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Merz träumt von der Großmacht Europa – doch seine markigen Sprüche nimmt keiner ernst

Friedrich Merz hat in seiner heutigen Regierungsansprache im Deutschen Bundestag wieder einmal große Worte gewählt. Deutschland und Europa müssten lernen, „die Sprache der Machtpolitik zu sprechen“, verkündete der Kanzler mit ernster Miene. In einer pathetisch aufgeladenen Rede beschwor er eine neue Weltordnung und erklärte Europa kurzerhand zur künftigen Großmacht – ein Anspruch, der vor allem eines auslöste: Zweifel, wie aus dem offiziellen Bundestagsprotokoll hervorgeht.

Merz zeichnete das Bild einer rauen, gefährlichen Welt, in der nur militärische Stärke, wirtschaftliche Schlagkraft und politische Geschlossenheit zählen. Europa müsse sich selbst „ermächtigen“, Deutschland vorangehen. Die Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf bis zu fünf Prozent präsentierte er als historisches Signal, dem andere Länder angeblich folgen würden. Massive Aufrüstung, technologische Souveränität und die dauerhafte Unterstützung der Ukraine stellte der Kanzler als alternativlos dar. Was fehlt, ist jede Erklärung, wie ein wirtschaftlich angeschlagenes Land diese Großmachtambitionen überhaupt tragen soll.

Auffällig war der Tonfall, als Merz auf das Mercosur-Abkommen zu sprechen kam. Hier ließ er jede diplomatische Zurückhaltung fallen. Der Kanzler machte keinen Hehl aus seinem Ekel darüber, dass ausgerechnet AfD und Grüne gemeinsam gegen das Abkommen gestimmt hatten. Diese politische Zweckgemeinschaft bezeichnete er als Zumutung und erklärte wörtlich: „Es war mehr als irritierend, was da in Brüssel und in Straßburg geschehen ist.“ Die Verachtung war unüberhörbar.

Für Merz steht Mercosur sinnbildlich für seinen Machtanspruch. Freihandel, neue Allianzen, globale Märkte – alles soll Europa nach vorne bringen. Widerstand dagegen wertet er als Sabotage. Entsprechend scharf fiel seine Ansage aus: „Dieses Abkommen muss zustande kommen, und zwar so schnell wie möglich.“ Dass große Teile der Bevölkerung diese Abkommen kritisch sehen, spielte in seiner Rede keine Rolle. Stattdessen dominierte der moralische Zeigefinger gegenüber politischen Gegnern.

Auch wirtschaftlich kündigte Merz eine „harte Gangart“ an. Europa habe sich selbst blockiert, nun müssten Vorschriften fallen, Wachstum entfesselt werden. Gleichzeitig erklärte er Europa zum gleichberechtigten Partner der USA und wies Zolldrohungen demonstrativ zurück. Der Anspruch: Augenhöhe. Die Realität: Abhängigkeiten, schwache Konjunktur und ein Staat, der kaum noch handlungsfähig wirkt.

Innenpolitisch versprach der Kanzler Reformen am Fließband. Bürgergeld, Rente, Pflege, Gesundheit – alles soll neu aufgestellt werden. Wachstum sei die Grundlage für alles, räumte Merz ein, musste aber gleichzeitig zugeben, dass Deutschland viel zu langsam vorankommt. Seine Hoffnung auf einen vorsichtigen Aufschwung wirkte dabei eher wie Zweckoptimismus als wie belastbare Perspektive.

Unterm Strich blieb eine Rede voller großer Worte und großer Gesten. Mehr Macht, mehr Militär, mehr Europa – aber wenig Substanz. Merz inszenierte sich als Kanzler der Zeitenwende, doch seine markigen Sprüche über Großmacht, Führung und Selbstermächtigung verhallten weitgehend wirkungslos. Denn jenseits des Bundestags glaubt kaum noch jemand daran, dass aus diesen Ankündigungen mehr wird als politisches Theater.

Kommentare

3 Kommentare zu „Merz träumt von der Großmacht Europa – doch seine markigen Sprüche nimmt keiner ernst“

  1. Avatar von Ralf.Michael
    Ralf.Michael

    GröKaZ ? Hätte Er wohl gerne. Es fehlt Ihm leider noch eine Armee von Vorjublern, Anjublern und Mitjublern …. Die Zahl der Christlichen und Sozzen ist aber doch sehr stark geschrumpft :o((

  2. Avatar von fisial
    fisial

    Zirkus minimus im BT – wenn smallus dikkus spricht dann muss ich schmunzeln — was für eine Witzfigur

  3. Avatar von Joe Cool
    Joe Cool

    Erholung der Wirtschaft könnte er in Teilen relativ zügig haben: Zurück zum Import von russischem Gas um die Energieversorgung wieder anzukurbeln. Eine Röhre ist noch intakt.
    Aber dann müsste das importierte Gas noch über die von Juncker 2021 eingeführte Gasbörse zwischengehandelt werden. Na, wer erinnert sich? Das war der Beginn der galoppierende Strom- und Gaspreise. Gazprom lieferte verläßlich und langfristig für wenige 100 € pro mt, die Käufer drosselten die Weitergabe (die Gasspeicher waren voll) um durch die künstliche Knappheit höhere Preise an der Börse zu erzocken und die Endabnehmer fluchten.
    Aber die Gaskraftwerke liefen stabil und deckten die Grundlast ab während der Zappelstrom aus Licht und Luft die Ergänzung bildete.

    Rückkehr zur Energiesouveränität und Abschaffung dieser EU-Vorgabe, DAS wäre wahre Souveränität und Handeln im Sinne des geleisteten Amtseids.
    Nicht gewollt, nicht gewünscht und vom Hegemon nicht erlaubt (‚believe me, we will stop it‘, J. Biden zum damaligen Kanzler).