
Dieses Jahr gönnt man den Russen ihre Siegesfeier einfach nicht. Am liebsten würden die Medien nachträglich aus den vier Musketieren gegen Nazi-Deutschland drei machen, doch in Zeiten des Internets geht das nicht mehr einfach mit ein paar Fotoretuschen nach Stalins Rezept. So wird man eben auch an diesem 8. und 9. Mai die Bilder aus Moskau ertragen, umdeuten und entsprechend kommentieren müssen, damit das Volk – welch böses Wort – auf Linie bleibt. Das Trommelfeuer der Medien, der Gleichschritt von Presse und Politik macht deutlich, dass Deutschland eben nicht „befreit“, sondern besiegt worden ist. Bis heute hat sich an diesem Status wenig geändert.
Die bedingungslose Kapitulation war das Eingeständnis einer Niederlage, der Krieg verloren und damit weite Teile des Staatsgebiets aufgegeben und Millionen Deutsche dem Vertriebenenschicksal ausgesetzt. Eine Befreiung sieht wahrlich anders aus, als auf dem obigen Foto des zerstörten Kölns.
Nun war der Gegner am Boden und dem Spiel der verbliebenen und verfeindeten Großmächte ausgesetzt. Kein Unrecht, das durch ein anderes Unrecht aufgehoben werden könnte. Menschenleben und Mathematik, wo Minus und Minus Plus ergibt, sind eben nicht dasselbe. Eines muss man den Russen lassen, als ihre Sowjetunion zusammenbrach, zogen sie ihre Truppen aus Deutschland ab. Die anderen Besatzer sind geblieben, gaben sich wie gewohnt als Freunde aus, doch in diesen Tagen wird wieder einmal klar, dass Deutschland auch als menschlicher Schutzschild dient. Kommt es zu einem Schlagabtausch zwischen Russland und USA, befinden sich etliche Ziele auf deutschem Boden, von dem eigentlich nie mehr ein Krieg hätte ausgehen sollen. Aber Willy Brandt, Moskaus bester Mann im Kanzleramt, der eigentlich Herbert Frahm hieß und gute Kontakte zum KGB hielt, hatte man nicht umsonst durch den Transatlantiker Helmut Schmidt ersetzt. Und so nimmt heute mit Ausnahme von Oskar Lafontaine kein Politiker mehr ernst, was der erste SPD-Kanzler der Bundesrepublik immer wieder gesagt haben soll: „Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.“ Für diese Worte Brandts gibt es keinen allerdings einzigen Beleg!
Aber zurück zum heutigen Russland. Dort feiert man den Sieg über „Nazi-Deutschland“ mit Militärparaden. Gesiegt hat damals aber nicht Russland, sondern die Sowjetarmee. Sich fast 80 Jahre später noch daran aufzugeilen ist kein schöner Zug und noch viel weniger ein Zeichen von Stärke, eher Zähnefletschen. Wer Aussöhnung und eben keine Ausdehnung des Machtbereichs anstrebt, verzichtet auf solch ein Gebaren. Das mit der Völkerfreundschaft ist halt doch nicht so einfach – ein gemeinsames „Auf in das letzte Gefecht“ gibt es wohl nur in sozialistischen Heldenliedern, am Ende mündet jede Ideologie in eine Herrschaft der Funktionäre und je nach Füllstand der Portokasse mit mehr oder weniger Wohlstand und Freizügigkeit für die breite Masse.
Die fetten Jahre mit der langen Leine sind auch im ehemals westlichen Teil des Feindstaats BRD endgültig vorbei und das System zeigt immer mehr Gesicht.
Was man Moskau vorwirft, traf schon vor zehn Jahren auf Deutschland zu. Weil ein Künstler angeblich Soldaten der Bundeswehr „verunglimpft“ haben sollte, rief der Bundesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes Oberst Ulrich Kirsch dazu auf, dagegen auf der Facebook-Seite des Künstlers zu protestieren. Es ging um dieses Video des Sängers Joachim Witt.
Witt erhielt Morddrohungen und die hohe Politik wollte das Video auf den Index setzen lassen, was kläglich misslang. Dennoch hat die Zensurkeule gesessen und Eindruck hinterlassen. Heute würde man ihn dafür feiern, vorausgesetzt, die Vergewaltigungsszene spielt in Kiew und die Soldaten tragen russische Uniformen. Franzosen, Briten, US-Amerikaner machen so etwas natürlich nicht. Wer anderes behauptet, findet nicht mal Schutz in der ecuadorianischen Botschaft und kann in den USA sogar des Landesverrats bezichtigt und mit der Todesstrafe bedroht werden, obwohl er gar nicht Bürger der USA, sondern Australier ist. Interessante Logik, aber Siegermächte sind keine Rechenschaft schuldig, was auch Ausdruck darin findet, dass US-Soldaten nicht vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt werden können.
Soweit meine wirren Gedanken zum 8. Mai, der heute auf „Muttertag“ fällt, noch so ein Naziding, wie viele Halbgebildete behaupten. Es war aber die us-amerikanische methodistische Christin Anna Marie Jarvis, die den Muttertag erstmals 1907 in West Virginia als Gedenkveranstaltung für ihre Mutter zelebrierte. Von da schwappte er Jahre später nach Deutschland über und wurde dann bekanntermaßen von den Nationalsozialisten zur Freude aller Blumenhändler zum Feiertag erklärt. Aber was zählen solche Fakten noch in einer Gegenwart, in der Mütter eigentlich als Umweltsäue gelten, weil sie CO2 ausstoßende Kinder produzieren?

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12 Kommentare zu „Besiegt, nicht befreit“