Berlin: Graffiti geben der öffentlichen Kriegsbeflaggung Kontra

Foto / Collage: Hans Egeler

Berlin, wie es leibt und lebt: Ab 1933 wurde allseits Hakenkreuz geflaggt, nach 1939 zusätzlich der Weg zum Sieg aus allen Perspektiven plakatiert, nach 1943  Durchhalteparolen geklebt. Ab Mai 1945 wurde  auf Gegenkurs umgeflaggt. Ab sofort konnte man allen Ecken und Kanten des russisch besetzten Ostsektors lesen, dass vom Gegner lernen „Siegen lernen“ heiße, dass man mit der Sowjetunion Schulter an Schulter den Klassenfeind bekämpfe, dass der Sozialismus – dieses Mal nicht der Nationale – siegen werde und dass das Arbeiter- und Bauernparadies hinter dem Rundum-Trümmerhaufen Richtung Moskau liege. Keine Stadt in Deutschland hat mehr Propaganda-Flaggen und -Plakate  gesehen als Berlin. Genützt hat es nichts, weil alle bejubelten Regime in der Katastrophe geendet haben. 

Berlins Flaggen- und Plakatierfreunde sind für Kriege noch immer startbereit

Nach der Wende 1990 trat an der Propagandafront Ruhe ein: Geflaggt wurde nur noch das Nötigste und die deutsche Fahne wurde geradezu verbannt. Sie galt als rückschrittlich und wenn man sie dennoch zeigte, so stets in Gesellschaft der höheren Instanz namens EU-Fahne. Wer bei Fußballweltmeisterschaften die Flagge zeigte, musste mit dem Abreißen durch Linksfaschisten der Antifa rechnen. 

Wer  geglaubt hatte, die Berliner seien des Flaggenwesens oder -unwesens überdrüssig, unterschätzte die Anwesenheit von Sozialisten in einer Regierung und wurde mit dem nächsten Krieg eines anderen belehrt. Kaum waren die von der Nato an die Wand gedrückten Russen in der Ukraine einmarschiert, wurde in Berlin wieder geflaggt – vom Supermarkt bis ins Stadtschloss, vom Privatfenster bis zu den Tempeln von Kunst und Wissenschaft. Mit Ukraine-Fahnen und Texten zeigte man, wo der Hammer – dieses Mal ohne Sichel – hängt. Selbst Honneckers früherer Amtssitz, das Staatsratsgebäude neben dem Schloss, wurde blau-gelb mit „We stand with Ukraine“ verziert. Schließlich hätten auch Honnecker, das Politbüro und die Volkskammer der DDR  den Spruch jederzeit unterschrieben.

Im Jahre 80 nach Stalingrad schreiben Graffitisten an Berliner Wände: „Nicht unser Krieg!“

Konträr zur angeheizten Kriegspropaganda, in der „Leoparden“ endlich das schaffen sollen, was „Tiger“ 1941-45 nicht konnten, platzen unbekannte Schriftmaler, die an vielen Berliner Orten  wider den von Medienkartell und Altparteien verordneten Anti-Russland-Stachel löcken: Sie sprayen „Das ist nicht unser Krieg!“ an Wände und Flächen. Fancy Nanni und Herr Haldenzwang: Wie kann so etwas passieren? Die „Berliner Zeitung“ ist ratlos und wähnt entweder ganz Linke oder ganz Rechte am Werke. Dass normale Leute im Jahre 80 nach Stalingrad keinen Krieg mehr gegen Russland wollen und das auch an die Wände schreiben, ist für die Medienblase unvorstellbar.  

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