Wieder einmal fühlen wir uns gedemütigt und vorgeführt. Die Shell Jugendstudie 2024 stellt uns die Jugendlichen aus dem Osten als rückständig dar. So scheint es jedenfalls. Wer zwischen den Zeilen liest, bekommt den Eindruck: „Du bist Ossi, also bist du automatisch weniger weltoffen und weniger demokratisch.“ Aber ist das wirklich fair? Vor wem will Shell sich beugen?
Warum dürfen wir keine eigene Meinung haben?
Uns wird immer wieder gesagt, wie wichtig Meinungsvielfalt und Toleranz seien. Aber wenn wir im Osten unsere eigene Meinung äußern – sei es zu Migration, Demokratie oder den Problemen unserer Heimat – dann wird das oft als Ablehnung oder gar als Fremdenfeindlichkeit dargestellt. Ja, wir sehen manche Dinge vielleicht anders als unsere Altersgenossen im Westen. Aber das bedeutet nicht, dass wir keine Meinungsvielfalt schätzen. Im Gegenteil! Gerade weil unsere Lebensrealität anders ist, haben wir eine eigene Perspektive.
Müssen wir denn alle Syrer lieben wie unseren Nächsten?
Diese Frage stellt sich vielen von uns. Nicht jeder von uns ist sofort bereit, neue Nachbarn aus einem anderen Kulturkreis willkommen zu heißen. Aber bedeutet das, dass wir deswegen schlechte Menschen sind? Müssen wir uns schuldig fühlen, weil wir nicht sofort alle fremden Kulturen uneingeschränkt umarmen? Toleranz bedeutet doch auch, dass man Verständnis für verschiedene Meinungen aufbringt. Warum wird unser Standpunkt als weniger wert angesehen?
Wird mit der Shell-Studie die Meinungsvielfalt eingeebnet?
Es fühlt sich manchmal so an. Wer nicht ins Bild passt, wird schnell in eine Schublade gesteckt: „verdrossen“, „rückständig“, „weniger demokratisch“. Aber ist das wirklich fair? Die Shell-Studie misst uns an einer Vorstellung, das viele von uns im Osten nicht teilen – oder vielleicht nicht auf dieselbe Weise leben. Aber heißt das, dass unser Lebensentwurf weniger wert ist? Wir fordern nicht, dass alle unserer Meinung sind, aber wir verlangen Respekt für unsere Ansichten, unsere Kultur und unsere Lebensweisen.
Wer nicht so tickt, wie es Shell gerne hätte, wird zum „Bösen“ erklärt
Das ist das Gefühl, das bei vielen von uns bleibt. Es ist, als ob es nur einen richtigen Weg gäbe, und wer davon abweicht, wird sofort als Problem dargestellt. Wir wollen nicht ständig als das „andere Deutschland“ dargestellt werden, als diejenigen, die „hinterherhinken“. Wir haben unsere Gründe für unsere Ansichten. Und wir möchten, dass man diese respektiert, ohne uns ständig in ein schlechtes Licht zu rücken.
Am Ende geht es darum die Vielfalt der Meinungen und Lebensentwürfe anzuerkennen – auch die im Osten unseres geliebten Vaterlandes.



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13 Kommentare zu „Ich bin Ossi – also schlecht?“