Kein Fett, keine Pommes…

Friteuse
Friteuse / Bild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

Jetzt ist die Krise in der Provinz angekommen. Unser örtlicher Pommes-Man muss die Fritten rationieren. Einzelbestellungen sind erst mal nicht mehr möglich, sonst sind die Vorräte zu schnell verbraten. Es gibt nirgendwo mehr Fett für den Gastronomiebedarf. Noch ist die Laune in den Freibädern bei den fantastischen Temperaturen ungetrübt, doch das könnte sich bald ändern. Erst fehlen auch dort die Fritten, weil das Fett alle ist, dann das Eis und zum Schluss hat die Gemeinde nicht mehr genug Geld für ein beheiztes Becken. Und wieder wird das Bad geschlossen, dieses Mal nicht wegen “ Corona“ und auch nicht wegen Neuköllner Verhältnissen, sondern wegen Kohle. So wollten es die Klimahüpfer ja auch, hopp, hopp, hopp, Kohlestopp.

Selten habe ich übrigens einen so heißen Frühsommer mit so wenig Motorradfahrern erlebt. Die Gegend hier ist ein wahres Paradies für die Organspender auf zwei Rädern, jeder zweite Biergarten wirbt mit „Bikers Welcome“, doch bei unserem letzten Ausflug an die Loreley war es mir schon aufgefallen, es ist auffallend ruhig auf den Straßen. Nur Rentner gönnten sich ein Bierchen, Otto-Normal-Biker hat offenbar nicht mehr genug Geld für sein geliebtes Hobby. Wer die innige Beziehung solcher Mannsbilder zu ihren Maschinen kennt, der kann erahnen, denen muss es ganz schön dreckig gehen, wenn sie nicht auf der Straße sind. Wo die Biker wegbleiben, fehlt es an Einnahmen, auch andere Sorten Tagestouristen sind selten geworden. Beim Vorbeifahren sieht man es täglich, die meisten Campingplätze sind nicht mal halb belegt, auf der Lahn wird kaum gepaddelt. Die lustigen Sonntagskanuten sorgen kaum noch für Unterhaltung. Normalerweise kann man sich am Uferrand bereits kurz nach dem Ablegen auf den ersten Familienkrach der Tagestouris freuen, wenn der Plastekanadier eine Pirouette nach der anderen dreht und hektische Seitenwechsel die Lage nur noch verschlimmern. Doch was für die Straße gilt, trifft auch auf das Wasser zu, es ist einfach nichts mehr los.

Und dann die Sache mit den Erdbeeren, die sogar billiger als letztes Jahr sind. Etliche dieser Holzbuden an den Straßenrändern sind geschlossen – der „Bauer L***“ sucht „Personal“ erfährt man schon mal und wenn doch einmal geöffnet ist, wird nur wenig verkauft. Und das, obwohl die Preise nicht gestiegen sind, sondern alles billig verschleudert wird.

Wie wird ein solches Geschäftsjahr für etliche Gewerbetreibende zu Ende gehen?

Die Frage mag man mir gar nicht überall beantworten. Achselzucken auch in der KfZ-Werkstatt, die gerade erweitert hat und immer mehr Elektroautos bei den Kunden zählt. So richtig Geld bringen diese Wagen nicht in die Kasse, denn viele Arbeiten dürfen nur direkt beim Hersteller erledigt werden, für normale Werkstätten bleiben dann nur Peanuts, wie Reifenwechseln oder mal eine Stossstange austauschen. Und dann steigen auch noch die Bauzinsen, wer dieses Jahr nicht mehr zuschlägt, kann sich die Finanzierung fürs Eigenheim von der Backe putzen. Auch bei Besserverdienenden reicht es nun nicht mehr zur Flucht aufs Land, denn die steigenden Kosten für den Sprit machen die Fahrt zur Arbeit unbezahlbar. Da kann man auch gleich in der Stadt bleiben, Regen oder Traufe?

Aber egal, jetzt wird erst mal Urlaub gemacht. Ab in den Flieger, ähem, da war doch was…

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