesundheitswissenschaftler, Graz