Der kleine Unterschied

Sarah Wagenknecht jetzt als ausgekochte Lügnerin und hinterhältige Wahlkampfmanipulatorin hinzustellen ist weder zutreffend noch besonders schlau. Sie spielte ihre Rolle einfach nur überzeugender als die anderen…

Wer will schon entscheiden ob jemand schlau ist oder doof, wenn selbst schlaue Professoren und  Wissenschaftler sich gegenseitig als doof bezeichnen. Wenn sich der Pulverdampf der gegenseitigen Beschimpfungen aber verzogen und die Köpfe sich abgekühlt haben, dann wird klar wer der Schlaue und wer der Doofe ist.  Manchmal dauerts lang. Nach der Wahl in Sachsen und Thüringen gings um so schneller:

Da ist z.B.  Sarah Wagenknecht, die noch 1989, als auch dem Doofsten klar war, daß die SED-Diktatur eine nahtlose Fortsetzung der Nazidiktatur war, in die SED, eingetreten war. Und noch Jahre, nachdem bereits die ersten SED- und Stasi-Schranzen zu Haftstrafen verurteilt worden waren, soweit sie nicht in Brandenburger Landesbehörden oder deutschen Parlamenten Unterschlupf gefunden hatten, sah Sarah Wagenknecht die Todesgrenze, an der im Auftrag der Mauermörderpartei SED Menschen abgeknallt wurden wie die Hasen, noch als notwendiges Übel an. Das nenn ich konsequent!

Konsequent versuchte sie auch, in den diversen Nachfolgeorganisationen der SED Karriere zu machen – von ihren Parteigenossen ob ihres eher überschaubaren Fleißes nicht sonderlich geschätzt aber umso mehr beneidet ob ihrer Nebeneinnahmen als reisende Salonkommunistin. 

Wagenknecht hat nie ein Hehl aus ihrem Glaubensbekenntnis zum Kommunismus stalinistischer Prägung  gemacht: Für sie war der von der Sowjetunion blutig niedergemetzelte Prager Frühling 1968 eine ‚Untergrabung‘ des Sozialismus und die Friedliche Revolution von 1989 eine ‚direkte Konterrevolution‘; für sie war die DDR das friedfertigste und menschenfreundlichste Gemeinwesen, das sich die Deutschen im im Verlauf ihrer bisherigen Geschichte geschaffen haben und die Honnecker-Miehlke-Diktatur schon gar nicht undemokratisch.

Und ihr laues talkshow-Gesäusel von Frieden und Eierkuchen auf Erden galt nur solange, bis die AfD sich für einen Waffenstillstand und Friedensgespräche einsetzte. Da war dann Schluß mit  dem lustigen Frieden.

Jeder, der es wollte, sowohl in Sachsen als auch in Thüringen, konnte das  hören, nachlesen und sehen. Es gibt nicht viele Politiker die über die ganzen Jahre ihre Sicht auf die Welt so offen und so unverändert kommuniziert haben wie Sarah Wagenknecht.

Sie jetzt als ausgekochte Lügnerin oder hinterhältige Wahlmanipulatorin  hinzustellen, ist also weder zutreffend noch besonders schlau. 

Schlau war nur die Wagenknecht. Als es nämlich mit der politischen Karriere bei den Genossen von einst nichts wurde, ist sie mit neuem Kostüm und make up in die Schauspielerei gewechselt, wie man den Wahlkampf landläufig nennt. Im Wahlkampf, das weiß wiederum der Doofste, geht’s zu wie im Film: Da wird Pierre Brice zu Winnetou, Alain Delon zum eiskalten Mörder, John Wayne zum Sheriff von Rio Bravo, Friedrich Merz zum funkensprühenden Feuerstein und Genosse Frank-Walter zum Präsident aller Deutschen. Jeder spielt die ihm zugedachte Rolle – meist mehr schlecht als recht.

Am besten spielte die Wagenknecht: Ihren Rollentext gegen Zensur, Ausgrenzung, Meinungsverbote, für einen offenen Umgang mit der AfD brachte  sie absolut überzeugend rüber und zwei virtuos übereinandergeschlagene Beine brachten den Testosteronhaushalt so manchen deutschen Michels rechtzeitig zum Wahltag in Wallung.

Tja – und wie das halt so ist: wenn der Film abgedreht ist, dann wird Winnetou wieder zu Pierre Brice, Alain Delon wieder er zum idealen Schwiegersohn, John Wayne wieder zum netten Kerl von nebenan, Frank-Walter zum Spezialisten für menschliche Ratten und Friedrich Merz zum Waschlappen aus welchem selbst der liebe Gott keine Funken mehr schlagen kann.

Und die Wagenknecht wieder zu der, die sie immer wahr: eine eiskalte Machtpolitikerin stalinistischer Prägung, mit Hang zu Parteienverboten, Ausgrenzung, Demokratieverachtung und Gesprächsverweigerung.

Die Wagenknecht beherrscht ihr Metier einfach besser als die anderen: Eine übelriechende Stinkbombe in einen Parfümeriekarton zu verpacken und das ganze  den Leuten als Chanel no 5 anzudrehen –  das war unübertroffen, das war schlau.

Diejenigen, die  in Sachsen und Thüringen drauf reingefallen sind, waren, wie viele von denen inzwischen selber einsehen, einfach nur – doof.

Mal sehen, wie schlau die Brandenburger am 22.September sind…

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