Während Berichte über Zwangsverheiratungen minderjähriger Mädchen zunehmen, herrscht bei der Bundesregierung offenbar völlige Ahnungslosigkeit. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (Drucksache 21/1058) gesteht sie ein, dass es bis heute keine zentrale Erfassung von Kinderehen in Deutschland gibt. Zahlen zu registrierten Ehen Minderjähriger zwischen 2016 und 2024? Fehlanzeige. Erkenntnisse zu Dunkelziffern? Fehlanzeige. Wirksame Meldepflichten? Fehlanzeige.
Immerhin: Drei Kinderehen wurden 2024 durch Familiengerichte aufgehoben – in einem Fall waren beide “Ehepartner” unter 16. Und laut Ausländerzentralregister hielten sich zum Stichtag 31. Dezember 2024 279 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren in Deutschland auf, die offiziell als verheiratet gelten – darunter 124 mit ukrainischer, 67 mit syrischer und 20 mit afghanischer Staatsangehörigkeit.
Die Bundesregierung sieht keinen Grund zur Eile. Weitere gesetzliche Anpassungen sollen frühestens 2027 geprüft werden. Bis dahin bleibt Deutschland ein Land, in dem Kinderehen im Verborgenen existieren – und der Staat lieber wegschaut.

