Der Schlaf in den Geldkatzen

Markus Krall wird nicht müde das Ende der europäischen Schandwährung auszurufen, eigentlich hätte sie seinen düsteren Vorhersagen entsprechend mit dem Jahreswechsel schon erledigt sein müssen. Er erinnert mich ein wenig an Walter Eichelburg, der seinen Lesern auch mehrfach geplatzte Termine des Bankruns präsentiert hatte. Die Lage ist ernst und hoffnungslos, aber solange die deutsche Handelsbilanz noch einen Überhang der Ausfuhren über die Einfuhren aufweist, solange ist die Lage des € noch stabil. Wir sahen vor Kórona einen monatlichen Ausfuhrüberhang von fast 20 Mrd. €, der nun auf drei Mrd. geschrumpft ist. Um die Bilanz endgültig zu kippen, den Euro zu beerdigen, braucht es ein Handelsembargo gegen Rußland, hilfsweise gegen China und den damit im Zusammenhang stehenden Ruin der deutschen Exportindustrie.

Noch wehrt sich Schusselolaf gegen die letzte Konsequenz eines Öl-und Gasembargos, aber sein Widerstand bröckelt dahin. Die NGOs, die Mainstreammedien, die Grünen und die CDU machen es ihm auch nicht leicht. Und der inflationäre Kampfplatz soll noch vergrößert werden. „Russland ist in weiten Teilen vom westlichen Wirtschaftssystem ausgeschlossen. Deutschland und die EU treiben nun unter Hochdruck auch ihre Unabhängigkeit von Peking voran.“ So textete Stuart Lau in der WELT.  Lau ist Politico-Spezialist für China. Politico ist eine US-amerikanische Tageszeitung, die 2007 in den Vereinigten Staaten gegründet wurde und sich zu einer der wichtigsten Medien im Washingtoner Politikbetrieb der Demokraten entwickelt hat. Viele Mitarbeiter stammen von der umstrittenen Washington Post. Seit 2015 wird auch eine europäische Ausgabe veröffentlicht. Im August 2021 erwarb der Axel Springer Verlag das gesamte Zeitungsunternehmen.

Die WELT berichtet weiter: China dürfte problemlos verstanden haben, wen Bundeskanzler Scholz gemeint hat, als er davon sprach, die Lieferketten weniger abhängig von einzelnen Ländern zu machen. Das sei „eine Aufgabe, die aktueller ist, als sie je war“, sagte Scholz, ohne Peking direkt zu nennen. Scholz gab zudem zu, dass die Wahl Japans als erstes Asien-Ziel seit seiner Wahl „kein Zufall“ war. „Wir sind gegen alle Ideen von ‚Decoupling‘ und dass die Wirtschaftsregionen sich trennen sollen“, sagte Scholz. „Aber klar ist: Unsere Unternehmen und auch wir selber werden alles dafür tun, dass niemand von Lieferketten aus jeweils einem Land abhängig ist. Das ist die Erfahrung, die wir jetzt mit der Ukraine-Krise gemacht haben. Das wird Zeit in Anspruch nehmen, aber es wird für uns eine große Rolle spielen müssen.“

Zahlreiche deutsche Firmen haben sich in China engagiert. So wie Dr. M. die wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Rußland vorangetrieben hat, so auch die von China. Gegen die Investitionen deutscher Firmen in China sind die Kosten von Nordstream2 ein Lacher. Nur mal ein Beispiel: BMW produzierte 2021 über 701.000 Einheiten in China, von insgesamt 2,46 Mio. Fahrzeugen. Den chinesischen Fuß kann man sich nicht ohne Folgen abhacken. Und vor allem nicht so auffällig und plötzlich. Eine Suppe, die man jahrzehntelang eingebrockt hat, kann man nicht plötzlich ohne eigenen Schaden auskippen.

