Wirtschaftskrise heißt: Nix los im Puff

Es gibt Wirtschaftszweige, die angeblich jede Krise überstehen. Dazu zählen der Drogenhandel und das älteste Gewerbe der Welt. Umso bemerkenswerter ist, was mir ein Bekannter berichtet, der einen Club betreibt: Er erlebt in diesem Jahr erstmals Tage, an denen kein einziger Gast erscheint.
„Gespenstisch“, sagt er. „Diese Ruhe gab es noch nie.“

Auf der Straße sieht die Lage allerdings ganz anders aus. Der Drogen- und Prostitutionsstrich in den Bahnhofsvierteln boomt. Die Preise fallen – auch, weil immer mehr illegale Prostituierte aus Osteuropa auf den Markt drängen. Sie entziehen sich den Kontrollen der festen Etablissements und umgehen bewusst die gesetzlichen Auflagen.

In Bordellen müssten sie als Selbständige Tagesmieten zahlen, Hygiene- und Meldepflichten erfüllen und sich registrieren lassen. Auf der Straße entfallen diese Kosten. Wer billiger anbieten kann, gewinnt – so brutal funktioniert der Markt. Was während der „Pandemie“ begann, setzt sich nun konsequent fort.

Die großen, angemeldeten Häuser geraten zunehmend unter Druck. Das Geschäft verlagert sich: erst auf die Straße, dann in Wohnungen und private Räume. Dort treffen sich Mietschulden, Ratenkredite und Existenzangst. Sichtbar wird davon wenig – und genau das ist Teil des Problems.

Offizielle Zahlen gibt es kaum. Ende 2024 waren bundesweit nur rund 2.250 erlaubte Prostitutionsgewerbe registriert, überwiegend Bordelle. Einzelne Schließungen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten sind bekannt: sinkende Kaufkraft, wachsende Konkurrenz durch Wohnungsprostitution, Nachwirkungen der Lockdowns. Belastbare Zahlen für 2025 fehlen jedoch.

Insolvenzen in diesem Bereich tauchen lediglich anonym in den allgemeinen Statistiken auf – ohne gesonderte Ausweisung. Die Krise ist real, aber sie bleibt unsichtbar. Und manchmal erkennt man sie eben nicht an Fabrikhallen oder Börsenkursen, sondern daran, dass selbst dort niemand mehr kommt, wo früher immer Betrieb war.

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