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Happy Kadaver, Fronleichnam!

Bis damals Helmut Kohl ein wenig am Ladenschlussgesetz drehte, war Einkaufen kein besonderer Spaß in der Bundesrepublik. Außer man hatte einen Wallfahrtsort in der Nähe, in unserem Fall das beschauliche Kevelaer, da konnte man vor oder nach dem simulierten frommen Kirchgang sonn- wie feiertags mit der ganzen Familie shoppen gehen. Und das ist auch heute noch so. Ich hatte mich schon als Kind gefragt, wie das möglich war, soll doch Jesus einst die Händler aus dem Tempel geworfen haben, dass sie nun mit seiner Mutter Geschäfte machen durften? Verstößt das denn nicht gegen den christlichen Glauben und dem Gebot der Sonntagsruhe? Eigentlich ist es ja der Sabbath, aber wen interessieren all diese Widersprüche, wenn es ums Geld geht?

Was Fronleichnam bedeutet? Der Leib des Herrn, also Leib Christi, in den sich die Hostien auf wundersame Weise bei der Eucharistiefeier verwandeln. Ihm zu Ehren stecken sie eine dieser Hostien in eine prunkvolle Monstranz und tragen diese dann auf den Prozessionen vor sich her. Ich habe nichts gegen ein wenig Prunk und auch nichts gegen gute Geschäfte, nur wenn man das eine predigt und dann das Gegenteil davon macht, wirkt das nicht so recht überzeugend. Wäre wirklich Gott im Spiel, dachte ich oft, würden sich die Hostien in Geldstücke verwandeln, dass jeder sieht, wen sie wirklich anbeten. Aber warum sollte er das tun? Er weiß es doch.

Auf all nicht vorgesehene Fragen wollen sie nicht antworten. Ein Religionslehrer erklärte die Frage nach der Dreifaltigkeit, dass Gott eben der Vater, der Sohn und auch der Heilige Geist sei. Damit war für ihn der Fall erledigt. Und was war mit der Mutter Gottes? Wie kann man nur so etwas Dummes fragen? Ach so! Bei so viel Heuchelei kann ich jeden verstehen, der sich dem Atheismus zuwendet und sagt, dass wir in einer gottlosen Welt leben, in der alles auf Zufall beruht und keine tiefere Bedeutung hat. Ich glaube das nicht! Geruhsamen Feiertag!

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