Haben Sie auch einen Horst? Meinen Horst kenn‘ ich seit der 10. Klasse. 35 Jahre lang. Der Mann hat mir nachts um drei den Reifen gewechselt, war einfach da, als meine erste Ehe zerbrach. 2021 schreib ich ihm nur: „Die Impfung lass ich erst mal.“ Antwort per Sprachnachricht: „Dann bist du für mich gestorben.“ Seitdem nichts. Gelöscht, blockiert, weg. Einfach so. Man hat ihm den Kopf verdreht und er hat’s selbst nicht gemerkt. Als Beamter musste er wohl auf der sicheren Seite sein.
Manchmal frag ich mich, was mich mehr kaputt gemacht hat: Der Coronazirkus oder Merkel seit 2015. Langjährige Freundschaften gingen in die Brüche. Früher haben wir uns noch gegenseitig aufgezogen: „Du Roter!“, „Du Schwarzer!“ und danach haben wir bei Kalle doch zusammen gegrillt. Heute reicht ein falsches Wort und du bist raus, wie eine Schachfigur. Aus dem Leben gestrichen. Wie gestorben.
Im Tennisclub, diesem letzten harmlosen Ort, gibt’s jetzt zwei Ecken. Man spielt noch, aber danach kein Bier mehr zusammen. Fünf Jahre später immer noch. Ein Kunde hat mich seit meinem vorsichtigen Leserbrief in unserer Kreiszeitung nicht mehr angerufen. Als Freiberufler spürst du das sofort im Geldbeutel.
Mein Physiotherapeut sagt auch kein privates Wort mehr, der Bäcker flüstert nur noch: „Ich will meine Kunden behalten.“ Selbst der Pastor predigt brav, was die Landeskirche vorgibt. Seine Kunden kommen immer seltener. Aber sein Gehalt bleibt gleich. Ja, so ist es.
Ein falsches Wort, und du bist heute raus. Aus dem Club, aus dem Freundeskreis, aus dem Job, aus dem Leben. Politik ist nicht mehr da irgendwo im Bundestag. Der Streit sitzt mit am Küchentisch, im Clubhaus, im Behandlungsraum, in der Bäckerei. Ich fühle mich eingemauert, wie bis 1989. Kopf einziehen war überlebenswichtig.
Ich will meinen Horst wieder. Ich will wieder mit allen ein Bier trinken können, ohne dass vorher meine Gesinnung gecheckt wird. Mir ist traurig zumute. Was hatten wir am 9.11.89 nicht für Träume. Redefreihit, Reisefreiheit. Das es so kommt, hat keiner gedacht.
Früher existierte eine Mauer und doch sahen wir einen Stern am Himmel. Komm‘ wieder.


Kommentare
2 Antworten zu „Weihnachtsfriede oder wahre Freundschaft soll nicht wanken “
Naja,ich vermisse 89 oder davor und danach überhaupt nicht,ein und die selbe Gedöns.👈 Und wenn ein Freund sowas macht,dann ist es kein Freund und mir zum Beispiel ist das sehr egal.
Die wahre Freundschaft zeigt sich im Versagen zur rechten Zeit …
Geheimrat außer Dienst… Johann Wolfgang von Goethe… 👈
Auf “ Freunde “ dieser besonderen Art kann ich gerne verzichtet ! Seitdem habe ich es auch tunlichst vermieden, Besuche in die ehemalige Heimat zu unternehmen. Hier in Japanien war und ist eine Impfung nach wie vor absolut freiwillig und ich will nicht an einen deutschen Airport einfach gewaltsam abgespritzt werden, nur weil ich einen Deutschen Pass habe ! Iie, kekko desu ….