Kevin Kühnert und die A***loch – Atmosphäre als Twitter-Prinzip

Nun macht auch Kevin Kühnert den Robert Habeck und steigt aus der Plattform „Twitter“ aus. Habeck ist ihm dabei schon mehr als zweieinhalb Jahre voraus. Der Grüne gab  im Januar 2019 zum Abschied von (Facebook und) Twitter bemerkenswerte Sätze von sich, die das Zitat auch heute noch verdienen:

 „Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert: Praktisch, wenn man in Sitzungen verstohlen aufs Handy schaut, grundsätzlich, weil ich mich dabei ertappt habe, wie ich nach Talkshows oder Parteitagen gierig nachgeschaut habe, wie die Twitter-Welt mich denn gefunden hat.“ 

Und: „Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze. Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen.“

Habecks Antipode Kühnert von der SPD äußert sich aktuell gleichfalls sehr persönlich zur Wandlung seines Twitterprofils in: „@KuehniKev – This account doesn’t exist“. Laut ARD habe er festgestellt, dass Twitter seine Wahrnehmung der Wirklichkeit verzerre:

„Ich finde einfach, dass die Diskussionskultur, wie sie auf Twitter stattfindet und auch die Art und Weise, wie dort Gesellschaft repräsentiert oder, ich würde sagen, absolut gar nicht repräsentiert wird, dass das zu Fehlschlüssen und Irrtümern in politischen Entscheidungen führt“.

Kühnert sagt vermutlich etwas mehr als er sagen wollte. Denn er bezeichnet die Twitterwirkung als mitursächlich für politische Fehlentscheidungen, die tatsächlich haushoch vor allen Regierungstüren und -fenstern lagern und die weitere Sicht versperren. Nach Kühnerts Einräumung versteht man besser, warum der persönliche 24/365-Twitterer Lauterbach schon so viel Mist gebaut hat.

Bei Twitter herrscht das „A***-loch“ – Prinzip der FDP-Frau Strack-Zimmermann 

Jeder, der die grundsätzlich überhitzte Atmosphäre auf dem Twitter-Medium kennt, wird zustimmen, dass das Ding ein Durchlauferhitzer ist, der die meisten Äußerungen explosionsartig auf Betriebstemperatur bringt. Die Ursache dürfte im Kurztextformat zu suchen sein, in dem Jeder sein Statement auf 270 Zeichen einzudampfen hat. Das zwingt automatisch zu Kompression und Wirkungstreffer. Langes Denken und Ausholen sind geblockt, was zuletzt am Eindrucksvollsten der Ukrainische Botschafter M. vorführte. Man kann das Twitterprinzip mit dem Wortgeschoss der FDP-Frau Strack-Zimmermann in einem Café vergleichen, in dem sie ein Gast als „Kriegstreiberin“ bezeichnet hatte. Die Frau – von Dame möchte ich hier nicht so richtig sprechen – ging im Rausgehen an den Tisch des Rufers und fasste ihre Meinung zu folgendem Tweet zusammen: „A***loch!“ .  

Auf linken und linksfaschistischen Twitter-Tweets – also der Mehrzahl der Seiten – herrscht das, was man früher als den „Kampf der Wilden in dem Tunnel“ bezeichnet hat: Eine anonyme, grobholzig-faschistisch bis fäkale Rundschlägerei mit dem  Toleranzkoeffizienten Minus Null. Wer sich hier wohlfühlt – vielleicht sollte man sagen: suhlt – muss ein eigenartiges Verständnis von sinnvoller Zeitverwendung haben oder alternativ: Politiker sein oder werden wollen. 

Dass sich zwei der deutschen Spitzenleute von dem Intoleranzmedium, das willkürlich politisch zensiert und auch schon US-Präsidenten rausschmiss, verabschiedet haben, muss kein schlechtes Zeichen sein.

Ein Kommentar

  1. Na, dann bin ich ja mal wieder Super-Pionier, Super-Trendsetter und Super-CheckerIn !
    Ich bin nämlich schon 2016 bei „Twitter“ ausgestiegen und zwar unmittelbar nachdem mein erster Tweet gleich gelöscht worden war. Anscheinend war mein Statement zu angeblich minderjährigen „unbegleiteten Schutzsuchenden“ zu kritisch.
    Ich wollte zum Abschied noch den Tweet absetzen : „Twitter find ich Scheisse“, da war mein account aber schon gesperrt …

Kommentare sind geschlossen.