US-Konzern Broadcom hat Lizenzen für unverzichtbare Software gekündigt – Krankenhäuser und Verwaltung bald offline?

Das NASDAQ-100-Unternehmen Broadcom hat nach seiner Übernahme des IT-Dienstleisters VMware einseitig alle Lizenzen für VMware-Software gekündigt. Diese Software ist für zahlreiche Cloud-Dienste essenziell und derzeit ohne praktikable Alternativen. Der Großteil der europäischen Kunden ist auf die VMware-Technologien angewiesen und somit von der Abschaltung ihrer Online-Infrastruktur bedroht, schreibt Ben Maynard, Director of Communications von CISPE.cloud, in einer Aussendung des Unternehmensverbands.

Darunter befinden sich Einrichtungen des öffentlichen Sektors wie Krankenhäuser und Kommunalverwaltungen, große europäische Unternehmen sowie KMUs und Start-ups. Wird die Lizenzierungsfrage nicht für all diese Kunden auf adäquate Weise gelöst, bedeutet das einen Zusammenbruch zahlreicher essenzieller Dienste unserer Gesellschaft und Wirtschaft.

Aktuelle Unklarheiten herrschen unter Anbietern von Cloud-Diensten und Kunden hinsichtlich der Lizenzierung von VMware-Software nach dem 1. April 2024. Broadcom, das Unternehmen hinter VMware, hat bisher nur eine begrenzte Anzahl von Kunden die Erlaubnis erteilt, die Software nach diesem Datum weiterhin zu verwenden. Zudem gibt es Berichte über erhebliche Preisanstiege, die bis zum Zwölffachen der bisherigen Kosten gehen könnten.

Ein schwerer Schlag für die europäische Digitalwirtschaft

Mitglieder der CISPE haben Bedenken gegenüber Broadcom geäußert, wegen der späten oder komplett ausbleibenden Kündigungskommunikation sowie den kurzen Fristen für die Lizenzverlängerung. Weiterhin führt das Entfernen vieler Produkte ohne Vorwarnung und die disproportionale Preiserhöhung der verbliebenen Produkte zu Unmut. Die von Broadcom festgelegten Mindestverpflichtungen sowie erhebliche Preisanstiege bei Lizenzen setzen einige Anbieter massiv unter Druck. Diese Vorgehensweisen könnten die unabhängige europäische Digitalwirtschaft gefährden, indem sie die Auswahlmöglichkeiten von Cloud-Kunden beschränken und insbesondere kleinere Unternehmen, die auf VMware-Produkte angewiesen sind, in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Abschließend wird befürchtet, dass durch diese Praktiken kosteneffiziente Cloud-Dienste in Europa eingeschränkt und eine weitere Konzentration der Marktmacht begünstigt werden.

CISPE fordert umgehende Untersuchung von Broadcoms Handlungen

Die CISPE, der gemeinnützige Wirtschaftsverband der europäischen Cloudinfrastruktur-Provider, fordert Regulierungsbehörden, Gesetzgeber und Gerichte in ganz Europa daher auf, das Vorgehen von Broadcom bei der einseitigen Aufhebung von Lizenzbedingungen für VMware-Software umgehend zu prüfen. Die CISPE fordert zumindest eine sofortige Pause bei den Vertragskündigungen. Des Weiteren fordert die CISPE eine Möglichkeit für all jene Kunden, die von Broadcom zu der stark verteuerten Lizenzverlängerung eingeladen wurden, aus dem auferlegten Mehrjahresvertrag auszusteigen, sobald praktikable Alternativen verfügbar sind.

Francisco Mingorance, der Generalsekretär der CISPE, wirft Broadcom vor, die Dominanz seiner VMware-Technologien auszunutzen, um europäische Cloud-Kunden mit unfairen Lizenzbestimmungen und Gebühren zu belasten. Dies führe zu erhöhten Kosten und einer geringeren Marktviefalt, was besonders schädlich für europäische Kunden und Cloud-Dienstleister sei. Mingorance argumentiert, dass Broadcom daher als Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Acts der EU angesehen werden sollte und seine marktbeherrschende Stellung überprüft werden müsste. Er drängt darauf, dass Regulierungsbehörden Broadcomm schnell untersuchen und zur Verantwortung ziehen. Marktbeherrschende Softwareanbieter sollten nicht über die europäische Infrastruktur bestimmen können.



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4 Kommentare

  1. Wieder ein Beispiel mehr welches zeigt, wie abhängig heutzutage nahezu jeder von diesem IT-Kram ist.

    Das Geschäftsgebaren des Konzerns wiederum zeigt, wie kriminell und bösartig diese quasi-Monopole inzwischen durch die Bank sind, und damit existenzgefährdend für viele Kunden.

    Es könnte aber durchaus auch sein, dass hier wieder ein Puzzlestück des GREAT RESET zu “bewundern” ist. Dieser läuft bekanntlich vielschichtig auf den unterschiedlichsten Ebenen.

  2. Egal, wie man das Verhalten von Broadcom beurteilen will, zeigt es doch wieder einmal deutlich, wie abhängig die heutige Gesellschaft mittlerweile von einzelnen Konzernen ist. Das Rufen nach irgendwelchen “Regulierungsbehörden” gibt lediglich die Hilflosigkeit der jetzt Betroffenen wieder. Lieber sollte die Frage gestellt werden, wie und mit welcher Hilfe Unternehmen wie Broadcom ihre Machtpositionen erhalten haben. Ganz bestimmt nicht dadurch, dass “Regulierungsbehörden” stets “regulierend” eingriffen. Und, im Vertrauen; warum machen sich Unternehmen so abhängig von einer einzigen Software, wo doch schon jedem Kind eigentlich klar sein sollte, dass im heutigen Raubtierkapitalismus die Übernahme von Unternehmen durch Größere ein alltäglicher Vorgang ist.

  3. Seit 2006 gibt es KVM für/in Linux (integriert in den Kernel), mit mindestens ebenbürtiger Performance zu VMWare ESXi. Die Migration der Client-VMs ist simpel, aber KVM läuft nicht auf Windows-Servern, und die Verwaltungswerkzeuge müssten angepasst werden.

    Ich selbst verwende auf meinem Heim-PC KVM/QEMU, um mehrere VMs mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Profilen zu betreiben. Habe mich geärgert, auf dem Rechner nicht nur ein minimales Serversystem installiert zu haben, um den Rest virtuell laufen zu lassen, so gut flutscht die Technik.

    Ich war früher mehrfach Microsoft Gold Partner und erhielt sämtliche Enterprise-Software von MS kostenlos, bin aber seit 2005 auf Linux und empfehle das auch allen Verwaltungen dringend, und auf den Servern unbedingt.
    Die freie, quelloffene (FOSS) und standardmäßig kostenlose Software kann alles (siehe Beispiel VMWare vs. KVM), und selbst Business Support ist verfügbar (RedHat oder SuSE).

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