Die frühere österreichische Außenministerin Dr. Karin Kneissl lebt bekanntermaßen inzwischen in Russland. Wegen ihrer Nähe zu Putin geriet sie häufig in die Kritik, zum Beispiel weil der russische Staatspräsident zu Gast bei ihrer Hochzeit war und der Braut Ohrringe im Wert von ca. 50.000 Euro mitgebracht haben soll. Das ist nun alles kalter Kaffee. Im Gespräch mit RT DE wird Kneissl, aktuell Leiterin des Gorki Zentrums an der Uni St. Petersburg zur Sicherheit der deutschen Energieversorgung befragt und übt an den Plänen von Friedrich Merz harsche Kritik:
RT DE: Nach Angaben der Bundesnetzagentur zahlen rund ein Viertel der Stromverbraucher und knapp ein Fünftel der Gasverbraucher für Energie den hohen Grundtarif. Und wird Merz sein Wahlversprechen einlösen können? Und kann Deutschland das drängende Problem ohne russisches Gas erfolgreich lösen?
Kneissl:
Das ist der verträumte Wahlkampf, weil ein Wahlkampf sollte ja auch auf Fakten und Realismus basieren. Ich habe fast den Eindruck, es herrscht jetzt gerade eine Art Energieromantik, nicht eine Romantik der Musik oder Literatur, sondern es ist wirklich ein Träumerlein, was hier Friedrich Merz von sich gibt, weil jede Form von Betrieb bedarf gewaltiger Behördenwege in Deutschland, Umweltverträglichkeitsprüfung, gewerberechtliche Fragen, ein Kraftwerk umso mehr.
Da sind so viele versicherungstechnische und verwaltungstechnische Fragen, dass er hier wohl völlig unterschätzt, wie viele Behördenakte die Errichtung eines Gaskraftwerkes braucht.Plus dann natürlich das Allerwichtigste, ein Gaskraftwerk auf der grünen Wiese allein bringt es nicht. Es müssen Leitungen bestehen, es müssen langfristige Lieferverträge da sein, damit ein solches Erdgaskraftwerk sich auch amortisiert. Also was er sich da genau vorstellt, weiß ich nicht.Ich würde sagen, es ist nicht einmal Werbetrommel für einen Wahlkampfrühren.
Es ist einfach eine verträumte naive Aussage, die man eigentlich nicht von einem Kanzlerkandidaten in der Form hören sollte. Also mein erster Gedanke dazu, es fehlt das Personal.Es wurden mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ja auch sämtliche Ingenieur-Ausbildungswege, es wurde die Rekrutierung in dem Bereich stillgelegt. Das geht an sich zurück in den Anfang der Nullerjahre, als die Regierung, Gerhard Schröder, Joschka Fischer erstmals den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen.
Unter Angela Merkel basierte das dann sehr radikal 2011 im Schnelltempo.Aber es wurden an sich seit dem Regierungsbeschluss vor über 20 Jahren Wachkräfte nicht mehr ausgebildet, nicht mehr rekrutiert. Das heißt, es fehlt schon einmal an Personal, um einen solchen Weg wirklich sinnvoll zu beschreiten. Und dann müssen natürlich auch wiederum Rohstoffe her.Es muss Uran eingekauft werden. Es muss auch das Geld her, weil ein Kraftwerk einer so komplexen Technologie wie ein Atomkraftwerk kann man auch nicht einfach so wieder öffnen. Das braucht seine Vorlaufzeiten.Und wie gesagt, ich glaube, der Hauptknackpunkt in Deutschland ist, es fehlt dafür das Personal.
Britische Gasspeicher sind zur Hälfte leer – der Energiekonzern Centrica schlägt Alarm. Friedrich #Merz kündigt im Falle eines Wahlsiegs für #Deutschland den Bau von 50 neuen Gaskraftwerken an. Doch wie sicher ist Europas Energieversorgung ohne #Russland? Dr. Karin Kneissl… pic.twitter.com/NxgzEzy1TE
— RT DE (@RTDE_OFFIZIELL) January 21, 2025


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4 Kommentare zu „Frühere Außenministerin Kneissl zu den Gas-Plänen von Friedrich Merz“