
In der sogenannten Kulturbranche gehen die Achtersteven auf Grundeis: „50 Prozent sind das neue ‚Ausverkauft‘ „. Die Kundschaft in den Stuhlreihen bleibt großenteils weg und man startet verzweifelte Analysen (hier). Selbst im Hause Relotius schafft man keinen geframten Ruckartikel mehr, sondern bläst Trübsal (hier). Die bange Frage ist, warum sich beim Besuch des post-post-coronaren Kunstbetriebs nicht der gleiche Reboundeffekt einstellt wie in der Gastrobranche, die angesichts hoher Nachfrage an Personalmangel leidet.
Die Alternative war finanziell alternativlos
Um die tektonische Verschiebung zu verstehen, hilft ein kursorischer Blick in die Exponatenräume und Aktionsstätten – von der Documenta bis zur letzten kommunal alimentierten Bruchbude, von denen Goethes Faust gesagt hätte „der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an“. Im Theaterwesen sieht es nicht besser aus: Auf den Bühnen fand über Jahrzehnte eine Postsexus-Erschlaffung statt, die ihren Höhepunkt in den 1970-er Jahren hatte, ausklingend über das berüchtigte Regietheater mit handbreiten Exkrementenpegeln auf der Bühne dahinvegetierte, im Zeitalter des Merkelismus irrelevant wurde und des antefinalen Aufputschens bedurfte. Hier kam ein alternativloses Wundermittel zum Einsatz: Die Politisierung des Personals gegen Bezahlung.
Das Einspannen in die Tagespolitik war der Fangschuss für die Kunst
Die unausgeprochene Devise hieß Kunstschaffende zu Politikern und hier kommen wir dem Besucherschwund auf die Fährte. Fast kein Theater und Konzerthaus und kaum ein Ausstellungsraum oder Museum können ohne öffentliche Zuschüsse existieren, wenn man von wenigen Ausnahmen und großen Events absieht. Ständig stehen die Intendanten und Obleute bei Politikern in Bund, Ländern und – besonders – Kommunen auf den Matten, um weitere Gelder zu bekommen. Und die bekommen sie offenbar leichter, wenn sie politisch agitieren: Ganze Opernhäuser tuteten mit Beethovens 9. Sinfonie gegen eine AfD-Versammlung an (hier), noch die kleinste Theatertruppe bringt „Integrationsstücke“ als Einwanderungshilfen (hier) und die bildenden Künster liefern Belehrungswerke zum Elend in der Welt, dem abzuhelfen wir aufgerufen seien. Alles sehr ehrenwert, aber davon rieselt es längst aus allen Ritzen, ohne dass man einen Kunstbetrieb bräuchte.


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3 Kommentare zu „Nach Corona bleibt das Publikum weg: Die Künstler haben ihre Seele verkauft“