Achim Barth, ehemaliger Landesvorsitzender der WerteUnion in Baden-Württemberg, veröffentlichte einen aufschlussreichen Thread auf X, in dem er die internen Konflikte und Machtkämpfe innerhalb der Partei detailliert schildert. Barth, der bis April 2025 das Amt innehatte, legt dar, wie Jörg Meuthen, ein prominentes Mitglied der WerteUnion, die Partei systematisch unterwandert und gespalten habe. Seine Darstellung, die in einer dreiteiligen Analyse angekündigt wird, wirft ein kritisches Licht auf die Führungsstrukturen und die aktuellen Krisen der jungen Partei.
Baden-Württemberg als „Labor der Intrigen“
Barth beginnt seine Schilderung mit der Rolle Baden-Württembergs als Ausgangspunkt der Krise. Ende August 2024 wurde Jörg Meuthen, zuvor langjähriger Spitzenpolitiker der AfD, in die WerteUnion aufgenommen. Barth, der Meuthen damals unterstützte, beschreibt ein zunächst vertrauensvolles Gespräch, in dem Meuthen versprach, keine Spitzenämter anzustreben, sondern als erfahrene Stimme zu beraten. Doch schon bald zeigte sich ein anderes Bild: Nach seiner Ernennung zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden änderte Meuthen seine Strategie.
Die Spannungen eskalierten, als Ende 2024 die vorgezogene Bundestagswahl anstand. Während der Landesverband Baden-Württemberg sich auf die Landtagswahl 2026 konzentrieren wollte, drängte Meuthen auf eine Teilnahme an der Bundestagswahl – trotz fehlender Strukturen, Kandidaten und Finanzen. Barth beschreibt, wie Meuthen und seine Unterstützer, insbesondere Tino Ritter, den Landesvorstand gezielt spalteten. Abstimmungen wurden angezweifelt, Barth selbst mit falschen Vorwürfen wie AfD-Nähe diffamiert. Dieses „dreckige Geschäft“, wie Barth es nennt, führte schließlich im März 2025 zum Rücktritt des gesamten Landesvorstands.
Machtübernahme und Warnsignale
Nach dem Rücktritt übernahm Meuthen den Landesverband und installierte seine eigenen Leute. Für Barth war Baden-Württemberg ein Testgelände für die Methoden, die nun auf Bundesebene sichtbar werden. Er kritisiert, dass Meuthens Vorgehen nicht auf Werte oder Inhalte basiere, sondern auf Intrigen und Machtspielen. „Wer glaubt, Jörg Meuthen sei Teil der Lösung, täuscht sich. Er ist das Grundübel“, schreibt er eindringlich.
Barth gibt zu, dass er und andere sich von Meuthens Charisma und Erfahrung hatten täuschen lassen. Die Ereignisse in Baden-Württemberg hätten als Warnsignal dienen sollen, doch viele ignorierten die Zeichen. Nun, so Barth, erlebe die WerteUnion auf Bundesebene ein Déjà-vu.
Reaktionen und Perspektiven
Der Thread löste zahlreiche Reaktionen aus. Stefan Homburg fragte nach der Rolle von Hans-Georg Maaßen und dem Bundesvorstand, die den Konflikt nicht entschärften. Barth erklärte, Maaßen habe zunächst ein Tandem mit Meuthen für die Landtagswahl favorisiert, sei jedoch von den Ereignissen überrollt worden. Andere Nutzer, wie Thomas Walther, sehen in Meuthen ein „U-Boot der CDU“ oder einen „eloquenten Blender“, während Kathrin Woerner ihre Entscheidung, die Partei nach Meuthens Eintritt zu verlassen, bestätigt sieht.
Einige Kommentatoren, wie Rainer Michael, schlagen vor, die WerteUnion solle sich der AfD anschließen, während Wolfram Schillinger Meuthens frühere Taktiken in der AfD bemängelt. Barth betont jedoch, dass die Verantwortung bei der Führung liege und nicht bei den Mitgliedern.
Ausblick und Lehren
In den kommenden Teilen seiner Analyse will Barth aufzeigen, wie Meuthen und Hans-Georg Pantel den Bundesvorstand unterwanderten und welche Lehren für die Zukunft gezogen werden müssen. Er plädiert für einen „Reset“ der WerteUnion, der die Partei unabhängiger und widerstandsfähiger machen könnte. Sein aktueller Posten als stellvertretender Vorsitzender des WerteUnion-Fördervereins unterstreicht seinen Wunsch, die Partei zu reformieren, anstatt sie aufzugeben.
Die Schilderungen von Achim Barth bieten einen einzigartigen Einblick in die internen Machtkämpfe der WerteUnion und werfen Fragen über die Führungsqualitäten und die Zukunft der Partei auf. Während die Debatte auf X weitergeht, bleibt abzuwarten, ob die WerteUnion die Krise meistern oder an den Spannungen zerbrechen wird.

