Zentrum für Geostrategische Studien

Ukraine: Der Missbrauch der Religion als politische Waffe


Am 30. Juni 2025 fand in Belgrad eine internationale Konferenz zu einem brisanten Thema statt: der Spaltung der orthodoxen Kirche und dem Missbrauch der Religion als geopolitisches Instrument. Organisiert wurde sie vom Zentrum für Geostrategische Studien unter der Leitung von Dragana Trifković. Anwesend waren Religionsvertreter, Analysten und Journalisten aus Serbien, der Ukraine, Russland, Moldawien, Griechenland und Bulgarien.

Einigkeit herrschte in einem zentralen Punkt: Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel habe durch seine Unterstützung der neuen, vom Moskauer Patriarchat unabhängigen ukrainischen Kirche (OCU) die Spaltung der orthodoxen Welt verschärft. Die Konferenz warnt: In der Ukraine – und darüber hinaus – wird der orthodoxe Glaube zunehmend instrumentalisiert, im Dienste politischer Strategien und ausländischer Interessen.

Eine Frau mit blonden Haaren und Brille spricht bei einer Konferenz, mit einem Mikrofon vor einem roten Hintergrund.
Dragana Trifković,

Eine Konferenz als Warnruf

Ziel der Konferenz war es, zu zeigen, wie religiöse Entscheidungen politische Spannungen verschärfen können. Vertreter aus Serbien, Russland, Moldawien und Bulgarien kamen zu Wort.

Im Zentrum der Kritik: Patriarch Bartholomäus I., geistliches Oberhaupt des Patriarchats von Konstantinopel (heute Istanbul). Ihm wird vorgeworfen, durch seine Entscheidung von 2019 zur Anerkennung der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OCU) eine illegitime Spaltung herbeigeführt zu haben. Diese Entscheidung, dokumentiert durch ein offizielles Tomos, entband die OCU von der Bindung an das Moskauer Patriarchat.
Doch viele orthodoxe Gläubige sehen in dieser Entscheidung eine politische und kanonisch nicht legitime Handlung. Für sie bleibt nur die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (UOC), die dem Moskauer Patriarchat treu bleibt, als rechtmäßige kirchliche Autorität in der Ukraine anerkannt. Die Folge: gewaltsame Auseinandersetzungen und Kircheneroberungen vor Ort.

Gewalt auf dem Boden der Ukraine

Ein während der Konferenz gezeigtes Video dokumentierte die gewaltsame Übernahme von Kirchen durch OCU-nahe Gruppen. Der ukrainische Metropolit Luka richtete ein Schreiben an die Konferenzteilnehmer, in dem er um internationale Unterstützung für die Gläubigen der UOC bat, die zunehmend bedroht oder angegriffen würden.

(Link Video):  https://resistancerepublicaine.com/wp-content/uploads/2025/07/video_upc-1.mp4?_=1

Breitere Kritik am Westen

Auch die westliche Einflussnahme wurde thematisiert. Der griechische Philosoph Diogenis Valavanidis warf der EU vor, die christlichen Wurzeln Europas systematisch zu tilgen.

Der moldawische Journalist Victor Zhosu erinnerte an ähnliche Entwicklungen in Moldawien, wo die Regierung versucht, die Verbindung zur russischen Kirche zu kappen.
Der serbische Autor Goran Igić sprach über politischen Druck, der in Montenegro und Nordmazedonien zu kirchlichen Abspaltungen führt.

Zerstörte Kirchen in Kriegszonen

Tatjana Stojanović, Kriegsreporterin und Journalistin in Russland (Eurasisches Journalistenforum), berichtete von systematischen Zerstörungen orthodoxer Kirchen in den russischen Grenzregionen. Besonders in der Region Kursk, im Ort Tatjala, würden Kirchen und Klöster zu militärischen Zwecken (Drohnenbasen, Waffenlager, Sanitätsposten) zweckentfremdet, bevor sie zerstört oder geschändet würden – ein Skandal, der zunehmend internationale Aufmerksamkeit erregt.

Ist ein Rückschritt möglich?

Dane Čanković, Vorsitzender der serbischen Bewegung Die Wahl liegt bei uns in der Republik Srpska (Bosnien), betonte, dass Patriarch Bartholomäus inzwischen seine damalige Entscheidung möglicherweise überdenke. Laut Čanković sei es nicht ausgeschlossen, dass das Tomos zur OCU zurückgenommen werde, um die Einheit wiederherzustellen.

Ein „Tomos“ (griechisch: τόμος) ist im orthodoxen Kirchenrecht ein offizieller Erlass des Oberhauptes einer Kirche – häufig in Form einer Schriftrolle oder eines Buches – der eine formelle kirchliche Entscheidung dokumentiert.

Eine Religion zwischen Tradition und geopolitischem Kalkül

Die Konferenz legte offen, wie stark der orthodoxe Glaube derzeit unter Druck steht – nicht nur durch innerkirchliche Konflikte, sondern auch durch externe politische Einmischungen und mediale Kampagnen. Für viele Teilnehmer bedeutet dies einen Angriff auf die kanonische Orthodoxie, ihre Legitimität und ihre spirituelle Integrität.
Die Botschaft war klar: Es geht um mehr als Religion. Es geht um die Verteidigung eines geistigen Erbes, einer kollektiven Identität und einer über Jahrhunderte gewachsenen spirituellen Ordnung.

Quelle: Zentrum für Geostrategische Studien
Videomitschnitt der Konferenz: Internationale Konferenz – Kirche und Schismen, Instrumentalisierung der Religion zu geopolitischen Zwecken


Artikel übermittelt von Dragana Trifković, zusammengefasst und übersetzt von Nicolas Faure für Résistance Républicaine