„Nur“ +2,4 Prozent im September – klingt nach Entspannung, ist aber Etikettenschwindel: Die offiziell gemessene Inflationsrate steigt gegenüber August erneut, und die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt mit +2,8 % sogar darüber. Auch der HVPI meldet +2,4 % zum Vorjahr und +0,2 % zum Vormonat. Energie bleibt dank Basiseffekten leicht im Minus (-0,7 %), doch bei Dienstleistungen geht’s weiter rauf (+3,4 %), Waren verteuern sich ebenfalls (+1,4 %), Nahrungsmittel steigen +2,1 % – das ist die Realität an der Kasse, wie das Statistische Bundesamt mitteilt (vorläufige Werte; endgültig am 14. Oktober). [laut Destatis]
Während die Schlagzeile „Inflation 2,4 %“ wie ein Beruhigungspflaster wirkt, frisst die hartnäckige Kernteuerung die Einkommen weiter an. Besonders Dienstleistungen – vom Handwerker bis zur Miete – drehen die Preisschraube. Dass Energie leicht fällt, hilft wenig, wenn der Rest des Warenkorbs ungebremst marschiert. Wer sich nicht mit Durchschnittswerten abspeisen lassen will, kann beim persönlichen Inflationsrechner erleben, wie weit die eigene Realität von der Schaufensterzahl abweicht. Die Richtung ist klar: Entwarnung sieht anders aus.
Die monatliche Taktung zeigt ebenfalls, wohin die Reise geht: +0,2 % gegenüber August – also erneut ein Schritt nach oben. Nach dem Sommer nun der Preis-Herbst: Stück für Stück wird’s teurer, nur eben ohne großen Knall. Das Muster ist bekannt – und politisch bequem. Denn solange die Überschrift „2 vor dem Komma“ trägt, kann man sich in Berlin in Selbstzufriedenheit wiegen. Für Familien, Pendler und Mittelstand bleibt dagegen das, was zählt: Die Rechnung am Monatsende.
Wer genau hinschaut, erkennt das Problem hinter der Fassade: Ein Inflationswert, der unter dem Titel „vorläufig“ läuft, lenkt vom Kern ab – und der liegt hartnäckig über der offiziellen Gesamtzahl. Heißt: die Preisdynamik ist nicht gebrochen, sondern verlagert – weg von Energie, hin zu allem, was man nicht einfach abschalten kann: Arbeit, Dienstleistungen, Alltagsbedarf. Das ist keine gute Nachricht – schon gar nicht für jene, die kein Inflationspolster besitzen.



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