In Deutschland sorgt man sich derzeit wieder einmal über Donald Trump. Erst lobt er Putin, jetzt will er der Ukraine Waffen liefern. Erst sprach er von NATO-Austritt, nun fordert er, dass die Alliierten endlich aufrüsten. Erst hieß es: „Er will den Westen zerstören“, jetzt: „Er will Russland Grenzen setzen.“ Was denn nun?
Wer so fragt, hat Trump nicht verstanden. Die deutsche Presse übrigens auch nicht. Denn sie geht von einem Irrtum aus: dass Politik einem klaren moralischen Kurs folgen müsse. Haltung sei wichtiger als Ergebnis. Das ist das Denken deutscher Beamter und Kommentatoren. Trump denkt anders. Trump denkt wie ein Unternehmer.
Trump verhandelt, er glaubt nicht nur
Während die ehemalige Außenministerin sich gern in Worten verhedderte und sich im Kreis um 360 Grad dreht, tickt Trump anders. Er handelt nach dem Prinzip: Was bringt mir der Deal? Es geht nicht um Überzeugungen, es geht um Nutzen. Trump lobt, wenn Lob nützt. Er droht, wenn Drohung Wirkung zeigt. Und er ändert seine Meinung, sobald sich die Lage ändert.
Putin war für ihn kein Freund, sondern ein Verhandlungspartner. Trump glaubte, dass man Russland mit Entgegenkommen in ein Abkommen locken könnte. Keine Prozesse, keine Sanktionen, kein Gesichtsverlust, dafür Frieden in der Ukraine, auf Grundlage der 2014 eroberten Gebiete. Ein Angebot, das man in Brüssel für Wahnsinn hält. In Trumps Welt war es pragmatisch.
Doch Putin ließ sich nicht locken. Er wollte nicht verhandeln. Er wollte siegen. Er wollte Kiew, nicht Kompromiss. Also beendete Trump das Spiel. Die Tonlage änderte sich. Plötzlich klang er wie ein Falke. Für deutsche Medien war das ein Schock. Für Trump war es die logische Folge eines gescheiterten Geschäfts.
Trumps Wende hat System
Trumps Denken folgt keiner Weltanschauung, sondern einem Muster. Wer liefert, bekommt. Wer blockiert, verliert. Wer sich tot stellt, wird öffentlich abgekanzelt. Das hat er mit Kim Jong Un gemacht. Und auch mit der WHO. Erst schmeicheln, dann abwenden. Und wenn der andere zur Vernunft kommt, geht’s wieder von vorn los.
Das ist nicht wankelmütig. Das ist konsistent im Ergebnis, flexibel im Weg. Die Deutschen nennen das Sprunghaftigkeit. Die Amerikaner nennen es Verhandlung. Es ist kein Zickzackkurs. Es ist ein Kurs mit Rückwärtsgang, Seitenspiegel und Navigationssystem.
Während Baerbock wieder da steht, wo sie angefangen hat, hat Trump längst dreimal die Richtung geändert und trotzdem sein Ziel im Blick. Wer das nicht versteht, wird auch die nächste Trump-Rede wieder missverstehen. Und sich wundern, warum die Welt nicht so linear ist, wie man es im deutschen Politikunterricht gelernt hat.

