Der Polizeidirektion Hannover und dem Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ist ein Schlag gegen ein Netzwerk mutmaßlicher Pädokrimineller gelungen. Sieben Verdächtige wurden inhaftiert, eine Online-Plattform wurde vom Netz genommen und Beweismittel wurden beschlagnahmt. Ausgangspunkt war eine Ermittlung der Polizeidirektion Hannover, die zur Festnahme von 19 Verdächtigen führte. Die Sonderkommission „Dia“ identifizierte weitere Tatverdächtige, die sowohl digital als auch im realen Leben agierten. Drei Verdächtige betrieben eine Plattform von Südhessen aus, während das bayerische Zentrum die Ermittlungen leitete.
Die Männer, im Alter von 41 bis 53 Jahren, werden verdächtigt, auf Darknet-Kinderpornografie-Plattformen als Administratoren und Moderatoren Inhalte verbreitet zu haben. Sie wurden auf Grundlage von Haftbefehlen des Amtsgerichtes Bamberg festgenommen. Bei Durchsuchungen beschlagnahmte die Polizei rund 620 Asservate, darunter Datenträger und missbrauchsrelevante Gegenstände. Die Identifizierung weiterer Tatverdächtiger ist im Fokus.
Bei der Durchsuchung der Wohnung eines der Beschuldigten wurde ein 12-jähriger Junge in Umständen angetroffen, die den Tatverdacht des sexuellen Missbrauchs begründen. Durch die Festnahme des Tatverdächtigen wurde der weitere Kontakt unterbunden. Das Kind konnte nach zwischenzeitlicher Betreuung durch besonders geschulte Polizeibeamtinnen noch am gleichen Abend wieder in die Obhut seiner Eltern übergeben werden. Mehrere Tatverdächtige haben im Rahmen der polizeilichen Einsatzmaßnahmen bereits Teilgeständnisse abgelegt und darin auch ihre Komplizen belastet.
Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und der Polizei Hannover dauern an. Die erklärten Ziele der Behörden sind wie schon im Frühjahr dieses Jahres die Identifizierung potenzieller Opfer und weiterer Tatverdächtiger. Schon jetzt ist absehbar, dass mit der Aufdeckung der ebenso umfassenden wie langjährigen Netzwerk- und Bandenstrukturen, sowie der Abschaltung der von der Szene selbst als „Deutsches Pädophilen Forum“ bezeichneten Anbahnungsplattform ein schwerer Schlag gegen die Pädokriminalität gelungen ist.
Aus Gründen des Opferschutzes und um die Ermittlungen nicht zu gefährden, können derzeit keine weiteren Informationen veröffentlicht werden.
„Die akribische Arbeit der Ermittlerinnen und Ermittler hat in weniger als einem halben Jahr zum zweiten Mal zu einem beeindruckenden Ermittlungserfolg geführt“, sagte Gwendolin von der Osten, Präsidentin der Polizeidirektion Hannover zum erneuten Schlag gegen die Pädokriminellen. „Der Sonderkommision Dia ist es nicht nur gelungen, den anonym agierenden Tatverdächtigen ein Gesicht und einen Namen zu geben, sie hat auch die Plattform stillgelegt, auf der sich deutschlandweit pädokriminelle Straftäter vernetzt und an unbedarfte Minderjährige herangemacht haben. Durch das konsequente Einschreiten wurden weitere Straftaten und Opfer verhindert. Das ist auch ein wichtiges Zeichen in Richtung der Betroffenen sexueller Gewalt“, betonte Gwendolin von der Osten. Sie gratulierte allen an den Ermittlungen und Zugriffen beteiligten Kräften und dankte ihnen für ihren engagierten Einsatz.
Der Leiter der Sonderkommission, Dr. Lars Wistuba, ergänzte: „Wir freuen uns, dass es gelungen ist, nicht nur einzelne Tatverdächtige zu identifizieren, sondern ein ganzes Netzwerk von Pädokriminellen zu zerstören. Das wäre ohne die professionelle, länderübergreifende Unterstützung durch weitere Polizeibehörden nicht möglich gewesen.“ Der Kriminaldirektor kündigte an, die umfassenden Beweismittel dahingehend intensiv zu prüfen, dass womöglich noch weitere Tatverdächtige ermittelt und eine akute Gefährdung von Opfern der Kriminellen ausgeschlossen werden können. Der Leiter des bayerischen Zentrums zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet, Leitender Oberstaatsanwalt Thomas Goger bedankte sich bei der Soko „Dia“ für die hervorragende Arbeit: „Durch das akribische Abarbeiten von Spuren ist es nicht nur gelungen, den Tatverdacht so weit zu erhärten, dass sieben Beschuldigte in Untersuchungshaft genommen werden konnten. Im Moment spricht sogar Vieles dafür, dass nur durch das rechtzeitige Eingreifen der Ermittler ein weiterer Missbrauch unterbunden werden konnte.“



Ein Kommentar zu „Schlag gegen Pädophilenring – 12jähriger Junge aus Hand von Kinderschändern befreit“