US-Studie rechnet vor: Mobilfunk-Grenzwerte hundertfach zu hoch!

diagnose:funk fordert von Bundesregierung in spe: Vorsorgeprinzip beim Thema Mobilfunk

Stuttgart: Die Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk präsentiert in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins ElektrosmogReport (Ausgabe 3-2021) eine neue peer-reviewte Studie von zwei US-amerikanischen Forscherinnen. Sie zeigen mittels standardisierter mathematischer Methoden, dass die Mobilfunkgrenzwerte um den Faktor 200 bis 400 reduziert werden müssen. Als Datenbasis verwendeten die Forscherinnen der ‚Environmental Working Group‘ (Washington, D.C.) die Ergebnisse der zweijährigen US-Tierstudie des National Toxicology Program (NTP). Diese weltweit viel beachtete Studie hatte im Jahr 2018 eindeutige Hinweise („clear evidence“) auf das krebsauslösende Potenzial von Mobilfunkstrahlung erbracht.

„Die Studienautorinnen fordern das, was diagnose:funk seit Jahren von der Bundesregierung fordert: Die Mobilfunkgrenzwerte müssen massiv gesenkt werden, damit die Strahlenbelastung von uns allen sinkt“, sagt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. „Die wissenschaftliche Datenlage ist inzwischen eindeutig, auch wenn deutsche Politikerinnen und Politiker das nicht wahr haben wollen: Mobilfunkstrahlung ist gesundheitsschädlich. Das steht in einem Briefing des wissenschaftlichen Dienstes des EU-Parlaments, das steht auch in einer Studie des beratenden wissenschaftlichen Gremiums der Schweizer Regierung, und das steht im neuesten Review, den der Ausschuss für Technikfolgenabschätzung des Europaparlaments herausgegeben hat. Die neue Bundesregierung muss diese Erkenntnisse der internationalen Wissenschaft ernst nehmen und handeln: Wir brauchen eine Vorsorgepolitik, die sich den Gesundheitsschutz beim Mobilfunk auf die Fahnen schreibt – statt den Lobbyisten der Mobilfunkbetreiber nachzuplappern.“

Die Studie der ‚Environmental Working Group‘ fordert als Ganzkörper-Absorptionsrate (SAR) für Bestrahlung durch Mobilfunkmasten 0,0002 W/kg Körpergewicht für Kleinkinder (= 0,2 mW/kg). Der Grenzwert in Deutschland liegt jedoch um den Faktor 400 höher: 0,08 W/kg (= 80 mW/kg). Da es für Kleinkinder keine Ausschlussgebiete gibt, muss dieser Kleinkinder-Grenzwert als der generell gültige Grenzwert für die gesamte Bevölkerung angesehen werden, um auch Kleinkinder im gesamten Bundesgebiet zu schützen. Die bislang geltenden Grenzwerte unterscheiden nicht zwischen Erwachsenen und Kindern, obwohl Mobilfunkstrahlung den noch im Wachstum befindlichen Organismus von Kleinkindern erheblich stärker schädigen kann. Die Autorinnen der Studie argumentieren entsprechend.

diagnose:funk hatte zwei Studien (Tilmann et al. 2010 sowie Lerchl et al. 2015, erstellt im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz) auf ähnliche Weise untersucht: Die Tierstudien hatten bei einer Mobilfunkbestrahlung von 40 mW/kg Körpergewicht krebsfördernde Effekte gefunden: Ein vorhandener Krebs wuchs schneller als in der unbestrahlten Kontrollgruppe. Daraus ergibt sich der Faktor 100, um den die SAR-Grenzwerte reduziert werden müssen bzw. 10-fach größere Sicherheitsabstände von Mobilfunksendemasten.

Zu den Berechnungen siehe: Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt indirekt, dass die Mobilfunk-Grenzwerte zu hoch sind, https://www.diagnose-funk.org/1729

Die im Zitat von Jörn Gutbier erwähnten Studien:

Übersicht über alle Studien im ElektrosmogReport 3-2021: https://www.diagnose-funk.org/1748


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