Deutsche Einheit? Friedliche Revolution? Es war alles ganz anders!

Vorsicht, Einheitsfeier! Es war alles ganz anders!

Es war gar nicht der 3. Oktober, den die Politiker nächste Woche wieder unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ohne das Volk feiern, sondern der 9. November, als die Mauer fiel. Während die einen ungläubig in den Fernseher starrten und es gar nicht fassen konnten, dass ohne jedes Blutvergießen das hässlichste Bauwerk der Welt mit bloßen Händen eingerissen wurde, kam mir eine kurze Geschichte in den Sinn, die immer wieder an Stammtischen und auf Familienfeiern kursierte. Eine analoge Verschwörungstheorie sozusagen, die ich als Kind aufgeschnappt hatte. Dabei ging es um die DDR und angebliche Geheimverträge von 1949 zwischen und mit den Siegermächten. Als die „BRD“ gegründet wurde, habe man gleichzeitig vereinbart, dass die DDR nach vierzig Jahren an Westdeutschland fallen würde. Welch ein merkwürdiger Zufall.

Und so hat es sich angeblich abgespielt. Am Abend des 9. November 1989 sollte Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz eigentlich nur bekannt geben, dass die DDR eine neue Reiseverordnung plant. Doch das ZK-Mitglied ist schlecht vorbereitet gewesen – und gibt auf Nachfragen der Journalisten sehr missverständliche Informationen weiter. Die Folgen sind gravierend: „Die DDR öffnet die Grenze“, melden die Nachrichten.

Die offizielle Version habe ich nie geglaubt, die weiteren Hintergründe aber auch damals als junger Mann nicht weiter recherchiert. Der Fortgang der Geschichte ließ bereits erahnen, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Wie die Geier fielen die Heuschrecken in den „befreiten“ Osten ein, von den blühenden Landschaften aus Kanzler Kohls feuchten Träumen hat man bis heute nicht viel gesehen und das Versprechen von Paragraph 146 aus dem Grundgesetz wartet noch immer auf seine Einlösung.

Vor ein paar Wochen hat mir der Autor Michael Wolski freundlicherweise ein Rezensionsexemplar von 1989 Mauerfall Berlin: Auftakt zum Zerfall der Sowjetunion geschickt. Ich habe mich mit einer Norma-Lesebrille bewaffnet und versucht, die kleinen Buchstaben zu entziffern. Eine Bestätigung für die Stammtischtheorie aus meiner Kindheit habe ich nicht gefunden, doch der Verlauf einer Geschichte, die durch viele Interessenlagen mal in die eine, dann in die andere Richtung getrieben worden ist, lässt sich später nie nur auf eine einzige Ursache zurückführen und erklären. Wer alles im Ringen um die DDR und den späteren Abbau der Sowjetunion verwickelt war, hat der Autor in seinem Buch zusammengetragen. Vor drei Jahren sagte er im Interview mit Multipolar:

Das erste Mal bin ich bereits in der Vor-Wendezeit ins Nachdenken gekommen. Ich arbeitete seit 1986 im Internationalen Handelszentrum (IHZ) der DDR in Ost-Berlin in einem West-Firmenbüro – bin also aktiver Zeitzeuge des Endes der DDR und später in Moskau auch des Endes der Sowjetunion gewesen. Das Erste, was mir damals – also schon Ende 1986 – auffiel war, dass die Parteipropaganda im IHZ und bei Parteiveranstaltungen sagte: „Weil die DDR so anerkannt ist, sind nun erstmals vier US-Konzerne gekommen, die hier in der DDR Repräsentanzbüros eröffnen wollen.“ Alle diese Konzerne wie Dow Chemical oder Honeywell waren in der Bundesrepublik bereits mit riesigen Filialen mit tausenden Mitarbeitern vertreten gewesen. Ich habe mich dann gefragt, warum die jetzt in die DDR wollen. Hatten diese Konzerne doch auffällig früh Wind von den wahren Zielen Gorbatschows bekommen?

Es gab noch weitere Erlebnisse, wo ich merkte, dass hier was nicht sauber ist. Eine Erklärung dafür habe ich erst später gefunden. Aber richtig umgehauen hat mich dann ein Ereignis kurz nach dem Mauerfall. Im Dezember 1989 hatte mir mein Schweizer Chef den Sonderauftrag gegeben, die Gründung einer Vertriebsgesellschaft in der DDR vorzubereiten. Um den 10. Januar 1990 herum bekam ich dann aber einen Anruf von ihm: „Gründung einstellen. Wir integrieren alles in unsere bundesdeutsche Tochter. Es wird keine DDR mehr geben.“ Wie konnte er das wissen? Die politischen Diskussionen darüber begannen erst im März 1990. Es gab also offenbar bei einigen Leuten einen Wissensvorlauf zu den wahren Zielen der Perestrojka.

Und hier ein Interview mit eingeschenkt.tv, das leider viel zu wenige Aufrufe hat.

Laut Wolski begannen die Planungen zur Herstellung der deutschen Einheit 1986 in Moskau. Der Mauerfall wiederum sei eine verdeckte Operation der Sowjets gewesen. An vielen Stellen wusste man die Hinweise entsprechend zu deuten und konnte sich vorbereiten. Gorbatschow soll seinerzeit auch die Rückgabe von Ostpreußen angeboten haben, was Kohl und Genscher dankend ablehnten. Warum eigentlich? Wäre es wirklich zu teuer geworden? Oder ging es um ganz etwas anderes, nämlich die Globalisierung, wie Wolski schreibt. Ohne Wiedervereinigung und Auflösung der Sowjetunion wäre diese so nicht möglich geworden. Interessant, dass gerade in diesen Tagen Kaliningrad wieder Königsberg heißt, bahnt sich da etwas an, von dem noch niemand etwas ahnt? Das wäre dann Stoff für ein weiteres Buch, aber erst in ca. zehn Jahren, wenn dieser Irrsinn hier vorbei ist.

Was auch immer sich im Hintergrund abgespielt hat, die offizielle Version ist meistens nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Sollte die EU bald weitere Auflösungserscheinungen zeigen, die spätestens mit dem Brexit begonnen haben, stecken da vielleicht auch ganz andere Planungen und nicht einfach nur Zufälle dahinter. Fröhliche Einheit!

Webseite zum Buch: https://www.1989mauerfall.berlin

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