Die CDU im Aachener Raum hat sich mit einer fragwürdigen Wahlkampfaktion selbst ins Knie geschossen. Wie der WDR berichtet, verteilten CDU-Wahlkampfhelfer in Eschweiler kleine Obst- und Kartoffelmesser als Geschenke – teils direkt an Bürger, teils einfach in Briefkästen geworfen. Was als nette Tradition gedacht war, entpuppt sich in Zeiten von #besserohnemesser und dem Gedenken an den Messeranschlag in Solingen vor einem Jahr als geschmackloser Fauxpas. Die AfD-Pressemeldung nutzt diesen Patzer, um der CDU und Innenminister Herbert Reul eine ordentliche Breitseite zu verpassen.
Die Empörung der Bürger ist nachvollziehbar. Ein Messer mit dem Schriftzug „Solingen“ im Briefkasten – ausgerechnet ein Jahr nach dem tragischen Anschlag – wirkt wie ein Schlag ins Gesicht. Dass die CDU ausgerechnet in einer Zeit, in der Messergewalt in Deutschland ein brisantes Thema ist, auf diese „Tradition“ setzt, zeugt von einer Mischung aus Ignoranz und politischem Blindflug. Innenminister Reul, der sich mit seiner Kampagne gegen Messergewalt profiliert, steht nun als Teil einer Partei da, die selbst Messer verteilt. Diese Doppelmoral ist kaum zu überbieten.
Die AfD hat hier leichtes Spiel, wenn sie die CDU für ihre eigene Politik kritisiert, die laut Markus Wagner erst die gesellschaftlichen Probleme geschaffen habe, die Messer zu einem Symbol für Gewalt machten. Die schnelle Entscheidung, die Verteilung der Messer einzustellen, wirkt wie ein panisches Eingeständnis des Fehltritts – doch der Schaden ist längst angerichtet. Tradition hin oder her: In einer Zeit, in der Sicherheit und Sensibilität gefragt sind, hat die CDU mit dieser Aktion bewiesen, dass sie den Puls der Bürger gründlich missverstanden hat.


