Die britische Fotografin Janet Parker galt als zuverlässig, besonnen – und geimpft. Dennoch wurde sie 1978 zum letzten bekannten Pockenopfer Europas. Wie aus einem Originalbericht der US National Library of Medicine hervorgeht, infizierte sich die 40-Jährige vermutlich über einen Luftkanal mit dem Virus – obwohl das gefährliche Pockenlabor nur 15 Meter entfernt lag und sie offiziell keinen Zutritt hatte. Der Skandal gipfelte in einem blutigen Selbstmord des Laborleiters – und in einem Datum, das bis heute Gänsehaut auslöst: Janet Parker starb am 11. September.
Am 11. August klagte die geimpfte Parker zunächst über grippeähnliche Symptome. Wenig später zeigten sich Bläschen auf der Haut, die zunächst für eine bakterielle Infektion gehalten wurden. Erst am 24. August wurde sie mit Verdacht auf Pocken isoliert. Die Diagnose bestätigte sich im hauseigenen Labor – dem gleichen, das nachlässig mit Sicherheitsmaßnahmen umging und bereits zuvor von WHO-Inspektoren als „nicht zufriedenstellend“ bewertet worden war. Die Folge: Parkers Zustand verschlechterte sich rapide. Am 11. September 1978 war sie tot.
Ihr tragisches Schicksal riss ihre Familie mit in den Abgrund. Ihre Mutter infizierte sich, überlebte jedoch – ihr Vater erlitt einen tödlichen Herzinfarkt am Krankenbett. Der verantwortliche Laborleiter Professor Henry Bedson schnitt sich in einem Schuppen die Kehle durch – er starb fünf Tage vor Janet Parker. In seinem Abschiedsbrief gestand er, das Vertrauen seiner Kollegen missbraucht zu haben.
Seit 1980 gelten die Pocken offiziell als ausgerottet – doch in wenigen Hochsicherheitslaboren werden sie weiter gelagert. Trotz zahlreicher Impfkampagnen gelten bis heute Todesfälle und schwere Nebenwirkungen als gut dokumentiert. Die Geschichte von Janet Parker zeigt auf tragische Weise: Eine Impfung ist kein Schutzschild. Und manche Daten verlieren nie ihre Symbolkraft…

