Ein Zugbegleiter ist tot, weil er eine Fahrkarte kontrolliert hat. Er hat nichts falsch gemacht. Er hat nur seinen Job gemacht. Trotzdem hat er ihn mit dem Leben bezahlt. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist unangenehm, aber notwendig: Ist diese Gefahr Teil des Jobs oder wurde sie einfach hingenommen? Für rund 2.500 Euro brutto im Monat, was am Ende oft etwa 1.700 Euro netto bedeutet, soll ein Mensch täglich Konflikte austragen, sich beschimpfen lassen und im Zweifel allein gegen aggressive Fahrgäste durchsetzen. Man muss es klar sagen: Für dieses Geld setzt niemand freiwillig sein Leben aufs Spiel.
Das eigentliche Versagen liegt bei der Bahn
Der Zugbegleiter hat nicht aus eigenem Antrieb gehandelt. Er wurde in diese Situation gebracht. Die Bahn gibt ihren Mitarbeitern die Autorität, Fahrgäste ohne Ticket aus dem Zug zu werfen, und zwingt sie damit in eine Eskalationsrolle. Ein einzelner Angestellter soll im laufenden Betrieb entscheiden, wer bleiben darf und wer gehen muss. Das ist kein Service, das ist Durchsetzung. Wer einen Menschen öffentlich aus dem Zug verweist, löst Wut aus, erzeugt Gesichtsverlust und schafft eine Situation, die jederzeit kippen kann. Genau dieser Moment hat den Zugbegleiter in Lebensgefahr gebracht.
In diesen Fällen wäre es sinnvoller, den Schwarzfahrer zu ignorieren.Sind 10 oder 20 Euro es wert, dass ein Mensch sich totschlagen lassen muss? Nein“ Der Zug wäre weitergefahren, und ein Mensch wäre heute noch am Leben. Dass die Bahn ihren Mitarbeitern diese Verantwortung überträgt, ohne sie wirksam zu schützen, ist das eigentliche Versagen.
Andere Länder lösen das Problem vor dem Zug
In anderen Ländern wird genau dieser Konflikt gar nicht erst in den Zug verlagert. In Kanada und den USA findet die Fahrkartenkontrolle häufig vor dem Einstieg statt. Ohne gültiges Ticket kommt man gar nicht erst auf den Bahnsteig oder in den Zug. Die Kontrolle erfolgt durch mehrere Mitarbeiter gleichzeitig, oft unterstützt durch Sicherheitspersonal. Aggressive oder uneinsichtige Fahrgäste werden gemeinsam abgefangen, noch bevor sie den Zug betreten.
Der entscheidende Unterschied ist simpel: Der Konflikt bleibt draußen. Der Zugbegleiter muss niemanden aus dem Zug werfen. Er gerät nicht in eine körperliche Auseinandersetzung. Er ist nicht allein. So schützt man Personal, ohne auf Kontrolle zu verzichten.
Ein Schwarzfahrer ist kein Menschenleben wert
Am Ende bleibt eine bittere Wahrheit: Kein Schwarzfahrer rechtfertigt dieses Risiko. Kein Fahrpreis, kein Ordnungsgeld, keine Vorschrift wiegt schwerer als ein Menschenleben. Hat man diesem Mann in der Ausbildung gesagt, dass er bei der Fahrkartenkontrolle sein Leben riskieren könnte? Hat man ihm erklärt, dass er für diesen Lohn in Situationen geraten kann, die tödlich enden? Vermutlich nicht.
Wenn die Durchsetzung von Fahrkarten dazu führt, dass Angestellte sterben, dann ist nicht der Zugbegleiter das Problem, sondern das System. Die Konsequenz kann nur lauten, auf das Herauswerfen von Fahrgästen durch Zugbegleiter zu verzichten und den Konflikt dorthin zu verlagern, wo er hingehört: vor den Zug, nicht hinein. Alles andere bedeutet, dieses Risiko weiter in Kauf zu nehmen.



Kommentare
2 Antworten zu „Zugbegleiter tot – Die Bahn trägt die Schuld“
Sie sehen das nicht ganz richtig. Als die Kontrollen im ehemaligen Deutschland in den Abteilen eingeführt wurde, gab es weder allgemeine Verrohung unter Deutschen noch gewaltbereite Asylforderer an allen Ecken und Enden. Die Usancen – mit Beginn der Eisen- oder Trambahn bis 1945 – waren damals(!) auf ein Kulturvolk abgestimmt.
Es ist die Gier von Behörden und Ämtchen, also des gesamten Aparates, aus jeder Ecke auch noch den letzten Cent herauszukitzeln. die dort oben trohnenden fettärschigen Faulenzer leisten quasi nichts produktives. Machen sich aber schamlos die Taschen voll und voller. die (dummen) kleinen zahlen teils extrem hohe Preise dafür.
Notfalls mit ihrem Leben. Zeit dass in diesem shithole mal richtig aufgeräumt wird.