Erinnerungsunkultur

Schenkt man Blumen zum Hochzeitstag oder feiert man den Scheidungstermin der ersten Ehe, stolziert mit dem Urteil durch die ganze Wohnung und landet dann gemeinsam im Schlafzimmer? Ich weiß nicht, wie ich darauf komme, aber heute fallen mir lauter solch schräge Sachen ein.

Wie meistert man eine „Beziehungskrise“? Richtig, mit einer Paartherapie. Aber fänden es Sven-Olaf und Solveigh-Lisbeth nicht ziemlich merkwürdig, wenn sie nach zehn teuer bezahlten Sitzungen empfohlen bekommen, ein Fotodenkmal auf dem Nachttisch mit den Namen und Abbildungen sämtlicher Seitensprünge aufzustellen? Gegen das Vergessen?

Wie wäre es mit einem alljährlichen Gedenktag: „Weißt du noch Schatz, heute vor 13 Jahren habe ich dich mit dem Gärtner erwischt?“

„Gut, dass du es sagst, beinahe hätte ich es vergessen und mich gar nicht mehr schuldig gefühlt…“

Oder Stolperfliesen im Teppichboden: „Am 12. Juni 1984 hat mir Opa Klaus an dieser Stelle eine Ohrfeige verpasst.“ Er kommt sicher gerne zu Besuch und freut sich schon, wenn die Enkelkinder Lesen gelernt haben und Fragen stellen. Besonders Weihnachten verspricht ein echter Knaller zu werden. Mit Geschenken, wetten?

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