Es braucht geduldiges Arbeiten an einer Diversifizierung der deutschen Rohstoffimporte, an einer Flexibilisierung des Einkaufs von Vorprodukten. So etwas wird besser in schummrigen Hinterzimmern über einen angemessenen Zeitraum organisiert, statt hektisch auf einer großen Bühne mit Festbeleuchtung. Es ist keine Haupt- und Staatsaktion. Schon deshalb nicht, weil Deutschland sich den eigenen Zugang zu Rohstoffen zielgerichtet verbaut hat. Deutschland ist die einzige größere Ökonomie, die keinen Rohstoffkonzern hat, der im Ausland Umweltschäden verursacht und eine schlechte CO2-Bilanz hat. Albion wurde von Dr. M. aus der EU herausgeekelt. Damit sind Antofagasta, Anglo American, Shell, BP, Glencore und Rio Tinto aus dem EU-Gebiet ausgeschieden. Mit dem von den Grünen wegen Chlorhühnchen hintertriebenen TTIP-Abkommen sind auch die amerikanischen Ölmultis im verzollten Außengebiet tätig. Zudem hat Deutschland zahlreiche NGOs finanziert, die die Linksregierungen in Südamerika in den Sattel gehoben haben. Im Ergebnis freut sich China über erhöhten Einfluß in den Anden. Das betrifft vor allem Lithium und Kupfer, strategische Rohstoffe, von denen die Grünen so gerne träumen.

Statt im Handel mit China und Indien die Füße eine Weile lang stillzuhalten, zappelt die deutsche Politik auf irrlichternde Kommandos aus Genf und Washington herum. Das Problem dabei ist, daß die deutsche Macht von Washington nur ausgeliehen ist. Sollte Amerika seine Kräfte überreizen, oder käme es in den Staaten zu einem Regierungswechsel, hätte sich Deutschland zu weit vorgewagt und würde als vorlauter Lümmel bestraft werden.

Diese Unschicklichkeiten der deutschen Politik können wir nur registrieren und nicht verhindern. Im persönlichen Bereich ist es mittlerweile schwierig von € in Sachwerte umzuschichten. Immobilien werden angesichts steigender Zinsen billiger werden, ein schlechter Zeitpunkt zum jetzigen Kauf. Die schwachen Hände fliehen gerade aus Aktien, besonders betroffen sind die Streubomben der ETFs. Ich war nie ein Freund dieser Verhikel, aber jetzt weiß ich warum. Beim Verkauf von ETFs kommen eben auch solide Werte unter die Räder. Ich selbst hatte mich vor Ungemach geschützt, indem ich fast nur in politisch inkorrektes Zeug wie Tabak, Waffen, Rohstoffe, Alkohol usw. investiert bin. Die paar Telefonaktien in meinem Portfolio müssen derzeit etwas leiden, weil sie in den ETFs gelistet sind.

Wenn es eine Lehre aus 2022 gibt: Die Börsen sind politischer, als Viele sich das gedacht haben. China und Deutschland fasse ich derweilen mit spitzen Fingern an. Das Schicksal russischer Aktien zeigt, daß Rechtsfragen keine Rechtsfragen, sondern Machtfragen sind. Wer die Wirtschaftsgeschichte von 1914 bis 1990 studiert hat, weiß das natürlich.

Wenn man einen Rat geben will, sollte man darauf dringen, nicht alles auf einmal zu tun. Man sollte den Einstieg in den Aktienmarkt zeitlich strecken und auch Gold und Antiquitäten berücksichtigen. Andreas Beck hatte kürzlich noch einmal drauf hingewiesen, daß es für den langfristigen Investor egal ist, wann er in Aktien einsteigt, es wird bei einem breit gestreuten Mix immer ein Erfolg werden.

Ansonsten gilt immer noch meine Sieben-Punkte-Regel für Aktien:

Dividenden größer 3 %

Eigenkapital größer 30 %

KGV kleiner 20

Gewinn – Umsatz – Verhältnis größer 5 %

Gesunde Bilanzhistorie

politische Risiken beachten

keine Empfehlungen zur Kenntnis nehmen, nicht gierig werden

Grüße an den Inlandsgeheimdienst:

Träumt ihr den Friedenstag?
Träume, wer träumen mag.
Krieg! ist das Losungswort.
Sieg! und so klingt es fort.

(Geh. Rath v. Goethe, 1832)

Beitragsbild: Chin. Karikatur zur Weltlage


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