Die Zerstörung Berlins

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Die Hauptstadt scheint ein ähnliches Schicksal wie der Tempel Salomons zu haben. Die nächste Zerstörung ist nur eine Frage der Zeit, von sehr kurzer Zeit. Ob es danach einen erneuten Wiederaufbau geben wird, steht noch in den Sternen. Der Antichrist hat seine Heerscharen geschickt. Sie erschienen in mannigfaltiger Gestalt. Erst verführten sie die Menschen, ließen sie vergessen, ob sie Männlein oder Weiblein waren und lockten sie immer tiefer in den Garten der Lüste. Diejenigen, die sich mit fleischlichen Genüssen nicht fangen ließen, trieben sie mit der Angst in die Hände der Hohepriester. Angst vor dem Tod, vor Armut, Krankheit, Alleinsein! Und sie machten ihnen falsche Hoffnungen, dem Schicksal entrinnen zu können. Sie versprachen dieses und jenes, Geld oder Macht oder beides zusammen und bauten so ihr Netz im Verborgenen auf.

Viele Jahre zeigte das Streben der Dunkelmächte scheinbar keinen Erfolg, doch das Leben starb nur langsam dahin. Erst als das Lachen verschwand, man sich der Liebe zu schämen begann, zeigte sich das Böse mehr und mehr und besetzte die Schaltstellen der Macht.

Als das Volk den Schwindel erkannte, floh die Obrigkeit aus den Städten und Palästen. Zu einer Revolution kam es jedoch nicht mehr. Die Armee der Finsternis erhob sich aus der Unterwelt und tausende Untote streiften durch Berlin. Sie schlachteten sich bis zum Regierungsviertel vor und besetzten alle wichtigen Gebäude.

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Keine Menschenseele war mehr sicher. Es gab kaum noch ein Durchkommen und die Verzweiflung war groß. Nicht ein einziger Platz in der Stadt zeigte mehr ein menschliches Antlitz. Die Fratze des Todes triumphierte.

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Nur wenige Gläubige konnten sich in den Kellern versteckt halten und dank der Vorräte überleben, die sie rechtzeitig angelegt hatten. Alle Netze waren zusammengebrochen, es gab weder Wasser, noch Strom, keine Warentransporte und keine medizinische Versorgung. Die Kranken starben schneller, als sie die Untoten in Stücke reißen konnten und das Weinen der Mütter wäre bis zum Himmel erklungen, wenn nicht die Furcht vor Entdeckung auch ihnen die Münder versiegelt hätte und sie still ihr Leid ertragen mussten.

Dann kam der Einäugige, setzte sich auf den Thron und wies die Heerscharen Satans zurück in die Unterwelt, so dass die Stadt wieder betreten werden konnte. Den wenigen Überlebenden bot sich ein schreckliches Bild, erste Fremde aus den umliegenden Städten und Dörfern baten um Unterkunft, denn auch ihre Häuser waren zerstört, die Familien vernichtet worden.

Nicht alle wollten dem plötzlichen Frieden trauen und da geschah es, dass einer den Einäugigen mit seiner Waffe zu Boden streckte, als die Augen der Welt auf ihn gerichtet waren. Er aber stand wieder auf, schüttelte sich am ganzen Leib, dass die Kugeln aus seinem Körper zu Boden fielen und sein Blut umher spritzte. Die Wunden schlossen sich und als die Sicherheitsleute den Attentäter ergreifen wollten, sprach er, dass sie ihn gehen lassen sollten. Es sei vom Schicksal bestimmt, dass sich alles so zugetragen habe. Da begannen sie mit dem Wiederaufbau und wussten nicht, dass es ihr eigenes Grab war, das sie errichteten.


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