#Thüringen: Hat sich die AfD wirklich einen Gefallen getan?

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Ich habe mich geirrt. Für mich war klar, dass „Bodo bleibt.“ Es kam anders und das lange Gesicht von Ramelow sprach Bände. Er war tatsächlich vom Ausgang des dritten Wahlgangs überrascht. Ein Augenblick, den es sich auszukosten lohnte. Die Stasi-Seilschaft bekam einen Tritt in die Weichteile verpasst, der sich gewaschen hatte. Respekt für die Strategen dahinter, denn natürlich fußte das Ergebnis auf einem kühnen wie kühlen Plan. Die Taktik ging auf und löste die üblichen Reflexe aus, durch die sich jeder der Schreihälse selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellte. Aber war es das wert?

Die AfD hat einen Coup gelandet, aber …

Es gab links keine Mehrheit und eine Alternative wäre eine rechtskonservative Koalition gewesen, wenn es nach mutmaßlichem Wählerwillen gegangen wäre. Und dann hätte der Ministerpräsident Björn Höcke heißen müssen. Die AfD hatte bereits im Vorfeld signalisiert, als Quasi-Juniorpartner einen Unionskandidaten als Minderheitsregierungschef zu tolerieren. Die Union aber blieb bei ihrem Nein.

Den Fehler der vorzeitigen Anbiederung hat die FPÖ in Österreich teuer bezahlt. Es wäre eine bessere Option gewesen, mit Strache die Kanzlerschaft anzupeilen und schlimmstenfalls erneut in der Opposition zu landen, als sich zum Juniorpartner und damit Verlierer zu erklären. Niemand wählt einen Vizekanzler, wenn es einen echten Gewinner zu küren gibt. Und der heißt weiterhin Kurz.

Was die AfD in Thüringen gemacht hat, verdient einerseits Respekt und war wohl das Maximum an Schmerzen, was dem politischen Gegner bereitet werden kann, andererseits war der Griff in die linke Trickkiste das Gegenteil von dem, was vor allem der Flügel nach außen verkörpern will: Aufrichtigkeit. Wie man als AfD-Abgeordneter einem erklärten Anti-AfD-Politiker seine Stimme geben kann, ohne sich dabei zum Brötchen zu machen, will sich mir einfach nicht erschließen. War es das wirklich wert?