
Bei der Augsburger Puppenkiste denken viele an ihre Kindheit zurück, an Urmel aus dem Eis und andere lustige Geschichten. Letztes Jahr feierte die Bühne mit dem Impfkasper ein großes Internet-Comeback. Das Video hat über 1,5 Millionen Klicks und mehr als 5000 wohlwollende, staatstragende Kommentare.
Negativmeinungen werden unter Querdenkerverdacht gestellt und offenbar sofort gelöscht. Aber was regt man sich auch auf. Was kann man anderes von einem staatlich geförderten Puppentheater in Zeiten der „Krise“ erwarten als staatstragende Propaganda? Zu den größten Puppenbühnen Deutschlands zählen übrigens die „Polizeikasperletheater“ mit dem pädagogisch wertvollem „Verkehrskasper“. Hat sich vor dem Corona-Putsch jemand über diese Art der Erziehung beschwert?
Man kann sich denken, was staatstragende Bühnen in Deutschland zur Zeit der beiden Weltkriege und im Vorlauf von diesen produziert haben. Ich möchte nicht näher darauf eingehen. Der ursprüngliche Kasper diente weder der Kinderbelustigung, noch politischen Zwecken. Erste Kasperletheater fanden sich auf Jahrmärkten in Europa, aber auch den jungen Vereinigten Staaten. So soll George Washington ein großer Fan davon gewesen sein. Die Hauptfigur trägt je nach Nation einen anderen Namen, aber sie diente vor allem der Kritik an der Obrigkeit, prügelte mit Vorliebe auf Polizisten und andere Autoritäten ein.
In England und anderen angelsächsischen Ländern ist noch viel davon erhalten geblieben. Dort heisst der Kasper Mr. Punch und seine Freundin nicht Gretel, sondern Judy, mit der er verheiratet ist. Punch und Judy haben ein Baby und jede traditionelle Geschichte beginnt mit dem Streit der beiden um das Kind. Punch ist genervt und wirft das Kind aus dem Fenster, als es nicht aufhört zu schreien oder dreht es durch einen Fleischwolf und verarbeitet es zu Wurst. Die Brutalität kann je nach Puppenspieler und Publikum variieren. Dann kommt Judy mit dem mannshohen Holzprügel, dem Slapstick und drischt damit auf Punch ein, der sich natürlich wehrt und Judy erschlägt. Manchmal taucht noch seine Freundin Pretty Polly auf, mit der sich Punch vergnügt, bis er auch sie knüppelt, wie auch alle Polizisten oder den Henker, wie in der nachfolgenden Geschichte zu sehen.
Eine fünfzehnjährige Schülerin als „Punchmaster“ bei einer ganz normalen Schulaufführung. Die Gesichter der Kinder sprechen Bände. Manche lachen, viele aber wirken verstört. Zu einer Zeit, in der Prügel als etwas ganz Normales betrachtet wurden, hat sich niemand Gedanken darüber gemacht. Im Grunde spiegelten die Punch und Judy Shows den Zeitgeist wider, führten die Kinder an die Normalität heran und boten Mr. Punch als Ventil an. In Deutschland änderte sich der Charakter des Kasperletheaters zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, man erkannte das „pädagogische Potential“ und entschärfte die Stücke von Brutalität und sexuellen Anzüglichkeiten. Die kinderkompatiblen Figuren von heute beruhen auf der Hohnsteiner Bühne des Puppenspielers Max Jacob. Die namensgebende Burg Hohnstein wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und diente als Konzentrationslager. Im Krieg wurde die Hohnsteiner Bühne zur Truppenbetreuung eingesetzt. Punch und Judy blieb ein solches Schicksal der politischen Vereinnahmung erspart. Auch sie mussten sich an die neue Zeit anpassen und auf einige Brutalitäten verzichten, doch solche Auftritte wären im politisch korrekten Deutschland undenkbar.
Ich frage mich, was schlimmer ist: Der brutale Mr. Punch mit seiner schrecklichen Pfeifenstimme, die man kaum verstehen kann oder die pädagogisierte Variante aus dem deutschsprachigen Raum?


Kommentare
3 Kommentare zu „Wie man ganze Generationen traumatisiert und für politische Zwecke missbraucht“