Es war nur eine Jesusfigur

Ein 25-jähriger afghanischer “Flüchtling” hat eine christliche Kirche in Thüringen geschändet und dabei eine Jesusfigur zerbrochen. In einem islamischen Land wäre eine vergleichbare Straftat in einer Moschee wohl nicht so glimpflich für den Täter ausgegangen. Aber woran liegt das?

Ein Freund schrieb mir neulich: “Wir haben in Deutschland keine Kultur der spirituellen Weiterentwicklung.” Er hatte mir eines seiner Bücher mit folgenden Worten übersendet: “Jene Menschen, die eine Annäherung an Formen der Spiritualität dringend bräuchten, fühlen sich allein wegen dieses Begriffs schon abgeschreckt.” Darum habe er versucht, spirituelle Botschaften in einem Werk zu vermitteln, ohne diese zu erwähnen. Das trifft den Nagel auf den Kopf. 

Eine Gesellschaft, die ihre Werte gegen Werbebotschaften eingetauscht hat, ist leichte Beute. Glauben und Religion sind nur noch Folklore. Auch etliche derjenigen, die sich über diesen neuerlichen symbolischen Angriff auf das Christentum aufregen, sehen eine Kirche wohl nur bei Hochzeiten und Beerdigungen von innen – die etwas Frommeren auch noch an Weihnachten und Ostern. Zerstört wurden reine Sachwerte. Es war nur die Figur eines Gottes, von dem man sich laut den zehn Geboten kein Bildnis machen soll. Dazu ein wenig Mobiliar und das ein oder andere “Trauma” bei den Mitgliedern der Pfarrei, das sich mit ein paar Psychopillen gut behandeln lässt.

Ohne wahre geistige Substanz hat das Christentum keine Chance mehr. Der jährlich ansteigende Mitgliederschwund bei den Amtskirchen spricht eine deutliche Sprache. Nicht nur die Missbrauchsskandale sind der Grund dafür, sie liefern den Anlass, sind der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die Frage lautet: Wo finden die enttäuschten Schäfchen eine neue geistige Heimat? Daran hängt das Überleben der westlichen Verwertungsgesellschaft, wenn sie denn wieder zu echten Werten zurückfinden will.