Am 6. August jährte sich der Atombombenabwurf auf Hiroshima zum 80. Mal – und wie jedes Jahr überbieten sich Politiker, Redaktionen und Betroffenheits-Performer in ritueller Gedenklyrik. Auch an dieser Stelle hätte ein solcher Artikel erscheinen können. Mit Floskeln wie „Nie wieder Hiroshima“, garniert mit Schwarzweißfotos, Tränen in den Augen und dem moralischen Zeigefinger im Anschlag.
Doch wir haben uns anders entschieden. Warum? Weil sich die Heuchler von einst längst zu den Kriegstreibern von heute gewandelt haben. Dieselben, die jedes Jahr Krokodilstränen vergießen, liefern heute Waffen in Kriegsgebiete, feiern „verantwortungsvolle Atommacht“-Fantasien und fantasieren laut über den „Ernstfall“. Während in Japan der Opfer gedacht wird, bereiten deutsche Politiker auf NATO-Befehl den nächsten heißen Tanz mit Russland oder China vor – ganz ohne schlechtes Gewissen.
Und das Gedenken? Ist längst zur Bühne verkommen. Wer sich gegen neue Kriege ausspricht, wird als „Putin-Versteher“ oder „Querfront“ diffamiert. Wer sich für Frieden einsetzt, bekommt keinen Platz im ZDF-Spezial. Dafür dürfen Politiker, die den nächsten Konflikt schon mit dem Finger auf der Karte planen, ihre Betroffenheitsreden halten.
Nein, an dieser Stelle gibt es kein Geseiere. Sondern einen klaren Appell: Wer Hiroshima wirklich ernst nimmt, sollte sich besser heute als morgen gegen Kriegspolitik, Aufrüstung und atomare Drohkulissen stellen. Alles andere ist Gedenken mit Doppelmoral – und davon haben wir mehr als genug.

