Ein Chefarzt zieht vor Gericht – nicht etwa, weil er Missstände im Gesundheitswesen aufdecken will, sondern weil ihm kirchliche Prinzipien ein Dorn im Auge sind. Prof. Dr. Joachim Volz, Leiter der Frauenklinik in Lippstadt, will mit einer Petition und einer Demonstration am 8. August ein Zeichen setzen: gegen das sogenannte „katholische Abtreibungsverbot“ – und letztlich gegen den Einfluss christlicher Werte in öffentlichen Krankenhäusern.
Unterstützung erhält Volz von der radikal säkularen Giordano-Bruno-Stiftung. Gemeinsam fordern sie nichts weniger als die Entchristlichung des Gesundheitswesens. Dabei zielen sie vor allem auf katholische Träger ab, die sich weigern, an Schwangerschaftsabbrüchen mitzuwirken – aus gutem Grund: weil es hier um das Lebensrecht ungeborener Kinder geht, nicht um eine Dienstleistung nach Wunsch.
Doch so berechtigt der Lebensschutz ist – eine andere Frage drängt sich auf: Wie kann es sein, dass kirchliche Einrichtungen mit Milliarden aus dem Staatshaushalt finanziert werden, dabei aber ihr eigenes Regelwerk durchsetzen? In vielen Bereichen – von Arbeitsrecht bis zu medizinischen Entscheidungen – setzen sich kirchliche Träger über staatliches Recht hinweg und berufen sich auf ihre Autonomie. Das widerspricht dem Prinzip der Gleichbehandlung und sorgt seit Jahren für Spannungen.
Am Beispiel der Abtreibung aber wird klar: Gerade hier ist die kirchliche Haltung nicht das Problem, sondern ein notwendiger moralischer Kompass. Dass Frauen in Notlagen Unterstützung brauchen, steht außer Frage – doch echte Hilfe heißt nicht, das Kind zu töten, sondern Mutter und Leben zu schützen. Wer das „katholische Abtreibungsverbot“ angreift, greift den Schutz des ungeborenen Lebens selbst an.
Volz will die gesetzlichen Regelungen zu Schwangerschaftsabbrüchen kippen und die Entscheidung allein in die Hand der Frau legen – selbst bei voll ausgebildeten Föten. Wer hier von „Selbstbestimmung“ spricht, verschleiert die Realität: Es geht um Leben oder Tod. Und es geht um die Frage, ob moralische Werte in unserer Gesellschaft noch Bestand haben.
Dass die Kirchen mit Steuergeldern gefüttert werden und gleichzeitig Sonderrechte genießen, gehört dringend auf den Prüfstand. Doch ausgerechnet am Punkt des Lebensschutzes den Einfluss der Kirche zu beenden, wäre nicht Fortschritt – sondern moralischer Bankrott.

