DIE MELANCHOLIE DES JAHRESENDES

DAS WORT ZU HERMANN HESSES „KNULP“ UND DESSEN „HEIMWEH NACH FREIHEIT“ Hermann Hesse (1877 – 1962): „Auf Wanderung – Dem Andenken Knulps“, 1907 

Sei nicht traurig, bald ist es Nacht, 

Da sehn wir über dem bleichen Land 

Den kühlen Mond, wie er heimlich lacht 

Und ruhen Hand in Hand. 

Sei nicht traurig, bald kommt die Zeit, 

Da haben wir Ruh. Unsre Kreuzlein stehen 

Am hellen Straßenrande zu zweit, 

Und es regnet und schneit, 

Und die Winde kommen und gehen. 

Hermann Hesse (1877 – 1962): „Drei Geschichten aus dem Leben Knulps“ (erschienen 1915): „Das Ende“ 

— „Heimweh nach Freiheit“ — 

„Sieh“, sprach Gott, „ich habe dich nicht anders brauchen können, als wie du bist. In meinem Namen bist du gewandert und hast den sesshaften Leuten immer wieder ein wenig Heimweh nach Freiheit(sic)mitbringen müssen. In meinem Namen hast du Dummheiten gemacht und dich verspotten lassen; ich selber bin in dir verspottet und bin in dir geliebt worden. Du bist ja mein Kind und mein Bruder und ein Stück von mir, und du hast nichts gekostet und nichts gelitten, was ich nicht mit dir erlebt habe.“ 

„Ja“, sagte Knulp und nickte schwer mit dem Kopf. „Ja, es ist so, ich habe es eigentlich immer gewusst.“ 

— Fazit: Was bleibt am Ende, am Ende des Tages, am Ende aller Tage (sic)? Den „meisten Menschen“ (sic) weniger ein eigenes Quantum an Freiheit (sic) als das ureigene „Heimweh nach Freiheit“ (sic), welche „ihnen“ (sic) stets ein „Gespenst in Annäherungen“ und somit „ewig unerreichbares Ideal“ bleiben wird! — 

Hermann Hesse (1877 – 1962): „Jugendflucht“ (1897) 

Der müde Sommer senkt das Haupt 

Und schaut sein falbes Bild im See. 

Ich wandle müde und bestaubt 

Im Schatten der Allee. 

Durch Pappeln geht ein zager Wind, 

Der Himmel hinter mir ist rot, 

Und vor mir Abendängste sind 

– Und Dämmerung – und Tod. 

Ich wandle müde und bestaubt, 

Und hinter mir bleibt zögernd stehn 

Die Jugend, neigt das schöne Haupt 

Und will nicht fürder mit mir gehn. 

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