Die sieben Pleiten

Alle kreischen, fabulieren, fantasieren, hyperventilieren: Schwarzer Tag für Deutschland, historische Stunde, der endgültige Untergang und immer diese Nazi-Vergleiche, das hätte es alles schon einmal gegeben. Nein, nicht nur einmal, sondern in den letzten zweihundert Jahren gleich sieben Mal. Deutschland war nie ein Muster an Stabilität, auch wenn die Wirtschaftswundergeneration etwas anderes glaubt.

Die sieben Pleiten auf deutschem Grund

  1. 1807 (Preußen): Während der Napoleonischen Kriege konnte Preußen seine Schulden nicht bedienen, was als Staatsbankrott gilt.
  2. 1813 (Bayern): Bayern geriet durch Kriegskosten in eine Zahlungsunfähigkeit, bevor es später im Deutschen Reich aufging.
  3. 1850 (Schleswig-Holstein): Nach den Unabhängigkeitskämpfen gegen Dänemark führte die finanzielle Überlastung zu einem Bankrott.
  4. 1923 (Weimarer Republik): Die Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg machte die Währung wertlos und führte zu einem faktischen Staatsbankrott.
  5. 1931 (Weimarer Republik): In der Weltwirtschaftskrise konnte Deutschland seine Auslandsschulden nicht mehr bedienen, was als Zahlungsausfall gilt.
  6. 1939 (Drittes Reich): Vor dem Zweiten Weltkrieg stoppte Deutschland Zahlungen an ausländische Gläubiger, ein weiterer Bankrott.
  7. 1945 (Nachkriegszeit): Nach dem Zweiten Weltkrieg war die deutsche Wirtschaft kollabiert, die Währung wertlos – ein de-facto-Staatsbankrott bis zur Währungsreform 1948.

Es gab auch mehr Kriege als nur diesen einen, von dem immer gesprochen wird.

Um die Anzahl der Kriege Deutschlands in einem vergleichbaren Zeitrahmen wie die sieben Staatspleiten (ca. 1800 bis 1945) zu bestimmen, betrachten wir die wichtigsten militärischen Konflikte, an denen deutsche Staaten oder das spätere geeinte Deutschland beteiligt waren. Vor 1871 beziehen wir uns auf die bedeutendsten Einzelstaaten (z. B. Preußen, Bayern), danach auf das Deutsche Reich und die Nachfolgestaaten. Hier eine Übersicht:

Kriege von ca. 1800 bis 1945

  1. Napoleonische Kriege (1803–1815): Preußen und andere deutsche Staaten waren beteiligt, z. B. in der Schlacht von Jena und Auerstedt (1806) und den Befreiungskriegen (1813–1815).
  2. Schleswig-Holsteinischer Krieg (1848–1851): Preußen und der Deutsche Bund kämpften gegen Dänemark um Schleswig und Holstein.
  3. Deutscher Krieg (1866): Preußen gegen Österreich und verbündete deutsche Staaten (auch Bruderkrieg genannt), führte zur Auflösung des Deutschen Bundes.
  4. Deutsch-Französischer Krieg (1870–1871): Das geeinte Deutschland unter preußischer Führung besiegte Frankreich, was zur Reichsgründung führte.
  5. Erster Weltkrieg (1914–1918): Das Deutsche Reich war eine der Hauptparteien im globalen Konflikt.
  6. Zweiter Weltkrieg (1939–1945): Das nationalsozialistische Deutschland initiierte und führte den bisher verheerendsten Krieg der Geschichte.

Zusätzliche kleinere Konflikte

  • Revolutionen von 1848/49: Kein klassischer Krieg, aber bewaffnete Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen Staaten.
  • Kolonialkonflikte (1880er–1918): Deutschland führte kleinere militärische Operationen in seinen Kolonien (z. B. Herero- und Nama-Aufstand 1904–1908 in Deutsch-Südwestafrika).

Vergleich mit Staatspleiten

Die sieben Staatspleiten (1807, 1813, 1850, 1923, 1931, 1939, 1945) fallen oft mit oder folgen auf Kriege bzw. deren wirtschaftliche Folgen (z. B. Napoleonische Kriege → 1807/1813, Erster Weltkrieg → 1923, Zweiter Weltkrieg → 1945). Es gibt also eine klare Korrelation zwischen militärischen Konflikten und finanziellen Zusammenbrüchen.

Bitte, damit ist alles gesagt.

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