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Keine Bratwurst auf der AfD-Demo am 8.10.22 vor dem Reichstag

Demonstrieren macht nicht nur durstig, sondern auch hungrig. Was lag also näher, als dass aktive Freunde der AfD ein zusätzliches Zeichen gegen die gegenwärtige Preisexplosion setzen wollten.

Nur 50 Cent für eine Bratwurst

Gegrillte Thüringer Bratwürste im XXL-Format, sprich 30 Zentimeter lang, im aufgeschnittenen Brötchen, wahlweise mit Senf oder Ketchup, sollten, so war die Planung der hilfsbereiten Freunde, von einem mobilen Verkaufswagen aus angeboten werden. Mit dem günstigen Preis von 50 Cent sollte ein Zeichen gegen die Kostenexplosion gesetzt werden. Demonstranten, die aus ganz Deutschland anreisen, Familien mit Kindern, welche keine Zeit haben werden, um nach der Anreise und vor der Veranstaltung sich an einem Berliner Eisbein gütlich zu tun, gehen nur leer aus.

Berliner Versammlungsrecht

Dieses regelt die Anmeldung und die Durchführung und was dabei alles verboten oder erlaubt ist. Das Feilbieten von „Speisen und Getränken“ hatten die Väter dieser Verordnungen vor Jahrzehnten schlicht nicht im Sinn, entstammten sie doch einer wohlgenährten Nachkriegsgeneration. Die Idee, mit strammen Bratwürsten, zumal solchen aus dem strammen Thüringen, anzubieten, fällt demnach ins Wasser. Bundesweit haben Verwaltungsgerichte bereits mehrfach und damit indirekt entschieden, dass ein Demonstrant eine gewisse Hungertoleranz aufweisen müsse.

Auch kein Döner am Bundestag

Das Berliner Multikulti-Nationalgericht „Döner“, gegrillte Fleischstücken variantenreicher Herkunft, garniert mit (Originalbestellton in einfacher Sprache: „mit alles“), sprich Soße, Zwiebeln, Salat und Paprika im aufgeschnittenen Weißbrotfladen sind bei Betrachtung der kulinarischen Landkarte rund um den Reichstag nicht im Angebot. Ein kleiner Abstecher in die Sonnenallee böte hinreichenden Einblick in die Vielfalt, nicht nur der dargebotene Magenfüller wegen.

Um Schwächeanfälle, die auf Hunger, Unterzuckerung oder politische Ohnmacht zurückzuführen sind, auszuschließen, wird allen Demonstranten geraten, sich Butterbrote (sofern Butter noch finanzierbar) von zu Hause mitzubringen. Gleichfalls wird angeraten, sich auch mit Getränken (keine Glasflaschen!) zu bevorraten. Auf Alkohol kann getrost verzichtet werden, denn für die emotionale Aufhellung, wenn nicht gar Wachrüttelung, sorgen bereits die Redner, die Themen der Demonstration wie „Preisexplosion stoppen“ und der geballte Unmut der Mitdemonstranten.


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