Die AfD-Fraktion hat mit ihrer Kleinen Anfrage (Drucksache 21/706) ein heißes Eisen angefasst: Die klimapolitische Relevanz von langlebigen Kondensstreifen-Zirren, die durch den Flugverkehr entstehen. Dabei geht es um künstliche Wolken, die stunden- oder tagelang am Himmel bleiben und laut AfD die natürliche Wolkenverteilung verändern – mit bislang nicht eindeutig nachgewiesenen, aber möglicherweise erheblichen Auswirkungen auf das regionale Klima in Deutschland.
Die Fragesteller um Alice Weidel und Tino Chrupalla kritisieren, dass viele klimawissenschaftliche Aussagen auf einem „Gedankenexperiment“ basieren, das nie experimentell bestätigt worden sei. Gemeint ist der sogenannte Strahlungsantrieb („Radiative Forcing“), der die Erwärmungswirkung von atmosphärischen Veränderungen beschreibt. Statt fundierter Messungen gäbe es bislang nur Modelle, die laut AfD zu einseitig auf Erwärmung fokussieren und die kühlende Wirkung von Wolken ignorieren.
Im Visier: die Auswirkungen auf Temperaturverläufe, Bewölkung, nächtliche Abkühlung, Sonnenscheindauer und Niederschlagsmuster. Die Bundesregierung soll nun erklären, ob und wie diese künstlichen Wolken beobachtet, dokumentiert und bewertet werden. Außerdem wird gefragt, ob Maßnahmen geplant sind – etwa neue Flugrouten, technische Innovationen oder eine eigene Besteuerung der Kondensstreifen-Emissionen.
Interessant: Die AfD nimmt Bezug auf mehrere internationale Studien, die vor einer zunehmenden Klimawirkung solcher Kondensstreifen bis 2050 warnen, etwa die Arbeiten der European Geosciences Union oder des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Fraktion fordert, dass auch diese Erkenntnisse kritisch überprüft werden – und nicht zum Vorwand für neue Abgaben und Restriktionen dienen.
Die Bundesregierung muss nun Farbe bekennen: Werden künstliche Zirruswolken künftig als Klimafaktor ernst genommen oder bleiben sie weiter unter dem Radar?

