Und während Kirchen in Deutschland reihenweise aus dem Ortsbild verschwinden, zeichnet sich ein anderes, in den etablierten Medien kaum thematisiertes Phänomen ab: der aufmerksame Ausbau muslimischer Gemeinden im selben Zeitraum, in dem das Christentum kapituliert.
Auch 2025 wurden nur wenige Moscheebauten fertiggestellt – etwa zwei bis fünf größere Neubauten oder repräsentative Erweiterungen, darunter Projekte in Hamburg-Schnelsen oder Kornwestheim, die häufig als „sichtbare Gotteshäuser“ gefeiert werden. Diese Neubauten sind jedoch keine Luxusprojekte, sondern Ausdruck eines realen Bedarfs: Viele Gemeinden ziehen aus Hinterhöfen, Industriehallen oder umgenutzten Hinterräumen in sichtbare Zweckbauten, weil die Zahl der Mitglieder wächst und einfache Gebetsräume nicht mehr ausreichen.
Insgesamt gibt es in Deutschland heute offiziell rund 2.500 bis 2.800 Moscheen und Gebetsräume, von denen nur 300 bis 400 klassische Zweckbauten mit Kuppel oder Minarett sind. Neubauten sind weiterhin rar – aber sie sind tendenziell zunehmend, weil muslimische Gemeinden nicht nur organisatorisch, sondern räumlich sichtbarer werden wollen, statt im Hinterhof zu verbleiben.
Im krassen Gegensatz dazu stehen die christlichen Kirchen: Während für Moscheen sichtbar gebaut wird, geht es bei den Kirchen kaum um Neubau – sondern um Schließung, Verkauf oder Profanierung. In diesem Jahr wurden allein mindestens 46 katholische Kirchen aufgegeben, viele weitere evangelische Gemeinden stehen vor dem gleichen Schicksal. Insgesamt gehört noch ein Großteil der Bevölkerung einer der beiden großen christlichen Kirchen an, aber die Mitgliedschaft schrumpft rapide, was die Kirchensteuer-Finanzierung und damit die Unterhaltsfähigkeit der Gebäude dramatisch unter Druck setzt.
Was in der öffentlichen Debatte meist fehlt: Die Szene ist kein statischer „Kulturkampf zwischen Kirchen und Moscheen“. Vielmehr markiert sie eine tiefergehende demografische Zäsur: Das Christentum zieht sich architektonisch und gesellschaftlich zurück, während islamische Gemeinden – langsam, aber stetig – sichtbare Infrastruktur für ihre wachsenden Gemeinden schaffen. In einem Land, in dem einst jede Gemeinde ihre Kirche hatte, verschwinden diese heute still und nach und nach aus dem Ortsbild, während andere Gotteshäuser an Bedeutung gewinnen.

