Deutschland hilft wieder beim Bau eines Schutzwalls. Diesmal natürlich nicht bei sich selbst, sondern ganz uneigennützig im Ausland. Ab April 2026 sollen deutsche Soldaten in Polen Gräben ausheben, Stacheldraht verlegen und Panzersperren errichten, berichtet NTV unter Berufung auf die Springerpresse. Das Ganze hört auf den beruhigenden Namen „Operation Ostschild“. Schutz klingt immer gut. Das hat Tradition.
Schon der berühmteste Schutzwall deutscher Geschichte wurde mit genau dieser Wortwahl verkauft. Der „antifaschistische Schutzwall“ der DDR sollte angeblich den Frieden sichern, Aggressoren abschrecken und das Gute bewahren. Heraus kam eine Betonmauer mit Schießbefehl. Aber keine Sorge: Heute ist natürlich alles ganz anders. Heute heißt es NATO, Wertegemeinschaft und Abschreckung. Beton bleibt Beton, aber die PR ist moderner.
Die Bundeswehr spricht von „Pioniertätigkeiten“. Das klingt nach Pfadfindern mit Spaten, nicht nach militärischer Grenzbefestigung. In Wirklichkeit geht es um exakt das, was Mauern schon immer brauchten: Gräben, Draht, Sperren. Früher war das Symbol für Unfreiheit, heute nennt man es Sicherheitsarchitektur. Zeiten ändern sich – Begriffe auch.
Besonders elegant gelöst ist die Sache mit dem Bundestag. Ein Mandat braucht es nicht. Warum auch? Man baut ja nur einen Schutzwall. Unbewaffnet. Friedlich. Ganz zufällig mit militärischem Gerät. Wer jetzt an die schleichende Normalisierung der DDR-Grenzanlagen denkt, hat laut offizieller Lesart einfach zu viel Geschichte gelernt.
Der neue Schutzwall im Osten zeigt vor allem eines: Mauern sind wieder hip. Abschottung gilt als verantwortungsvoll, solange sie geopolitisch korrekt ist. Wer früher gegen Mauern demonstrierte, rechtfertigt sie heute mit ernster Miene und düsteren Bedrohungsszenarien. Der Unterschied zwischen damals und heute liegt weniger im Prinzip als im Feindbild.
Deutschland baut also wieder Schutzwälle mit. Wieder aus Angst. Wieder mit moralischer Überhöhung. Wieder mit dem festen Versprechen, dass es diesmal wirklich nur um Schutz geht. Und wenn Geschichte eines lehrt, dann das: Schutzwälle sind immer nur so lange harmlos, bis man sich fragt, wovor oder vor wem eigentlich geschützt werden soll.


Kommentare
2 Kommentare zu „Operation Ostschild: Deutschland baut mal wieder einen Schutzwall“
„LIMES POLONICUS“: Das ist „geopolitisch korrekt“. „OMNIA PRO POLONIA“: Und das ist auch „politisch korrekt“. „OMNIA PRO GERMANIA“: Auf Latein ist erlaubt, was auf Deutsch NICHT „politisch korrekt“ und deshalb VERBOTEN ist. Trotzdem gilt bedenkenlos zeitlos elegant: „OMNIA PRO DADA!“
was so ein Schwachsinn nutzt zeigte vor über 100 Jahren schon die Maginotlinie. nix.