Die 30. Weltklimakonferenz (COP30) im brasilianischen Belém ist beendet – und sie liefert einmal mehr ein Paradebeispiel dafür, wie sich angeblicher Klimaschutz und reale Politik gegenseitig ad absurdum führen. Während Politiker und Aktivisten von „Rettung des Planeten“ sprechen, steigt der CO₂-Ausstoß ausgerechnet während der Klimakonferenz deutlich an.
Wie schon bei früheren COP-Treffen reisten Zehntausende Teilnehmer mit einer regelrechten Luftflotte an. Allein die An- und Abreisen dürften den globalen CO₂-Ausstoß kurzfristig spürbar erhöht haben. In Belém kam jedoch ein besonders drastischer Widerspruch hinzu: Die brasilianische Regierung ließ eigens für die Konferenz eine rund 13 Kilometer lange Autobahn durch den Amazonas-Regenwald bauen – für einen „komfortablen Transfer“ der Delegierten vom Flughafen in die Stadt.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Konferenz wurden dafür rund 100.000 Bäume gefällt, Bauern von ihrem Land vertrieben und heilige Stätten der indigenen Tupinambá zerstört. Die Folge: wütende Proteste indigener Gruppen, die es sogar bis in die sogenannte „blaue Zone“, den inneren Sicherheitsbereich der Veranstaltung, schafften. Ausgerechnet eine Klimakonferenz, die den Schutz der Natur propagiert, zerstört dafür ein Stück Regenwald.
Auch inhaltlich blieb die COP30 ein Schaufenster der Widersprüche. Eine Minderheit aus EU-Staaten und Großbritannien drängte auf einen rechtsverbindlichen Fahrplan für den weltweiten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen – ein Vorhaben, das bereits bei der COP28 grundsätzlich angekündigt worden war. Die Mehrheit der Staaten verweigerte jedoch die Zustimmung. Vor allem China und Indien, unterstützt von zahlreichen Ländern aus Afrika und Asien, lehnten den Plan ab. Ihr Argument: Ohne fossile Energien seien wirtschaftliche Entwicklung und eine Verbesserung der Lebensbedingungen nicht möglich. Am Ende unterstützten nur noch rund 80 Länder den Vorstoß.
Brasiliens Präsident Lula da Silva hatte die Konferenz bewusst im Amazonasgebiet angesetzt, um auf den fortschreitenden Regenwaldverlust aufmerksam zu machen. Doch selbst sein geforderter Entwaldungsstopp schaffte es nicht ins Abschlussdokument. Stattdessen wurde ein nationaler Tropenwaldfonds angekündigt, der unter anderem mit deutschen Steuergeldern gefüllt werden soll. Ob ein solcher Fonds in einem heißen, feuchten Land mit rasant wachsender Vegetation überhaupt sinnvoll ist, bleibt offen.
Zusätzlich wurde auf der Konferenz erneut mit bekannten Katastrophenszenarien gearbeitet. UN-Vertreter warnten vor Hungersnöten, Megadürren und massiven Ernteausfällen. Diese Rhetorik ist aus Politik und Medien bestens bekannt – wissenschaftlich ist sie jedoch umstritten. Selbst der aktuelle sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats stellt keine generelle Zunahme von Extremwetterereignissen fest. Tatsächliche Ernteausfälle der vergangenen Jahre waren vielfach auf Kälteereignisse zurückzuführen, etwa bei der Kaffeeernte in Brasilien 2021.
Die COP30 in Belém zeigt damit erneut, wie groß die Kluft zwischen Klimarhetorik und Realität ist. Viel Symbolpolitik, viel Moral – und am Ende mehr CO₂, zerstörter Regenwald und Beschlüsse, die dort scheitern, wo sie wirtschaftliche Realitäten berühren.

