Er war ein Mahner. Ein Störenfried. Ein Rufer, der lieber am Rande des Feldes stand als auf der Bühne. Der Advocatus Diaboli, regierungsamtlich geführt als Beauftragter für politische Schönheit, war nicht beliebt, aber gebraucht. Wo andere abnickten, fragte er. Wo der Konsens sich anschickte, ewiges Gesetz zu werden, wagte er das Nein. Doch solche Stimmen stören in Zeiten des Fortschritts. Sein Dienstverhältnis wurde von CDU/SPD nicht verlängert. Kein Skandal, keine Schlagzeile. Nur ein leiser Akt der Hygiene. Die Zweifel sollten schweigen.
Dabei war sein Wirken akribisch. Er legte die Finger in die Wunden, bevor sie verpflastert wurden. Und seine Fußnoten zu ministeriellen Verlautbarungen waren länger als so mancher Gesetzestext.
Doch nun heißt es: Abgang des Unbequemen. Einzug des Einfühlsamen. Es folgt ein Lobgesang auf das Gegebene. Bundeskanzler Friedrich Merz, ein Mann des natürlichen Überblicks, formulierte kürzlich in einem Moment der spirituellen Erleuchtung, wie manche meinten:
„Das ist eine der besten Bundesregierungen, die wir in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gehabt haben.“
Ein Satz, der aufhorchen ließ. Was lag näher, als dieses segensreiche Wirken nun auch in angemessener Weise zu würdigen – öffentlich, professionell, feinsinnig. Besser, als es das Bundespresseamt je vermochte, wollte man sagen.
Und so wird ein neues Amt geschaffen mit traditionsreicher Bezeichnung und frischer Zielsetzung:
Der Advocatus Dei wird gesucht.
Amtliche Ausschreibung
Referat für Deutungsmanagement und Vertrauenspflege
Position: Regierungsbeauftragter für Positivdarstellung (m/w/d)
Dienstrang: Advocatus Dei
Besoldung: Nach Würdigkeit, nicht nach Zweifel
Aufgabenprofil:
Übersetzung politischer Entscheidungen in verständliche Wärme
Poetische Rahmung unbequemer Maßnahmen in sanfte Sprachgewänder
Semantische Versöhnung von Wirklichkeit und Regierungssprache
Betreuung öffentlicher Diskurse durch dämpfende Vokabelwahl
Harmonisierung des Bürgerblicks mit dem Weltbild der Exekutive
Anforderungen:
Ein abgeschlossenes Studium in Öffentlicher Zuneigung, Ethik der Einheit oder Deutungspsychologie
Nachweisbarer Mangel an Satire, Ironie oder Widerspruchsgeist
Gesinnungsfestigkeit bei erhöhter medialer Temperatur
Bereitschaft zur emotionalen Einordnung des Ungeheuren
Bewerbungen sind ausgeschlossen, wenn:
Sie zwischen 2015 und Februar 2025 das Regierungshandeln kritisch begleitet haben
Sie sprachlich zum Zweifel neigen oder blaues Gedankengut in sich tragen, sei es politisch, poetisch oder als Kleidungswahl bei Vorstellungsgesprächen
Besoldung
Eine unbefristete Stelle mit gedeckeltem Realitätsbezug
Zugang zu einem geschützten Wortfeld
Regelmäßige Debriefings im Raum der kollektiven Einfühlung
Ehrenplatz bei Sommerfesten des Ministeriums für Zusammenhalt
Die Republik braucht einen neuen Fürsprecher
Nicht des Volkes, sondern der Linie
Und wenn einst Historiker fragen, wie es so still werden konnte um das Denken, wird man vielleicht antworten:
Der Advocatus Dei hatte gerade Dienst

