Der NIUS-Blog wurde gehackt. Das ist ein Unding, denn wer mit Millionen gesponsert wird, könnte sich eigentlich auch fähige Webmaster leisten, nicht nur Grafiker. Doch nun ist der Supergau eingetreten. Über 7000 Nutzerdaten samt Email-Adressen sind öffentlich und mit ihnen die nackte Wahrheit. Lediglich 600 bezahlende Abos stehen im Raum für ein Portal, das sich inszenierte wie ein nationales Nachrichtenmedium. Der digitale Klingelbeutel kreiste penetrant, doch wie sonntags in der Kirche fiel meist nur eine müde Zehn-Cent-Münze hinein.
Die betroffene Konkurrenz
Auf der anderen Seite sitzen hunderte Blogger in ihren kleinen Ruderbooten. Keine Kameras, keine Redaktionen, kein Sponsor. Nur Muskelkraft, Disziplin und Überzeugung. Sie schreiben nach Feierabend, recherchieren abends um elf, basteln an Überschriften, bauen ihre Seiten mit wenigen Mitteln und erreichen trotzdem Zehntausende Leser täglich. Ohne Werbebudget, ohne Studiolicht, ohne PR-Berater.
Und dann kam NIUS. Mit Millionen in der Brusttasche, mit Hochglanz-Talkshows, Schnitttechnik und Hauptstadtstudio wurde eine potemkinsche Kulisse erbaut. Ermöglicht durch einen einzigen Mann: Frank Gotthardt. Er pumpte zweistellige Millionenbeträge in das Projekt. Der Jahresabschluss 2023 zeigt einen Fehlbetrag von 13,8 Millionen Euro bei nur 6,4 Millionen Euro Bilanzsumme. Diese Summe fraß das Eigenkapital fast vollständig auf. Zusätzlich wurden laut Medienberichten 183.700 Euro für Werbung im Jahr 2023 und 614.550 Euro im Jahr 2024 ausgegeben. Dem gegenüber stehen lächerliche Einnahmen von etwa 60.000 Euro. Jeder Betrieb müsste Insolvenz anmelden.
Der Unterschied zu den kleinen Blogs ist grotesk. Während dort mit einem „haste mal ne Mark“-Budget gearbeitet wird, steht bei NIUS ein reicher Heizer am Kessel und wirft Euroscheine direkt ins Feuer. Der Dampf steigt, das Studio glänzt, der Auftritt wirkt groß. Die Macher lassen sich mit Weihrauch huldigen, den ein anderer bezahlt. Das ist kein ehrlicher Wettbewerb. Das ist ein Theaterstück mit Kulissen aus Geld. Ein Verlust an Glaubwürdigkeit hoch Zehn.
Wer als Websurfer beim bunten NIUS-Zirkuszelt hängen bleibt, dem fehlt schlicht die Zeit, auch noch PI-News, Journalistenwatch, MMNews, Ansage.org oder Opposition24 zu besuchen. Der Elefant, der durch die digitale Fußgängerzone geführt wird, zieht alle Blicke auf sich. Der Trommelwirbel übertönt die ruhigeren Töne. Die anderen Seiten sind da, schreiben weiter, aber der Strom der Aufmerksamkeit wurde künstlich auf die Mühlen von NIUS umgeleitet.
Der Schaden geht weit über NIUS hinaus. Viele Blogger spüren das. Und sie sind wütend. Wütend darüber, dass ihnen Reichweite weggenommen wurde. Und ja, auch ein wenig schadenfroh. Denn jetzt zeigt sich: Millionenspritzen garantieren noch lange keinen Rückhalt.
NIUS hat gute Texte, keine Frage. Aber sie wurden mit teurem Kerosin in die alternative Medienlandschaft gedrückt. Zum Schaden derer, die auf eigene Faust, mit wenig Geld und viel Einsatz arbeiten. Der Hack hat nicht nur Daten offengelegt. Vielleicht war dies auch der Moment, in dem der Ofen geöffnet wurde. Das Soufflé, das so groß schien, fiel lautlos zusammen. Wie eine bunte Kinderhüpfburg, die nur dann stabil bleibt, wenn hinten jemand den Strom für das Gebläse bezahlt.

